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Warnungen von Fed-Chef Powell drücken Wall Street auf Drei-Wochen-Tief

Der Notenbankchef warnt vor einer langen wirtschaftlichen Durststrecke. Die US-Anleger lassen sich durch die schlechten Nachrichten zu Verkäufen verleiten.

Die Worte von US-Notenbankchef Jerome Powell mit Blick auf eine langwierige Wirtschaftsschwäche haben der Wall Street am Mittwoch zu schaffen gemacht. Der US-Standardwerteindex Dow Jones schloss 2,2 Prozent tiefer auf 23.247 Punkten. Die technologielastige Nasdaq gab 1,6 Prozent auf 8863 Zähler nach. Der breit gefasste S & P 500 büßte 1,7 Prozent auf 2820 Stellen ein. Alle Indizes hatten zwischenzeitlich deutlich höher notiert, Nasdaq und S & P lagen gar im Plus.

Schon am Dienstag hatten Dow Jones, S & P 500 und Nasdaq rund zwei Prozent im Minus geschlossen. Powell rechnet wegen der Coronakrise mit einer längeren Phase wirtschaftlicher Schwierigkeiten, wie er am Mittwoch erklärte. Der weltgrößten Volkswirtschaft könne eine „längere Periode“ mit niedrigem Wachstum und stagnierender Einkommen drohen.

Powell warnte davor, dass „es einige Zeit dauern könnte, bis die Erholung an Schwung gewinnt – und im Laufe der Zeit können Liquiditätsprobleme zu Solvenzproblemen werden“. Zudem drängte der Notenbank-Chef auf weitere Staatshilfen. „Zusätzliche fiskalische Unterstützung könnte kostspielig sein, aber sie ist es wert, wenn sie dazu beiträgt, langfristige wirtschaftliche Schäden zu vermeiden und uns eine stärkere Erholung ermöglicht.“

„Die Wortwahl 'signifikantes Abwärtsrisiko' ist sehr, sehr negativ“, sagte Kenny Polcari, Chef-Anlagestratege des Vermögensverwalters Slatestone. Er rechne mit weiteren Kursverlusten, da Anleger diese Aussagen erst einmal verdauen müssten.

Zu konkreten Vorschlägen aus dem US-Parlament mit Blick auf weitere Konjunkturpakete wollte sich Powell nicht äußern. Dies gehöre nicht zur Rolle der Fed, betonte er.

Gleichzeitig bekannte er sich dazu, bei Bedarf der Wirtschaft mit weiteren geldpolitischen Maßnehmen zu helfen. Dies bestätigte Anleger in ihrer Erwartung, dass die Fed den Leitzins unter null Prozent senken wird. Die Kurse an den Terminmärkten signalisierten, dass für Anfang 2021 mit diesem Schritt gerechnet wird.

Zum Thema negative Leitzinsen, über das in den vergangenen Tagen verstärkt diskutiert worden war, sagte Powell, dass sich die Position seines Hauses nicht verändert habe. „Das ist nichts, was wir uns anschauen.“

„Ich glaube zwar nicht, das irgendein Notenbanker diese Möglichkeit ausschließen würde“, sagte Subadra Rajappa, Chef-Anlagestratege für US-Anleihen bei der Bank Societe Generale (SocGen). „Für den Augenblick hat er (Powell) aber sehr deutlich gemacht, dass die Fed erst die Effekte der aktuellen Geldpolitik beobachten wird.“

Einige Investoren deckten sich als Reaktion am Mittwoch mit der „Antikrisen-Währung“ Gold ein. Das Edelmetall verteuerte sich um 0,7 Prozent auf 1714,60 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Andere „sichere Häfen“ wie US-Staatsanleihen waren ebenfalls gefragt. Die drückte die Rendite der zehnjährigen T-Bonds auf 0,638 von 0,692 Prozent. Dies setzte US-Banken wie Citi und JPMorgan zu, da niedrige Bond-Renditen an ihren Gewinnmargen nagen. Die Aktien verloren bis zu 4,1 Prozent.

