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Ich war Freiberuflerin und habe jeden Moment davon gehasst – darum bin ich zu einer Festanstellung zurückgekehrt

Elizabeth Blackstock ist Journalistin und war 20 Monate lang freiberuflich tätig. - Copyright: Mit freundlicher Genehmigung von Elizabeth Blackstock
Elizabeth Blackstock ist Journalistin und war 20 Monate lang freiberuflich tätig. - Copyright: Mit freundlicher Genehmigung von Elizabeth Blackstock

Am 4. Oktober 2021 beendete ich ein 20-monatiges Experiment als freiberufliche Autorin zugunsten eines Vollzeitjobs – und ich hätte nicht dankbarer sein können, einen quälenden Kreislauf aus Überarbeitung und Unterbezahlung zu beenden.

Gehalt Freelancer Selbstständige
Gehalt Freelancer Selbstständige

Von Beruf bin ich Automobil- und Motorsportjournalistin, was so nischenhaft ist, wie etwas nur sein kann. Ich verließ meinen vorherigen Vollzeitjob am 28. Februar 2020, als die Corona-Pandemie die USA – und meine Jobaussichten – ins Chaos stürzte. Meine Arbeitsmöglichkeiten nahmen sofort ab, und die Publikationen, die auf meine Vorschläge antworteten, teilten mir in der Regel mit, dass sie mich nicht bezahlen könnten – ein Trend, der bis weit ins Jahr 2021 anhielt.

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Aber selbst als sich die Veröffentlichungen an die neue Normalität anpassten, wurde die Freiberuflichkeit nicht einfacher. Statt nur zu schreiben, musste ich Marketing, Management, Buchhaltung, Branding und Social-Media-Strategien lernen, während ich mit chronisch niedrigen Gehältern zu kämpfen hatte. Ich habe jedoch viel daraus gelernt und hoffe, dass meine Erfahrungen anderen Freiberuflern oder potenziellen Freiberuflern auf ihrem Weg helfen können.

Gleich zu Beginn stellte ich fest, dass die Freiberuflichkeit mehr Verwaltungsarbeit fordert, als ich erwartet hatte

Einen Großteil meines Tages verbrachte ich damit, Angebote zu verfassen, E-Mails zu versenden, Kontakte zu knüpfen oder Zahlungen nachzugehen. Wenn ich mich dann hinsetzte, um tatsächlich etwas zu schreiben, war es in der Regel Zeit für das Abendessen, und ich war erschöpft. Für jede Minute, die ich mit dem Schreiben verbracht habe, habe ich etwa zehn Minuten mit Verwaltungsarbeit verbracht und auf eine Antwort gehofft.

Höchstes Gehalt Jobs
Höchstes Gehalt Jobs

Das Schreiben war weitgehend unbefriedigend

Anstelle der sinnvollen Arbeit, die ich gesucht hatte, stellte ich Listen toller Produkte zusammen, die man auf Amazon kaufen konnte, und berichtete über staatliche Warnungen vor Kindersitzen in Autos. Ich lernte etwas über Designer-Handtaschen, erstellte endlose Geschenke-Ratgeber, prägte mir Hunderte von Feiertagen in den sozialen Medien ein und lernte, wie man Videoschnitt und Suchmaschinenoptimierung beherrscht. Diese zusätzlichen Fähigkeiten verbesserten meine Situation jedoch nicht wesentlich. Mein Gehalt blieb miserabel.

Networking hat mich gerettet

Glücklicherweise konnte ich an einer Handvoll Pressereisen teilnehmen – Veranstaltungen wie die Vorstellung neuer Autos, bei denen oft viele Journalisten der gleichen Branche zusammenkommen –, und zwar in einer Häufigkeit, wie ich sie noch nie zuvor erlebt hatte, wodurch ich lernte, wie wichtig Networking ist.

