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Ich war auf der Aktien-Party von Warren Buffett – und weiß jetzt, wie man besser durch Krisenzeiten an der Börse kommt

·Lesedauer: 4 Min.
Jonathan Neuscheler mit einem Pappaufsteller von Warren Buffett auf der Hauptversammlung von Berkshire Hathaway
Jonathan Neuscheler mit einem Pappaufsteller von Warren Buffett auf der Hauptversammlung von Berkshire Hathaway

Zwei Uhr nachts in Omaha, Nebraska. Fünf Grad Außentemperatur, der Himmel schwarz, es ist tiefe Nacht. Jonathan Neuscheler, Anfang zwanzig, steht mit Energydrinks und Snacks vor einer Eingangshalle und wartet. Es ist kalt. Mehrere Stunden steht er so da. Neuscheler will zu den ersten gehören, die die Halle betreten, um sich einen möglichst guten Platz zu ergattern. „Als die Türen aufgingen, wurde von hinten gedrückt, es waren unglaublich viele Menschen da“, erinnert sich der 25-Jährige im Gespräch mit Business Insider.

Es ist Anfang Mai und für Aktien-Fans bedeutet das nur eins: Es ist die Jahreshauptversammlung von Berkshire Hathaway, dem Unternehmen von Investoren-Legende Warren Buffett. „Die Hauptversammlung muss man sich als die wahrscheinlich größte Party für Investoren vorstellen, die es gibt“, sagt Neuscheler. Auch als „Woodstock für Kapitalisten“ wird das Aktien-Event bezeichnet.

Mehr als 40.000 Menschen aus der ganzen Welt strömen nach Omaha

Berkshire Hathaway ist die wahrscheinlich bekannteste Holdinggesellschaft der Welt. Eine Holding ist ein Unternehmen, dessen einziger Zweck es ist, Kapitalbeteiligungen an anderen Unternehmen zu halten. Zu Warren Buffetts Holding gehören über 80 Unternehmen – aus allen Branchen ist was dabei. Von Versicherungen, Energieversorgern, Einzelhändlern bis hin zu Eisenbahnunternehmen. Außerdem ist Buffett auch an Unternehmen wie Coca-Cola und Apple beteiligt.

Mit einem Umsatz von rund 245 Milliarden US-Dollar gehört Berkshire Hathaway zu den größten Unternehmen der USA und macht Warren Buffett zu einem der reichsten Menschen weltweit. Sein Vermögen wird auf rund 117 Milliarden Dollar geschätzt. Auch die Aktie kann sich sehen lassen: In den vergangenen fünf Jahren ist das Buffet-Papier um fast 90 Prozent gestiegen, seit den vergangenen zwanzig Jahren um mehr als 550 Prozent. Und wer Aktionär ist, kann sich nicht nur über die Rendite freuen, sondern besitzt auch das Recht, an der Hauptversammlung teilzunehmen.

Und die ist besonders beliebt: Buffet hat es mit seiner Veranstaltung geschafft, aus einer Hauptversammlung, die für viele Anleger eher dröge sind, eine Art Aktien-Party zu erschaffen, die Menschen aus der ganzen Welt in die Provinz Omaha lockt. Mehr als 40.000 Menschen werden dort jährlich erwartet. Für Neuscheler ist das ein „riesiges Spektakel“, welches ihn noch weiter motiviert dranzubleiben. Bereits dreimal war der Berkshire-Hathaway-Aktionär auf dieser Veranstaltung, durchgehend von 2017 bis 2019. Die letzten beiden Events mussten wegen Corona virtuell stattfinden.

„Wenn man Buffet reden hört, merkt man diese Freude“

Fünf Stunden am Stück, abgesehen von einer Mittagspause, beantworten Warren Buffett, 91 Jahre alt, und Charlie Munger, sein Vize, 98 Jahre, Fragen von anwesenden Aktionären und Finanzjournalisten. Vor den beiden Männern auf dem Tisch stehen Gläser mit Wasser, Coca-Cola-Dosen, Süßigkeiten der Marke See’s Candies und zwei Mikrofone.

Neuscheler hat vor allem eine Frage eines jungen Studenten noch im Kopf. Dieser fragte Buffett: „Was soll ich machen, um so erfolgreich werden wie Sie?“ „Ich kann mich noch recht gut an die Antwort erinnern“, sagt Neuscheler. Buffet habe gesagt, dass es erstmal darum gehe, dass man schaut, wofür das „Herz brennt“. Denn wenn man mit dem Herzen bei etwas dabei sei, dann mache es auch Spaß. Und wenn es einem Spaß mache, werd man oft gut darin. Und wenn man gut in etwas sei, dann öffnen sich viele „Türen und Möglichkeiten“, um viel zu erreichen.

„Wenn man Buffet reden hört, merkt man diese Freude, die er hat“, sagt Neuscheler. Für ihn sei Buffet ein „guter Lehrer“. „Wenn man sich mit ihm beschäftigt, kann man selbst ein besserer Investor werden“, meint der 25-Jährige. Und dessen Strategie befolgt auch Neuscheler beim Investieren. Ihm geht es darum, langfristig in solide Unternehmen mit hohem inneren Wert zu investieren. Von kurzfristigen Spielereien hält er nichts.

Buffet ist Verfechter der Value-Investing-Strategie. Dabei geht es darum, die Aktie in ihrer eigentlichen Funktion zu begreifen. Eine Aktie sei kein kurzzeitiges Spekulations­objekt, sondern ein Stück Unternehmen, an dessen Kapital und Wachstum man langfristig beteiligt ist. Und genau das bezeichnet Neuscheler als sein „größtes Learning“ beim Besuch der Hauptversammlung.

Jeder Anleger sollte mal eine Hauptversammlung besuchen, sagt der 25-Jährige

Denn in der angrenzenden Halle gab es, wie jedes Jahr, eine Art Messe, von den Unternehmen, die Berkshire Hathaway ganz gehören oder an denen die Firma beteiligt ist. „Du siehst dort, was dir zu einem ganz kleinen Teil gehört“, sagt der junge Aktien-Kenner. Da werde „bildlich und greifbar“, woran man beteiligt sei, wenn man in das Buffett-Unternehmen investiert hat.

Die Messe habe ihm die Grundprinzipien von Buffets Investmentstrategie nochmals verdeutlicht: „Alle Aktionäre zusammen besitzen die ganzen Grundstücke, Gebäude, Maschinen, die hergestellten Produkte, die Marken, eben alle Vermögenswerte eines Unternehmens“, sagt Neuscheler. „In diesem Moment wurde mir noch klarer als zuvor: Ich habe nicht einen besseren Lottoschein gekauft, der je nach Tagesform der Börse nach oben oder unten blinkt, sondern ein Stück unternehmerisches Eigentum.“ Wenn man wisse, dass man ein echtes Unternehmen im Depot habe, komme man auch besser durch schlechte Zeiten, meint der junge Investor.

Um auch diese Erfahrung mitzunehmen, empfiehlt Neuscheler deswegen jedem Aktionär mindestens einmal zu einer Hauptversammlung zu gehen. Und da muss man nicht gleich nach Nebraska fliegen, in Deutschland gibt es auch genug.

Dieser Artikel wurde zuletzt am 26. Januar 2022 aktualisiert. Er wurde am 18. Januar 2022 veröffentlicht.

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