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Wall Street buhlt um Kunden nun mit Masken und Online-Weinproben

Annie Massa

(Bloomberg) -- Weder Pandemie noch Krawalle können die Investmentfonds der Wall Street davon abhalten, Kunden zu umwerben.

Da feuchtfröhliche Steakhouse-Treffen keine Option mehr sind, werden die Abende in der Stadt nun durch Weinproben per Videokonferenz und Online-Konzerte ersetzt. Es gibt auch auf diese Zeiten zugeschnittene Care-Pakete - voller Masken -, sowie Spenden an Essens-Tafeln und Wohltätigkeitsorganisationen.

Wegen der Alltags-Beschränkungen im Zuge der Coronavirus-Pandemie, mittlerweile verkompliziert durch Proteste und Ausgangssperren, müssen Vermögensverwalter neue Wege beschreiten, um die Aufmerksamkeit wohlhabender Kunden, institutioneller Investoren und Finanzberater aus der Ferne zu wecken. Und das bedeutet oft, mit jemandem in der virtuellen Welt zu verkehren.

Das alles beschleunigt einen Wandel, der bereits im Gange war: Große Konzerne setzen weniger auf geselliges Ausgehen zur Kontaktpflege, sagt Amanda Walters, Principal bei Casey Quirk, einem Geschäftsbereich von Deloitte Consulting. “Vermögensverwalter fragen sich: ‘Brauchen wir so viel Kontakt von Angesicht zu Angesicht wie früher?’ Und die Antwort lautet wahrscheinlich: Nein”, sagt sie.

Country-Sänger wie Darius Rucker und Luke Bryan hielten letzten Monat aus ihren eigenen vier Wänden ein virtuelles Konzert für Private-Wealth-Kunden von AllianceBernstein Holding LP ab, zur Unterstützung eines Covid-19-Hilfsprogramms, sagte Managing Director Adam Sansiveri. Das Unternehmen bietet auch Wein- und Käseverkostungen für wohlhabende Klienten an, mit Sommelier per Telefonkonferenz.

Wohltätigkeitsorganisationen

JPMorgan Asset Management habe seinen Terminkalender seit Mitte März mit mehr als 170 virtuellen Veranstaltungen gespickt, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person. Nuveen, eine Tochter der Teachers Insurance and Annuity Association of America, rief ein Programm ins Leben, mit dem Kunden Zuschüsse in Höhe von etwa 5000 Dollar an Lebensmittelbanken und Wohltätigkeitsorganisationen ihrer Wahl vergeben können.

Viele in der Branche erwarten, dass die virtuelle Unterhaltung von Kunden kein Zukunftsmodell ist. Denn sobald ein Impfstoff gefunden wird, dürften persönliche Treffen wieder zur Norm werden.

Doch eine Rückkehr dahin werde nur schrittweise erfolgen, sagte Jim Hirschmann, Chief Executive Officer des aktiven Fixed-Income-Managers Western Asset, einer unabhängigen Tochter von Legg Mason Inc.

“Unser Geschäft basiert traditionell auf Vertrauen”, sagte er. “Das muss man sich verdienen. Es ist schwieriger, sich das zu verdienen, wenn man nicht einige Zeit mit jemandem von Angesicht zu Angesicht verbringt. Und das wird eine Herausforderung für alle sein.”

Picknicks und Radfahren

Die Schwemme virtueller Ereignisse kann überwältigend sein. Die Einladungen zu Webinaren schossen im Zuge der Lockdowns in die Höhe - und zwar so stark, dass man damit leicht ganze Arbeitstage füllen könnte, sagte ein institutioneller Analyst.

Finanzberater, die ihren Kunden Investitionen empfehlen, suchen ebenfalls nach Möglichkeiten, deren Aufmerksamkeit zu behalten. Einige wagen sogar Besuche bei den Klienten, insbesondere in der Nähe. Und in Gebieten mit weniger strengen Alltagsbeschränkungen bleiben auch einige vorpandemische Freuden bestehen.

“Golf!” sagte Tom Balcom, Gründer von 1650 Wealth Management aus Fort Lauderdale in Florida, auf die Frage, wie er seine Kontakte pflegt. “Wir spielen heutzutage eine Menge Golf mit unseren Kunden, da wir damit die soziale Distanzierung einhalten und gleichzeitig Zeit mit ihnen verbringen können.”

Devin Pope, ein Berater bei Albion Financial Group in Salt Lake City, verweist auf Möglichkeiten wie Mountainbiking und Picknicks. Alex Caswell, ein in San Francisco ansässiger Vermögensplaner bei RHS Financial, hält derweil Care-Pakete mit Gegenständen wie Gesichtsmasken für einen guten Weg. Doch die Distanz habe auch ihr Gutes, fügte er an.

“Einer der Vorteile der Covid-19-Ära besteht darin, sich auf den Kern der Beziehungspflege konzentrieren zu können”, sagte Caswell. “Das sind Interaktionen von Mensch zu Mensch ohne die Ablenkung von Getränken und ausgefallenen Abendessen.”

Überschrift des Artikels im Original:Wall Street Sends Wine, Masks to Clients With Steakhouses Closed

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