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Wall Street schließt mit kräftigen Aufschlägen

Hoffnung auf weitere Konjunktur- und Finanzpakete treibt die US-Märkte an. Insbesondere die Luftfahrtbranche profitiert von zugesagten Hilfspaketen.

Es ist das erste Mal seit 228 Jahren, dass der Handelssaal vorübergehend geschlossen ist. Wegen des Coronavirus wird an der Nyse nur noch elektronisch gehandelt. Foto: dpa

Anleger an der Wall Street haben die Rekordflut an US-Arbeitslosenanträgen am Donnerstag als positives Zeichen gewertet. Denn sie setzen darauf, dass die US-Regierung angesichts der erschreckend hohen Zahlen vom Jobmarkt ihr gerade erst besiegeltes Konjunkturprogramm ausweitet.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte gewann 6,4 Prozent und schloss bei 22.552 Punkten. Es war die stärkste dreitägige Gewinnserie des Dow seit 1931. Der breiter gefasste S & P 500 legte 6,2 Prozent auf 2630 Zähler zu. Der Index der Technologiebörse Nasdaq stieg um 5,6 Prozent auf 7797 Punkte.

Schon am Mittwoch hatten die Indizes Gewinne verbucht. Der Dow Jones hatte 2,4 Prozent zugelegt, der S & P immerhin 1,1 Prozent, der Nasdaq Composite schloss hingegen mit einem Verlust von 0,5 Prozent.

Dabei schlägt die Coronavirus-Krise gerade voll auf den US-Jobmarkt durch. In der vergangenen Woche stellten knapp 3,3 Millionen US-Amerikaner einen Erstantrag auf Arbeitslosenhilfe. Der bisherige Rekord wurde 1982 mit 695.000 registriert. Sollten sich die Börsen im Plus halten, würde das darauf hindeuten, dass die Marktteilnehmer ein größeres Konjunktur- oder Finanzpaket von der Regierung erwarteten als die vereinbarten zwei Billionen Dollar, sagte Marktstratege Quincy Krosby vom Vermögensverwalter Prudential. „Es muss aufgestockt werden.“

Bei den Einzelwerten lagen Boeing mit einem Plus von 13,7 Prozent weit oben auf der Dow-Gewinnerliste. Die US-Regierung sagte der angeschlagenen Luftfahrtbranche Hilfen in Milliardenhöhe zu. Schon gestern hatten die Aktien des Flugzeugbauers um 24 Prozent zugelegt.

Zoom: Vorsicht, Verwechslungsgefahr

Eine Kuriosität gibt es von der Wall Street zum Videokonferenz-Dienst Zoom: Dieser zählt zu den Gewinnern der Coronakrise, wurde an der Börse bislang jedoch häufig mit einer ganz anderen Firma verwechselt. Um weitere Irritationen zu verhindern, hat die US-Börsenaufsicht den Handel des Namensvetters Zoom Technologies am Donnerstag vorübergehend gestoppt.

Wer als Anleger nicht genau hinsah, konnte sich bei den Aktien leicht vergreifen. Denn das Tickerkürzel „ZOOM“ ist von Zoom Technologies belegt, was dem Unternehmen seit Jahresbeginn ein Kursplus von fast 900 Prozent bescherte. Das Problem: Mit dem erfolgreichen Videokonferenz-Anbieter Zoom Video hat die Firma gar nichts zu tun.

Zoom Video ist erst seit 2019 an der Börse gelistet und hat das Tickerkürzel „ZM“. Der Videokonferenzanbieter profitiert davon, dass viele Bürojobs in der Coronakrise auf Heimarbeit umgestellt wurden. Der Aktienkurs ist dieses Jahr um 112 Prozent gestiegen. Damit fällt das Plus deutlich geringer aus als bei dem Verwechslungskandidaten.

Dollar verliert

Börsianer setzten zudem auf weitere Geldspritzen der US-Notenbank Fed, nachdem deren Chef Jerome Powell Bereitschaft hierzu signalisiert hatte. Vor diesem Hintergrund verlor der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, 1,7 Prozent und steuerte auf den größten Tagesverlust seit fast vier Jahren zu. Im Gegenzug verteuerte sich der Euro um 1,5 Prozent auf 1,1049 Dollar.

Gleichzeitig hielt der Ansturm auf die als sicher geltenden US-Staatsanleihen an. Dies drückte die Rendite der Bonds mit einem und drei Monaten Laufzeit tiefer in den negativen Bereich. Die sechsmonatigen Titel notierten nur noch knapp über null Prozent. In Deutschland sind sämtliche Bundesanleihen mit einer Laufzeit von weniger als 30 Jahren ein Verlustgeschäft.