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Wirken die Sanktionen gegen Russland? Diese Grafiken zeigen, wie robust Putins Wirtschaft aktuell dasteht

Russlands Präsident Wladimir Putin - Copyright: picture alliance/dpa/Tass/Mikhail Tereshchenko
Russlands Präsident Wladimir Putin - Copyright: picture alliance/dpa/Tass/Mikhail Tereshchenko

Als Russlands Truppen Ende Februar die Ukraine überfielen und der Westen mit Sanktionen reagierte, sagten viele Experten einen schnellen wirtschaftlichen Niedergang Russlands voraus. In diesen Chor stimmten auch Analysten großer Investmentbanken der New Yorker Wall Street ein. Sechs Monate später sind sie gezwungen, ihre Einschätzung zu revidieren.

Denn Russlands Wirtschaft hat sich bisher als widerstandsfähig erwiesen. Widerstandsfähig sowohl gegen die Sanktionen gegen russischen Güter und das Verbot von Öleinfuhren als auch gegen den Ausschluss des russischen Rubels von den internationalen Devisenmärkten.

Diese drei Infografiken zeigen, wie robust Russlands Wirtschaft bisher reagiert hat.

Russlands Konjunktur ist stabil

Im März sagte die größte US-Investmentbank JPMorgan voraus, dass das russische Bruttoinlandsprodukt (BIP) im zweiten Quartal um 35 Prozent gegenüber dem Vorquartal zurückgehen werde. Goldman Sachs prognostizierte der russischen Wirtschaft den schlimmsten Einbruch seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion Anfang der 1990er.

Tatsächlich blieb Russlands Wirtschaftsleistung in den Monaten April bis Juni jedoch nur um vier Prozent unter dem Vorjahr. Sie reagierte auf Krieg und Sanktionen sogar stabiler als auf den Ausbruch der Corona-Pandemie 2020, als das Brutto-Inlands-Produkt (BIP) im zweiten Quartal um 7,4 Prozent unter dem Vorjahr geblieben war.

JPMorgan revidierte seine Einschätzung und stellte fest, dass die russische Wirtschaft bisher der Last der Sanktionen standgehalten habe.

Die verfügbaren Daten "deuten nicht auf einen abrupten Einbruch der Wirtschaftstätigkeit hin – zumindest vorerst", schrieben die Strategen nun in einer kürzlich veröffentlichten Notiz. "Das BIP-Profil scheint daher immer wahrscheinlicher mit einer langwierigen, aber nicht sehr scharfen Rezession vereinbar zu sein.

Stärker als erwartete Exporte russischer Rohstoffe, einschließlich Rohöl, haben die Wirtschaft gestützt. Nach Angaben des Internationalen Währungsfonds (IWF) profitiert Russland auch von der robusten Nachfrage der Verbraucher und einem Programm des Kreml zur Senkung der Arbeitslosigkeit.

"Die Inlandsnachfrage zeigt eine Widerstandsfähigkeit, da die Auswirkungen der Sanktionen auf den inländischen Finanzsektor eingedämmt werden konnten und die Abschwächung auf dem Arbeitsmarkt geringer ausfiel als erwartet", schrieb der IWF im Juli.

Indien stützt Russlands Ölexporte

Wall-Street-Analysten sagten voraus, dass westliche Öl-Embargos Russland schwer schaden würden. Russland ist der drittgrößte Ölproduzent der Welt hinter den USA und Saudi-Arabien. Russlands Wirtschaft ist entsprechend in hohem Maße von Energieexporten abhängig. Die Einnahmen aus dem Öl- und Gassektor machten 2021 rund 45 Prozent des Staatshaushalts aus, das geht aus Daten der Internationalen Energieagentur hervor.

Die USA verhängten im März ein Embargo gegen russische Energie. Die Europäische Union beschloss im Mai ein schrittweises Verbot, das vorerst 75 Prozent der Ölimporte der EU aus Russlands betrifft.

Im März schrieb Goldman Sachs, es sei unwahrscheinlich, dass Moskau andere Abnehmer für sein Rohöl finden werde. Ein Grund dafür sei der Ausschluss der russischen Zentralbank aus dem Swift-System für internationale Zahlungen.

Das erwies sich als Irrtum. Laut Bloomberg-Daten für Juli exportiert Russland jedoch immer noch 7,4 Millionen Barrel Öl pro Tag. Russland gelang es vor allem, seine Öl-Exporte nach Indien stark auszuweiten. Indien steigerte seine Ölimporte aus Russland fünf Monate in Folge, bevor sie im Sommer leicht zurückgingen. Das Land bezieht immer noch eine Million Barrel russisches Öl pro Tag – ein Anstieg um 900 Prozent gegenüber Februar.

Gleichzeitig hat es Europa noch nicht geschafft, sich von russischem Rohöl zu lösen. Nach Daten von Bloomberg bezieht die EU immer noch 2,8 Millionen Barrel Rohöl aus Russland pro Tag. Das sind lediglich 30 Prozent weniger als die vier Millionen Barrel pro Tag im Februar.

Stimmungsindex besser als vor dem Krieg

Düster war auch die Prognose der Wall Street für die russische Produktion und den Dienstleistungssektor.

Unmittelbar nach der Invasion in der Ukraine Ende Februar stürzte der russische Einkaufsmanagerindex für beide Sektoren auch ab. Er fiel von 50,8 im Februar auf 37,7 im März, wobei ein Wert über 50 für Wachstum und unter 50 für Schrumpfung steht

Goldman Sachs erklärte, dieser Rückgang sei "breit angelegt" und man rechne mit weiteren Rückgängen. Doch einige Monate später ist der russische Index wieder in den Wachstumsbereich gestiegen. Schon im April erreichte er 44,4, im Juni über 50 und im Juli zuletzt sogar 52,2. Dieser letzte Wert bedeutet, dass die Stimmung in der russischen Wirtschaft besser ist als vor Beginn des Krieges – und weit entfernt von den düsteren Vorhersagen der Wall Street.

Der Artikel erschien zuerst bei Business Insider in den USA. Das Original findet ihr hier.