Nach einer Reise kam ich mit einigen Kontakten nach Hause, die mich über Möglichkeiten zum Schreiben von Artikeln und über bezahlte Aufträge informierten. Außerdem halfen sie mir auch dabei, Kontakte mit Insidern zu knüpfen, die für mich bürgen konnten, wenn ich eine Presseanfrage stellte. Diese Gelegenheiten erwiesen sich als unabdingbar, um meine Karriere voranzubringen. Erst als ich sie nach einigen Monaten meiner freiberuflichen Tätigkeit wahrnahm, wurde mir klar, wie dringend ich sie von Anfang an gebraucht hatte.

Pünktliche Bezahlung gab es so gut wie gar nicht

Nachdem all das gesagt und getan war – nachdem ich erfolgreich eine Geschichte vorgeschlagen, einen Preis ausgehandelt, den Artikel geschrieben, bearbeitet und veröffentlicht hatte – musste ich immer noch bezahlt werden. Ich war, um es freundlich auszudrücken, das unterste Glied in der Nahrungskette. Ich habe die Reste aufgesaugt, die mir die Publikation, für die ich geschrieben hatte, zugestanden hat.

Wie viele E-Mails, in denen ich um Bezahlung bat, unbeantwortet blieben, habe ich gar nicht mehr gezählt. An dem Tag, an dem ich meinen Vollzeitjob antrat, hatte ich unbezahlte Rechnungen im Wert von 20.000 Dollar (etwa 18.546 Euro) in meinem Posteingang. Und das war sogar noch eine Verbesserung, denn in der Woche zuvor hatten mir zwei Publikationen insgesamt 9000 Dollar (etwa 8346 Euro) gezahlt, die sie mir seit drei Monaten geschuldet hatten.

Meine schnellsten Zahlungen kamen überraschenderweise nicht von den Webseiten, bei denen ich einen Vertrag hatte. Vielmehr kamen sie von kleinen Publikationen mit sehr wenig Personal. Leider waren das auch die Publikationen, die am wenigsten zahlten.

Ich habe vor allem gelernt, was ich wert bin

Als ich anfing, freiberuflich zu arbeiten, hatte ich keine Ahnung, was ein gutes Honorar war. Daher klang ein Unternehmen, das eine Pauschale von 35 Dollar (etwa 32,46 Euro) pro Artikel anbot, verlockend. Enttäuschenderweise war dieser Pauschalpreis trügerisch: Wenn ich mehr als eine Stunde brauchte, um den Artikel zu schreiben, oder wenn er mehr als 750 Wörter umfasste, verdiente ich nicht genug, um meine Rechnungen zu bezahlen.

Erst als ich aufhörte, freiberuflich zu arbeiten, fand ich eine Formel, die für mich funktionierte. Ich legte fest, wie viel Geld ich in einem Monat verdienen wollte, berechnete meine durchschnittliche Wortzahl und spielte mit den Sätzen pro Wort, die mich zu meinem Ziel brachten. Aber selbst der Betrag, den ich mir überlegt hatte – zwischen 25 und 50 Cent pro Wort – schien mir zu ehrgeizig zu sein und würde wahrscheinlich sofort abgelehnt werden.

Mein Experiment als Freiberuflerin hatte aber auch seine guten Seiten. Ich hatte die Freiheit, an mehreren Geschichten zu arbeiten, die ich in einem festen Job, der mich an einen bestimmten Ort bindet, nicht hätte verfolgen können. Diese Geschichten waren jedoch selten und weit voneinander entfernt. Ich betrachte mein Experiment als Freiberuflerin daher inzwischen als Fehlschlag, obwohl ich das nicht unbedingt als negativ betrachte. Es war eine wertvolle Erfahrung, aus der ich viel gelernt habe – aber ich werde sie nicht eine Sekunde lang vermissen.

Dieser Artikel wurde von Victoria Niemsch aus dem Englischen übersetzt. Das Original lest ihr hier.