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Das war’s. Ich habe alle meine chinesischen Aktien verkauft (mit großem Verlust)

China Aktien
China Aktien

Ich verkaufe äußerst ungerne Aktien. Denn ich habe mit der Zeit gelernt, dass ich in den meisten Fällen besser gefahren wäre, wenn ich die Aktien (die ich ja einmal aus guten Gründen gekauft habe) einfach gehalten hätte. Dennoch habe ich letzte Woche meine letzten verbleibenden Aktien aus China, Alibaba (WKN: A117ME) und Tencent Holdings (WKN: A1138D), verkauft.

Meine Kaufthese für Alibaba und Tencent

Bevor wir zu den Gründen für meinen Verkauf kommen, möchte ich kurz meine These für den Kauf der Aktien darlegen. Denn generell gilt für mich: Solange meine Kaufthese intakt ist, verkaufe ich nicht. Ich kaufte Aktien der beiden chinesischen Tech-Giganten im Jahr 2018 aus folgenden Gründen.

Bei Tencent überzeugte mich, dass der Konzern mit QQ und WeChat über DIE chinesische Plattform für Social Media und Kommunikation verfügte und dieses Ökosystem immer stärker ausbaute mit Angeboten für mobiles Bezahlen, Videokonferenzen, Essensbestellungen und so weiter. Darüber hinaus war das Unternehmen weltweiter Marktführer bei mobilen Spielen und besaß Beteiligungen an unzähligen interessanten Unternehmen. Ich erwartete eine Fortsetzung des hohen Wachstums von Umsatz von Gewinn. Das KGV lag um die 35.

Alibaba war gemessen am Umsatz das größte E-Commerce Unternehmen der Welt mit anhaltend hohen Wachstumsraten. Weiterhin war die Cloudsparte führend in China (und die Nummer 3 der Welt) und der Fintech-Zweig Ant Financial dominierte den Bereich des mobilen Bezahlens in China. Bei allen Bereichen ging ich auch aufgrund des allgemein hohen Wachstums in China von langfristig deutlich zweistelligen Wachstumsraten aus. Entsprechend erschien mir das KGV von ungefähr 35 günstig.

Warum ich nun verkauft habe

Heute sehe ich diese Kaufgründe teilweise als nicht mehr intakt an. Schwerer wiegt für mich jedoch, dass diese mittlerweile fast irrelevant sind. Die letzten Jahre haben mir gezeigt, dass ein Faktor über Wohl und Wehe der chinesischen Unternehmen entscheidet: Xi Jinping. Der chinesische Präsident wies die ehemals mächtigen Tech-Konzerne spätestens seit Oktober 2020 in die Schranken (damals provozierte der Gründer und ehemalige CEO von Alibaba Jack Ma die chinesische Partei). Lange Zeit hoffte ich, dass die Salve von Strafen und Regulierungsmaßnahmen irgendwann enden würde. Schließlich sollten starke chinesische Tech-Unternehmen ja auch im Interesse der Partei sein. Nach dem jüngsten KP-Parteitag bin ich mir da nicht mehr so sicher.

Für mich entwickelt sich China unter Xi immer stärker Richtung Sozialismus. Das Ziel das „allgemeinen Wohlstands“ scheint über allem zu stehen. Definitiv über meinen Interessen als ausländischer Aktionär. Auch Alibaba und Tencent scheinen mir als Unternehmen längst nicht mehr in einer so guten Verfassung wie 2018 zu sein. Teile des Geschäfts wurden zerschlagen, exklusive Rechte mussten aufgegeben werden, milliardenschwere Strafen und „freiwillige“ Spenden belasten zusätzlich. US-Exportverbote für Chips dürften sich ebenfalls negativ auswirken. Entsprechend schrumpften Umsätze und Gewinne zuletzt.

Ganz generell sehe ich China heute deutlich negativer als noch vor wenigen Jahren. Unter der Alleinherrschaft von Xi scheint sich das Land im Bereich wirtschaftlicher und privater Freiheit immer negativer zu entwickeln. Darüber hinaus erklärte Xi die Wiedervereinigung mit Taiwan mehrfach zur „historischen Aufgabe“. Ein Militärkonflikt scheint mir somit nur eine Frage der Zeit. Delistings erachte ich in dem Zusammenhang als nicht unrealistisch. Schlussendlich sehe ich mittlerweile so viele negative Entwicklungen und Risiken, dass ich meine Aktien von Alibaba und Tencent mit grob 50 % Verlust verkauft habe.

Natürlich gibt es bei jedem Investment Risiken. Doch hier scheinen mir diese einfach zu groß zu sein. Trotz vermeintlich günstiger Bewertungen bei Alibaba (erwartetes KGV 10) und Tencent (erwartetes KGV 12) zog ich nun die Reißleine (Stand: 28.10.22).

Der Artikel Das war’s. Ich habe alle meine chinesischen Aktien verkauft (mit großem Verlust) ist zuerst erschienen auf The Motley Fool Deutschland.

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Hendrik Vanheiden besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Tencent Holdings.

Motley Fool Deutschland 2022