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"Wahre Intimität braucht Mut": Sex-Expertin Paula Lambert plaudert aus dem Nähkästchen

Journalistin Paula Lambert steht mit Formaten wie "Paula kommt" ihrem Publikum Rede und Antwort, wenn es um das Thema Sex und Beziehungen geht. In der Doku-Reihe "Sex Crime Stories" analysiert sie mit Strafverteidiger Alexander Stevens einige seiner Fälle. Im Interview spricht sie über die Dreharbeiten und warum sie selbst das Thema Sex interessiert. (Bild: sixx)

Journalistin Paula Lambert arbeitet seit Jahren als Sex-Expertin im deutschen Fernsehen und ist bald in der neuen Doku-Reihe "Sex Crime Stories" mit Strafverteidiger Dr. Alexander Stevens zu sehen. Im Interview blickt sie auf ihre Karriere zurück und erklärt, warum die Menschen ungern über das Thema Sex sprechen.

Sie ist Deutschlands bekannteste Sex-Expertin: Paula Lambert (bürgerlich Susanne Frömel), die einst mit Kolumnen für das Männermagazin "GQ" anfing. 2010 erschien ihr erstes Sachbuch - Titel: "Keine Panik, ich will nur Sex: Auf der Suche nach dem Mann für jede Lage". Dann kam sie zum Fernsehen, bei ProSieben war sie unter anderem mit der launigen Doku-Reihe "Unter fremden Decken" auf Sendung war. "Ich fand das Thema Sex schon immer spannend", verrät Paula Lambert nun wenig überraschend im Interview. Die 48-Jährige sieht sich in der Rolle "als Vermittlerin von Informationen" und Vertrauensperson "für jede Sex- und Beziehungsfrage". Seit November 2013 moderiert sie bei sixx ihre eigene Sendung "Paula kommt - Sex und gute Nacktgeschichten". "Ich habe generell den Eindruck, dass es gut ankommt, wenn man über das Thema Sex einfach mal zwanglos sprechen kann", erklärte sie. Ihrer Rolle als Aufklärerin geht Lambert auch in der neuen Doku-Reihe "Sex Crime Stories" (ab Montag, 6. Februar, 20.15 Uhr, sixx) nach, in der sie mit Dr. Alexander Stevens verschiedene Straffälle analysiert.

teleschau: Frau Lambert, warum arbeiten Sie als Sex-Expertin im deutschen Fernsehen?

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Paula Lambert: Puh, für die Antwort müssen wir schon einige Jahre in die Vergangenheit zurück (lacht). Ich fand das Thema Sex schon immer spannend. Vor allem hat mich interessiert, warum das alle anderen auch so interessiert. Deswegen habe ich angefangen, nachzufragen, nachzulesen, auszuprobieren. Diese Neugierde treibt mich bis heute an. Dazu kommt, dass ich keine Berührungsängste habe, über Sex in all seinen Facetten zu sprechen. Ich glaube, diese Kombination hat mich am Ende auch fürs Fernsehen interessant gemacht.

teleschau: Gibt es noch eine Sache, die Sie an dem Thema Sex interessiert?

Lambert: Natürlich! Ich finde nicht nur die Handlung an sich faszinierend, sondern auch das Zusammenspiel zweier Menschen aus psychologischer Sicht wahnsinnig interessant. Sex ist immer auch Kommunikation, nur eben nicht mit Worten. Da findet nicht nur ein körperlicher Akt statt, sondern Menschen begegnen sich auf einer nonverbalen Ebene, machen sich auf, werden verletzlicher. Aber diese "Echtheit" kann manchmal auch Angst machen, den Wunsch nach Schutz, nach Rückzug, auslösen. Das gilt es dann auszuhalten und damit umzugehen. Wahre Intimität braucht Mut.

"Mir ist es wichtig, dass sich meine Zuschauerinnen und Zuschauer bei mir wohlfühlen und ihnen bei mir nichts unangenehm sein muss", erklärte Paula Lambert im Interview. (Bild: 2017 Getty Images/Christian Augustin)
"Mir ist es wichtig, dass sich meine Zuschauerinnen und Zuschauer bei mir wohlfühlen und ihnen bei mir nichts unangenehm sein muss", erklärte Paula Lambert im Interview. (Bild: 2017 Getty Images/Christian Augustin)

"Mir ist es wichtig, dass sich meine Zuschauerinnen und Zuschauer bei mir wohlfühlen"

teleschau: In welcher Rolle sehen Sie sich, wenn Sie für Formate wie "Paula kommt" arbeiten?

