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Ich war auf einem All-inclusive-Weihnachtsmarkt in Berlin – obwohl das Essen lecker war, werde ich es nicht noch einmal machen

Frieren an der Spree: Business Insider-Redakteur Steffen Bosse hat sich den All-inclusive-Weihnachtsmarkt in Berlin angesehen – und ordentlich gefroren. - Copyright: Business Insider
Frieren an der Spree: Business Insider-Redakteur Steffen Bosse hat sich den All-inclusive-Weihnachtsmarkt in Berlin angesehen – und ordentlich gefroren. - Copyright: Business Insider

Der Besuch auf dem Weihnachtsmarkt gehört für mich unbedingt zur Vorweihnachtszeit dazu. Egal ob mit der Familie, mit Kollegen oder als Treffpunkt für ein Klassentreffen: Weihnachtsmarkt und Glühwein gehen immer. In diesem Jahr allerdings wärmt das Getränk nicht nur von innen, sondern erhitzt dank der Inflation auch die Gemüter. Irgendjemand meckert immer über den Vier-Euro-Glühwein oder das teure Nackensteak.

Sogenannte All-inclusive-Weihnachtsmärkte erscheinen da als vielversprechende Alternative. Das Prinzip: Man kann auf dem Markt so viele Bratwürste verschlingen, wie man will. Anschließend spült man alles je nach Gusto mit literweise Punsch oder Glühwein hinunter. Dafür zahlt man am Anfang einen entsprechend hohen Eintritt.

In Berlin gibt es solch einen Markt in der Nähe der bekannten Kreuzberger Oberbaumbrücke, direkt am Spreeufer. Ausrichter von "Weihnachten an der Spree" ist die Berliner Eventagentur Spreespeicher, die in ihren Räumen je nach Kundenwunsch Tagungen, Gala-Dinner und Empfänge veranstaltet – und auf der Website unter anderem mit Golf-Abschlägen in die Spree wirbt.

Flatrate Weihnachtsmarkt in Berlin: Unbegrenzt essen für 42 Euro Eintritt

Als ich gegen 18:30 Uhr eintreffe, dröhnt mir aus den Lautsprechern Mariah Carey entgegen und der Markt ist schon gut besucht. Etwa 450 Menschen sind da, wird mir gesagt. Großes Gedränge gibt es allerdings nicht: Insgesamt können laut Veranstalter 750 Personen zeitgleich auf dem Gelände sein. Eine angenehme Abwechslung. Vor allem aus meiner Heimatstadt Braunschweig bin ich eigentlich einen einzigen langsamen Kuschelzug gewöhnt, der sich in Trippelschritten durch die engen Gassen wälzt.

Wer nur den Weihnachtsmarkt besuchen will, zahlt dafür zwischen rund 26 und 42 Euro Eintritt. Gestaffelt wird nach Ankunftszeit: Wer um 17 Uhr schon eingelassen werden will, zahlt den Vollpreis, ab 18:30 und 20 Uhr wird es günstiger. Dafür bleibt allerdings auch weniger Zeit zum Schlemmen, denn um 22 Uhr ist der Spaß vorbei.

Ich sondiere ein bisschen, was der Weihnachtsmarkt überhaupt bietet, und stelle fest: Es geht wirklich ausschließlich ums Essen und Trinken. Zwar gibt es am Eingang ein Feld für Eisstockschießen und einige Holzblöcke für Baumstammnageln. An letzteren versuchen einige Männer gerade unter lautem Johlen, obwohl sie Glühwein intus haben, Hammer und Nagel zusammenzubringen.

Champignons, Spätzle, Nackensteak: Was das Weihnachtsmarkt-Herz begehrt

Abgesehen davon gibt es aber fast ausschließlich Essens- und Glühweinstände. Wer wie ich gern über Weihnachtsmärkte wankt, um sich allerlei Handwerk, Deko und Nippes anzuschauen, wird enttäuscht. Dafür gibt es in den uniformen Ständen aber fast alle Weihnachtsmarkt-Klassiker: Bratwurst, Nackensteak, Pilzpfanne – wahlweise mit Spätzle und Gulasch, Kartoffelsuppe, Räucherlachs, Crêpes und Waffeln mit Kirschen. Außerdem gibt es gebrannte Mandeln, Chili, Pulled-Pork-Burger und noch einiges mehr.

