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Wall Street schließt uneinheitlich – Dow rutscht ins Minus

Die katastrophalen US-Arbeitsmarktdaten dämpfen die Kauflaune an den US-Börsen. Während Dow und S & P 500 verlieren, legt der Nasdaq leicht zu.


Schlechte Konjunkturdaten und Kursverluste bei Finanzwerten haben am Mittwoch die Kauflaune an der Wall Street gedämpft. Die New Yorker Börsen schlossen uneinheitlich. Im späten Handel verkauften Börsianer auch Finanzwerte nach den enttäuschenden Arbeitsmarktdaten. Hochtechnologiewerte hielten indes die Nasdaq im Plus. Der Standardwerteindex Dow Jones schloss 0,9 Prozent tiefer auf 23.664 Punkten. Der technologielastige Nasdaq rückte dagegen 0,5 Prozent auf 8854 Stellen vor. Der breit gefasste S & P 500 büßte 0,7 Prozent auf 2848 Zähler ein.

Die Folgen der Restriktionen zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie für den US-Arbeitsmarkt sind verheerend: Der privaten Arbeitsagentur ADP zufolge fielen im April gut 20 Millionen Stellen weg. Der bisherige Rekord aus dem Finanzkrisenjahr 2009 lag bei 835.000 gestrichenen Jobs. „Wir wussten, dass es schlimm werden würde“, sagte Scott Brown, Chef-Volkswirt des Vermögensberaters Raymond James. Die Zahlen deckten sich mit der Entwicklung der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in den vergangenen Wochen. Die Märkte konzentrierten sich nun auf eine potenzielle Konjunkturerholung. Die große Frage sei aber, ob die Coronavirus-Beschränkungen zu schnell gelockert würden.

„Eine Rückkehr zur Normalität wird noch Zeit in Anspruch nehmen, und so wird die Arbeitslosenquote zunächst wohl noch steigen“, kommentieren die Experten der Landesbank Helaba die aktuellen Zahlen. Darauf dürfte der offizielle Arbeitsmarktbericht am Freitag hinweisen.

Experten rechnen für April in den USA mit einem Abbau von gut 20 Millionen Stellen. Der bisherige Rekord aus dem Jahr 2009 lag bei 835.000 gestrichenen Jobs.

Angesichts der Krise wollen die US-Demokraten den Bundesstaaten, Kommunen und der Post mit einem weiteren Hilfspaket unter die Arme greifen. Der zweithöchste Demokrat im Repräsentantenhaus, Steny Hoyer, sagte am Mittwoch, die Parteiführung hoffe, dass die geplante Gesetzesvorlage auch von den Republikanern unterstützt wird. Er sei dafür, dass Staaten und Kommunen 500 Milliarden Dollar (460 Milliarden Euro) an Hilfen erhielten und kleinere Städte noch zusätzliches Geld bekämen.

Auch der Postdienstleister Postal Service werde den Plänen zufolge gestützt, sagte Hoyer. Zudem seien Finanzmittel dafür vorgesehen, Wählern bei der Präsidentschaftswahl im Herbst eine Stimmabgabe per Brief zu ermöglichen. Auch solle die Suche nach Kontaktpersonen von Corona-Infizierten verbessert werden.

Angesichts der bereits beschlossenen Billionenhilfen will die US-Regierung sich dieses Quartal die Rekordsumme von 2,99 Billionen Dollar leihen. Brian Smith, ein ranghoher Mitarbeiter im Finanzministerium, sagte, es habe im April bereits 1,46 Billionen davon aufgenommen, ohne dass es zu Störungen am Markt für US-Staatsanleihen gekommen sei. Um an das Geld zu gelangen, will die Regierung erstmals seit 1986 wieder Anleihen mit 20-jähriger Laufzeit begeben.

Blick auf die Einzelwerte

Zu den Favoriten am US-Aktienmarkt zählte zu Handelsbeginn General Motors (GM) mit einem Kursplus von knapp drei Prozent. Im späteren Handelsverlauf notierte die Aktie nur noch 3,4 Prozent höher. Anleger atmen nach einem besser als erwartet ausgefallenen Quartalsergebnis des Autobauers auf. Das bereinigte Ergebnis je Aktie betrug 62 Cent, während Analysten Refinitiv-Daten zufolge im Schnitt nur mit 30 Cent gerechnet hatten.

Die finanziellen Belastungen des Konzerns durch den Produktionsstillstand seien geringer als befürchtet ausgefallen, schrieb Analyst Philippe Houchois von der Investmentbank Jefferies. Außerdem sei die Gewinnmarge von 8,5 Prozent im Nordamerika-Geschäft beeindruckend. GM zufolge werden die monatlichen Umsatzeinbußen durch die Pandemie-Auswirkungen bereits weniger, da die Autoindustrie in China im März wieder angelaufen ist. Der US-Marktführer hofft, ab 18. Mai die Bänder wieder starten zu können.

Die Titel von Mattel rutschten dagegen anfangs um mehr als sieben Prozent ab und dämmten ihr Minus später auf 1,3 Prozent ein. Der Umsatz des Spielzeug-Herstellers sei überraschend stark zurückgegangen, bemängelte Analyst Jaime Katz vom Research-Haus Morningstar. Vor allem das Geschäft mit dem Vorzeigeprodukt „Barbie“ laufe enttäuschend.

Der US-Einzelhändler Office Depot kann mit einem Umsatzanstieg im Quartal punkten. Die Aktien stiegen in New York um mehr als 15 Prozent. Dank einer deutlich größeren Nachfrage im Onlinegeschäft kletterten die Umsätze auf vergleichbarer Basis im ersten Quartal um zwei Prozent. Die Jahresprognose kassierte der Anbieter von Bürobedarf allerdings angesichts der Planungsrisiken wegen der Coronavirus-Pandemie.

Die Papiere von Activision Blizzard stiegen um 6,3 Prozent, nachdem das Unternehmen seine Umsatzprognose aufgrund der höheren Nachfrage nach Videospielen wie „Call of Duty“ erhöht hatte.

Hingegen rutschten die Anteilsscheine von Walt Disney leicht ab. Die weltweiten Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus dürften die Gewinne des Unternehmens um 1,4 Milliarden Dollar schmälern, vor allem aufgrund der geschlossenen Themenparks.

Ein Kurssprung um 26 Prozent bescherte den Papieren von Beyond Meat viel Aufmerksamkeit, sie erreichten den höchsten Stand seit Februar. Der Fleischersatz-Hersteller hat sein rasantes Wachstum auch im ersten Quartal fortgesetzt und schaffte es über die Gewinnschwelle. Analysten wurden von all dem positiv überrascht.