Lambert: In ganz unterschiedlichen! Zum einen sehe ich mich als Vermittlerin von Informationen, von Wissen, von Know-How, zum anderen aber auch als Aufklärerin und go-to-Person für jede Sex- und Beziehungsfrage, die einem auf der Seele brennt. Wie so eine Art große Schwester oder beste Freundin, der man jede Frage stellen kann, ohne sich schämen zu müssen. Mir ist es wichtig, dass sich meine Zuschauerinnen und Zuschauer bei mir wohlfühlen und ihnen bei mir nichts unangenehm sein muss.

teleschau: Und, fühlt sich Ihr Publikum wohl?

Lambert: Basierend auf den Reaktionen der Zuschauerinnen und Zuschauern würde ich sagen: Ja. Ich habe generell den Eindruck, dass es gut ankommt, wenn man über das Thema Sex einfach mal zwanglos sprechen kann. Weil sonst meines Erachtens allgemein eine große Sprachlosigkeit bei allem herrscht, bei dem es irgendwie um Sex geht. Das betrifft übrigens auch Menschen, die eigentlich darüber sprechen können sollten. Paare zum Beispiel. Das Feedback, das ich bekomme, ist, dass meine Sendungen extrem dabei helfen, untereinander ins Gespräch zu kommen. Oder aber auch die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen oder zu verstehen, was man denkt und fühlt.

teleschau: Wie hat denn Ihr engeres Umfeld reagiert, als Sie mit Sex-Formaten gestartet haben?

Lambert: Ach, die sind ganz gemütlich mitreingewachsen. Ich muss aber zugeben: Meinem Vater war das anfangs etwas peinlich. Doch inzwischen ruft er mich immer an, wenn jemand sagt, dass ich im Fernsehen war. Dann freut er sich darüber. (lacht)

Für die Doku-Reihe "Sex Crime Stories" stand Paula Lambert mit Strafverteidiger Alexander Stevens vor der Kamera. "Mit ihm zusammenzuarbeiten war toll!", schwärmt sie. (Bild: sixx)
Für die Doku-Reihe "Sex Crime Stories" stand Paula Lambert mit Strafverteidiger Alexander Stevens vor der Kamera. "Mit ihm zusammenzuarbeiten war toll!", schwärmt sie. (Bild: sixx)

"Unsere Gesellschaft würde einen großen Schritt nach vorne machen!"

teleschau: Woran liegt es, dass Menschen nicht so gerne über das Thema Sex sprechen? Sind wir zu verklemmt?

Lambert: Verklemmt würde ich nicht sagen. Eher schambehaftet. Richtig unverklemmt ist man erst, wenn man schamfrei über solche Themen diskutieren kann - weil man weiß, dass Sexualität natürlich und normal ist und nichts ist, worüber man den Mantel des Schweigens legen müsste. Aus meiner Sicht findet dieser offene und ehrliche Austausch aber noch nicht so statt wie es stattfinden müsste.

teleschau: Warum?

Lambert: Weil es um persönliche Bedürfnisse und Wünsche geht. Aber auch um die eigenen Ängste. Wenn wir darüber sprechen, machen wir uns angreifbar und verletzlich. Deswegen entsteht beim Thema Sex keine offene Diskussion, weil keiner von uns verletzt werden will, oder blöd angeguckt oder belächelt. Ich würde mir sehr wünschen, dass sich das ändert. Unsere Gesellschaft würde einen großen Schritt nach vorne machen!

teleschau: Und wie kann sich das ändern?

Lambert: Sex ist zwar natürlich, aber auch der Bereich, im in dem wir uns am meisten bloß zeigen und am meisten von uns preisgeben. Darum ist es verständlich, dass es dabei eine gewisse Zurückhaltung, eine Schamhaftigkeit gibt. Und die darf auch bleiben! Aber genauso müssen wir lernen, ehrlich mit unseren Gefühlen und Bedürfnissen umgehen und sie vor allem auch klar und angstfrei zu äußern. Je mehr wir alle auf diese Art und Weise über Sex sprechen, über unsere Wünsche, über das, was uns guttut - und auch das, was nicht - desto unverkrampfter wird unser Umgang mit dem Thema werden und desto besser wird es uns allen gelingen, offen zu sein, zu werden und zu bleiben.