Blick auf die Einzelwerte

Im Buhlen um einen möglichen neuen Standort für Tesla hat sich der Gouverneur von Texas eingeschaltet. „Ich hatte die Gelegenheit, mit Elon Musk zu sprechen und er ist ernsthaft an Texas interessiert und absolut enttäuscht von Kalifornien“, sagte Gouverneur Greg Abbott in einem Interview mit dem Sender CBS.

Man müsse nun abwarten, wie sich die Dinge entwickeln würden. Ein Sprecher Abbotts bestätigte der Nachrichtenagentur Reuters, dass der Gouverneur am Wochenende mit Musk gesprochen habe. Tesla antwortete nicht sofort auf eine Bitte um Stellungnahme. Die Aktien des Elektroauto-Pioniers befanden sich kurz nach Handelsstart 0,5 Prozent im Plus.

Bei den Einzelwerten stach JCPenney mit einem Kurssprung von zeitweise fast 51 Prozent auf 0,30 Dollar heraus. Am Ende stand ein Plus von zwölf Prozent. Medienberichten zufolge verhandelt die angeschlagene Kaufhauskette über einen 450 Millionen Dollar schweren Kredit, während sie auf den Insolvenz-Antrag zusteuert.

Uber-Aktien verzeichneten ein Plus von 1,9 Prozent. Der Fahrdienst-Vermittler gibt 50 Millionen Dollar für Gesichtsmasken für Fahrer sowie für Desinfektionsmittel zur Reinigung der Fahrzeuge aus. Bereits am Vortag waren die Papiere um 2,4 Prozent vorgerückt, nachdem berichtet worden war, dass Uber an einer Übernahme des Essenslieferdienstes GrubHub interessiert sei. Der Fahrdienst-Vermittler ist bereits im Geschäft mit der Essenszustellung aktiv, braucht aber noch Größe, um es profitabel zu machen.

Roku, eine Software-Plattform für TV-Hersteller und Anbieter eigener Streaming-Boxen, hat mit JPMorgan und der Citigroup eine Vereinbarung geschlossen, „von Zeit zu Zeit“ bis zu vier Millionen Stammaktien anzubieten und zu verkaufen. Dies wurde der Securities and Exchange Commission (SEC), der US-Börsenaufsicht, gemeldet. Ein Teil der Erlöse soll zum Eigenkapital hinzugerechnet werden. Die Papiere des US-Unternehmens, das unter anderem mit Netflix zusammenarbeitet, gaben mehr als zwei Prozent nach.

Zu den Gewinnern am Aktienmarkt gehörte Mylan mit einem Kursplus von 1,4 Prozent. Der Generika-Hersteller unterzeichnete mit Gilead ein Abkommen zur Produktion von Remdesivir. Das Medikament wird zur Behandlung von Coronavirus-Patienten eingesetzt. Gilead-Titel legten 1,7 Prozent zu.

Zu den schwächsten Werten gehörten die in der Coronakrise bereits stark gebeutelten Aktien von Fluggesellschaften. So verbuchten die Papiere von Delta Air Lines, United Airlines und American Airlines Verluste zwischen 5,6 und 9,0 Prozent. Begründet wurde der Ausverkauf mit Warnungen des Branchenverbands IATA, dass die Flugnachfrage mindestens bis zum Jahr 2025 hinter den Prognosen vor der Corona-Krise bleiben werde.

Am Rohölmarkt verflog die Erleichterung über den ersten Rückgang der US-Lagerbestände seit Januar schnell wieder. Die US-Sorte WTI konnte ihre zwischenzeitlichen Gewinne nicht halten und verbilligte sich bis zum Abend (MESZ) um knapp zwei Prozent auf 25,30 Dollar je Barrel (159 Liter).

Die Opec rechnet wegen der Virus-Krise mit einem Rückgang der Ölnachfrage 2020 um gut neun Millionen Barrel pro Tag. Im vergangenen Monat hatte sie noch ein Minus von knapp sieben Millionen Barrel vorhergesagt.

Mit Material von dpa und Reuters.