Der Weihnachtsmarkt: Hinten die Spree, davor wechseln sich Essensstände und Sitzgelegenheiten ab. - Copyright: Weihnachten an der Spree
Der Weihnachtsmarkt: Hinten die Spree, davor wechseln sich Essensstände und Sitzgelegenheiten ab. - Copyright: Weihnachten an der Spree

Was mir auffällt: Die Portionen sind ein wenig kleiner, als ich das von klassischen Weihnachtsmärkten kenne. Dafür kann ich mir unbegrenzt Nachschlag holen, ist also auch irgendwie egal. Das spielt aber sicherlich eine Rolle, wenn man versucht, das Essen mit dem traditionellen Weihnachtsmarkt zu vergleichen. Angenehm ist aber, dass es am Spreespeicher keine unendlich langen Schlangen gibt. Denn auch das Bezahlen fällt weg, alles geht also deutlich schneller.

Ich greife zuerst zu den Käsespätzle mit veganer Pilzpfanne und komme direkt in Weihnachtsstimmung. Das Essen ist wirklich lecker. Ich merke aber auch schnell: Herumstehen und Essen bei Minusgraden ist ziemlich unangenehm – insbesondere weil der Wind vom Fluss durch die Stände zieht. Deshalb scharen sich alle in kleinen Gruppen um die Heizpilze und Feuertonnen. Ich habe noch dazu meine Handschuhe vergessen. Also hole ich mir schnell einen Glühwein, um meine Hände zu wärmen – und auch der schmeckt, wie er schmecken soll. Mit Schuss kostet er allerdings einen Euro extra.

Vegane Weihnachten? Vegan Head Chef Björn Moschinski sagt, wie es geht.
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Als ich mich mit anderen Besuchern unterhalte, stelle ich fest: Einige haben gar nicht privat bezahlt, sondern sind auf Firmenkosten da. Weihnachtsfeier an der frischen Luft an der Spree mit so viel Essen und Glühwein, wie geht – eigentlich sehr smart. Andere sind aber wirklich mit der Familie da oder treffen sich mit alten Schulfreunden. Und ob sie am Ende wirklich weniger oder mehr bezahlen als auf regulären Weihnachtsmärkten, ist den meisten überraschenderweise egal. Sie freuen sich schlicht über eine gute Zeit und scherzen, dass sie neun Glühweine für realistisch halten.

Kann man beim Flatrate-Glühwein wirklich sparen?

Ich muss aber sagen: Wirklich aufregend finde ich das Prinzip für private Anlässe nicht. Dazu ist mir das Gelände zu klein, gibt es zu wenig Abwechslung – auch wenn die Spree und die Oberbaumbrücke als Kulisse wirklich schön sind. Bei einer Firmenfeier oder einem Klassentreffen wäre das sicher anders.

Und ob man durch das Flatrate-Prinzip wirklich spart? Ich verabschiede mich nach einem Crêpe vom Spreespeicher und düse zum Lucia-Weihnachtsmarkt im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg. Hier bin ich direkt genervt von den vielen Menschen und den langen Schlangen – ein Punkt für den Spreespeicher. Der Glühwein kostet auch direkt vier Euro, genauso viel wie die Bratwurst. Ein Nackensteak schlägt sogar mit 4,50 Euro zu Buche, eine Waffel mit Beeren mit 6,50 Euro.

Kann sich das Flatrate-Modell also auch finanziell lohnen? Auf jeden Fall – wenn man in fünf Stunden seine elf Glühweine kippt. Das entspricht 2,2 Litern. Oder acht Glühweine, eine Bratwurst und eine Waffel mit Kirschen. Schneller geht es beim Räucherlachs-Baguette – das kostet im Prenzlauer Berg nämlich gleich zehn Euro. Wobei man aufgrund der kleinen Portionen eher mit ein bisschen mehr Essen rechnen müsste.

Ich muss allerdings sagen, dass mich die Rechnerei wenig interessiert. Privat würde ich nie auf den Weihnachtsmarkt gehen, um möglichst viel zu essen. Das Bedürfnis, dort zehn Glühweine zu trinken oder sieben Portionen Champignons zu essen, hatte ich auch noch nie. Und obwohl sich die Veranstalter am Spreespeicher viel Mühe bei der Gestaltung gegeben haben und das Essen wirklich lecker schmeckt: Ich mag das Ramschige der klassischen Weihnachtsmärkte, den Mix aus Essen und Nippes, aus ganz unterschiedlichen Schausteller-Ständen und Fahrgeschäften.