Warum fällt es den meisten Menschen so schwer, über Sex zu sprechen? "Weil es um persönliche Bedürfnisse und Wünsche geht. Aber auch um die eigenen Ängste. Wenn wir darüber sprechen, machen wir uns angreifbar und verletzlich", erklärt Paula Lambert. (Bild: 2015 Getty Images/Joerg Koch)
Warum fällt es den meisten Menschen so schwer, über Sex zu sprechen? "Weil es um persönliche Bedürfnisse und Wünsche geht. Aber auch um die eigenen Ängste. Wenn wir darüber sprechen, machen wir uns angreifbar und verletzlich", erklärt Paula Lambert. (Bild: 2015 Getty Images/Joerg Koch)

" Es wird Zeit, dass es im TV genauso wird"

teleschau: Sie starten auch bald mit der neuen Doku-Reihe "Sex Crime Stories"...

Lambert: Genau, und ich freue mich sehr, dass das sixx-Publikum mit mir zusammen sechs Folgen lang in die Welt der wahren Verbrechen eintauchen werden. An meiner Seite habe ich den Strafverteidiger Dr. Alexander Stevens, den viele sicher über seine Podcasts und Bücher kennen. Er ist auf Sexualstrafrecht spezialisiert und schon wirklich lange in dem besonderen juristischen Feld unterwegs. Mit ihm zusammenzuarbeiten war toll! Und die "Sex Crime Stories", die er im Laufe seiner Karriere schon erlebt hat und von denen er uns in der Sendung erzählen wird, sind einfach unglaublich. Manchmal skurril, manchmal schockierend, oft amüsant. Ich bin ja selbst ein großer True Crime Fan und die "Sex Crime Stories" bringen zwei meiner Leidenschaften zusammen: Sex und Verbrechen. Quasi mein perfektes Format! (lacht)

teleschau: Welche Fälle werden thematisiert?

Lambert: Da ist alles dabei von eskalierenden Swingerclub-Besuchen bis hin zu kompromittierenden Fake-Sex-Tapes. Worauf wir aber ganz bewusst verzichtet haben, sind Geschichten, in denen sexualisierte Gewalt vorkommt. In den "Sex Crime Stories" geht es mehr um Krudelitäten und Dinge, wo man sich denkt "Das kann nicht sein!" Aber meine Hoffnung ist, dass die Zuschauerinnen und Zuschauer nicht nur gut unterhalten werden, sondern ins Nachdenken kommen - besonders, was das eigene Handeln angeht.

teleschau: Was meinen Sie damit?

Lambert: Mein Eindruck ist, dass wir mitunter zu sorglos mit uns und dem Thema Sicherheit umgehen, gerade im Bereichen Online-Dating. Vertrauen ist gut und wichtig, aber man muss sich schon auch bewusst sein, dass es Menschen gibt, die dieses Vertrauen zu ihrem eigenen Vorteil ausnutzen.

teleschau: Aber könnte das Publikum nicht besser wachgerüttelt werden, wenn etwas brutalere Fälle zu sehen sind?

Lambert: Nein. Brutalität mag vielleicht voyeuristische Bedürfnisse stillen, aber einen wirklichen Mehrwert sehe ich nicht darin, Grausamkeiten öffentlich auszuwalzen.

teleschau: Warum haben Sie nicht schon früher diese Doku-Reihe gedreht?

Lambert: Gut Ding braucht Weile, und ich finde, jetzt ist der richtige Zeitpunkt dafür gekommen. In Podcasts, aber zum Beispiel auch in den Printmedien, ist True Crime inzwischen ein sehr erfolgreiches und gut etabliertes Genre. Es wird Zeit, dass es im TV genauso wird.

Paula Lambert ist gespannt auf die Reaktionen des Publikums auf ihre Doku-Reihe mit Alexander Stevens: "Meine Hoffnung ist, dass die Zuschauerinnen und Zuschauer nicht nur gut unterhalten werden, sondern ins Nachdenken kommen - besonders, was das eigene Handeln angeht." (Bild: sixx)
Paula Lambert ist gespannt auf die Reaktionen des Publikums auf ihre Doku-Reihe mit Alexander Stevens: "Meine Hoffnung ist, dass die Zuschauerinnen und Zuschauer nicht nur gut unterhalten werden, sondern ins Nachdenken kommen - besonders, was das eigene Handeln angeht." (Bild: sixx)

"Habe echt schon viele Geschichten über wahre Verbrechen gehört!"

teleschau: Sind Sie bei einigen Fällen sprachlos geworden?

Lambert: Total! Ich habe mir bei Alexanders Geschichten dazwischen immer wieder gedacht: "So was kann wirklich nicht sein!" Und ich habe in den vergangenen Jahren echt schon viele Geschichten über wahre Verbrechen gehört!

teleschau: Wo zum Beispiel?

Lambert: Wenn ich das jetzt verraten würde, dann würde ich die ganze Spannung wegnehmen! (lacht). Dafür müssen die Zuschauerinnen und Zuschauer schon einschalten.