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Schwarzer Börsentag in den USA: Dow Jones schließt zehn Prozent im Minus

Die US-Börsen befinden sich im freien Fall: Alle großen Indizes verlieren bis zu zehn Prozent. Zum Start musste der Handel kurzzeitig unterbrochen werden.

Die Aktienkurse an der Wall Street haben am Donnerstag den freien Fall nochmals beschleunigt. Das wegen des Coronavirus von US-Präsident Donald Trump verhängte Einreiseverbot für Europäer verschärfte die Talfahrt vom Vortag.

Der Dow Jones Industrial büßte zehn Prozent auf 21.201 Zähler ein. Damit geht der Donnerstag als einer der schwärzesten Tage in die US-Börsengeschichte ein. Der marktbreite S & P 500 verlor am Donnerstag 9,5 Prozent auf 2480,64 Punkte. Für den technologielastigen Nasdaq ging es um 9,3 Prozent auf 7263,65 Zähler ebenfalls steil abwärts.

Schon nach der Startglocke war der Verkaufsdruck so hoch, dass der Handel wie schon zu Wochenbeginn vorübergehend unterbrochen werden musste. „Die 15-minütige Pause gibt den Märkten die Chance, das zu verarbeiten, was gestern Abend passiert ist“, sagte Stacey Cunningham, Chefin der NYSE.

Anders als die CME in Chicago wollte die New Yorker Börse das Parkett nicht schließen. „Wir haben Vorkehrungen getroffen, um die Händler von den anderen Mitarbeitern der Börse zu trennen“, erklärte sie im US-Börsensender CNBC. „Der Handel kann auch ohne die Händler auf dem Parkett stattfinden. Doch im Moment haben wir nicht vor, das zu tun.“

Der Dow fiel am Donnerstag auf das niedrigste Niveau seit Mitte 2017. Damit ist der sogenannte Bullenmarkt der vergangenen Jahre beendet. In den zurückliegenden drei Wochen hat das Börsenbarometer gut 8000 Punkte oder mehr als ein Viertel verloren.

Auch die Ankündigung stützender Maßnahmen gegen die Coronavirus-Krise durch die Europäische Zentralbank konnte den fortgesetzten Crash an den weltweiten Aktienmärkten nicht bremsen. Nach der Schlussglocke erklärte der New Yorker Bürgermeister Bill de Blasio den Ausnahmezustand in seiner Stadt.

„Extrem ungewöhnliche Störungen“

Gegen 18.30 Uhr deutscher Zeit hatte die regionale Notenbank in New York mit einer aggressiven Ankündigung kurzzeitig für Erleichterung an den Märkten gesorgt. Sie vermeldete, Billionen von Dollar in das Finanzsystem zu pumpen, um die Lage zu stabilisieren. Sie werde unter anderem ihre Käufe von US-Staatsanliehen deutlich ausweiten, um Engpässe im Markt zu vermeiden. Die Fed sah „extrem ungewöhnliche Störungen“ im Markt für Staatsanleihen, was eine Folge des Coronavirus sei, hieß es in einem Statement.

So wird die Fed ihre Engagement im Repo-Markt erneut deutlich ausweiten und am Donnerstag, Freitag und Montag Kredite im Wert von je bis zu 500 Millionen Dollar mit dreimonatiger Laufzeit anbieten. Ab der kommenden Woche bis Mitte April sollen zudem Kredite mit einmonatiger Laufzeit im Wert von bis zu 500 Milliarden Dollar vergeben werden.

Es ist bereits der dritte Eingriff in den Repo-Markt in den vergangenen vier Handelstagen. „Das ist im Prinzip quantitative Lockerung“, kommentierte Citigroup-Stratege Ebrahim Rahbari. Auf dem Repo-Markt verkaufen Banken und andere Marktteilnehmer Staatspapiere über Nacht und kaufen sie am nächsten Tag zurück. Damit besorgen sie sich Kurzfristkredite, deren Zins über einen entsprechend höheren Rückkaufpreis abgegolten wird.

Die Aktienmärkte halbierten daraufhin zunächst ihre Verluste für kurze Zeit, doch der Rückenwind verpuffte. Viele Anleger drängen weiter auf umfassende fiskalpolitische Maßnahmen.

Die von Donald Trump angekündigten Maßnahmen reichen in ihren Augen nicht aus. Dem US-Präsidenten ist es bisher nicht gelungen, die Märkte davon zu überzeugen, dass er den wirtschaftlichen Schaden durch die Coronavirus-Pandemie eindämmen kann. So würden gezielte Anreizmaßnahmen fehlen. Zudem gäbe es keine Details zur Gesundheitsvorsorge wie beispielsweise die Bereitstellung von zusätzlichen Testkits oder Subventionsmaßnahmen für die Behandlung.

„Ich bin einfach sprachlos, dass Trump sagen kann, dies sei der umfassendste Plan“, sagte Rob Carnell, Chefökonom für den asiatisch-pazifischen Raum bei ING in Singapur. Seiner Meinung nach gäbe es keine Absprachen zwischen den Regierungen und auch keine koordinierten Maßnahmen mit den Notenbanken.

Bereits am Vortag sind die US-Börsen tief im Minus aus dem Handel gegangen. Für den Dow Jones Index bedeutet das: Der Bärenmarkt hat offiziell begonnen. Von einem Bärenmarkt sprechen Investoren, wenn die Aktienkurse in einem pessimistischen Umfeld mindestens 20 Prozent unter den letzten Höchstkursen liegen. Zu den größten Verlierern zählen die Aktien der Fluggesellschaften und Kreuzfahrtschiffsbetreiber.
Mit Agenturmaterial