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Wagnisfinanzierer Klaus Hommels: „Wir brauchen digitale Souveränität“

Matthes, Sebastian Maisch, Michael Köhler, Peter
·Lesedauer: 4 Min.

Der Financier glaubt, dass ein neues Instrument für Börsengänge helfen kann, die Abhängigkeit Europas von Kapital aus den USA und China zu verringern.

In den USA läuft der Boom schon länger: Immer mehr junge Wachstumsunternehmen wählen für ihren Börsengang einen Umweg über sogenannte Spacs. Hinter der Abkürzung verbergen sich Börsenmäntel: Zweckgesellschaften, die bei Investoren Kapital einsammeln, selbst an die Börse gehen, aber zu diesem Zeitpunkt noch kein eigenes operatives Geschäft haben.

Ziel der Spacs ist es, sich nach einem attraktiven Zielunternehmen umzuschauen und dieses dann durch eine Übernahme an die Börse zu bringen. In den USA haben die Spacs viele Anleger angezogen, aber auch Kritik auf sich gezogen.

Der Unternehmer und Wagnisfinanzierer Klaus Hommels will nun Spacs nach Europa und Deutschland bringen. Seine Mission: weniger Abhängigkeit bei der Innovations- und Technologiefinanzierung von den USA und China. Er glaubt, dass die Spacs helfen können, den Rückstand gegenüber den global dominierenden Wirtschaftsmächten zu verringern.

Lesen Sie hier das gesamte Interview:

Herr Hommels, Börsengänge über Zweckgesellschaften haben in den USA einen regelrechten Boom ausgelöst. Jetzt importieren Sie die sogenannten Spacs nach Deutschland, warum?
Ich bin fest davon überzeugt, dass wir in Europa versuchen müssen, eine Art digitale Souveränität zu schaffen. Wir dürfen bei der Finanzierung von Innovationen und Hochtechnologie nicht noch abhängiger von China und den USA werden. Deshalb wollen wir mit unserer Firma Lakestar in Unternehmen investieren, die auf diese digitale Souveränität einzahlen.

Und dabei können Spacs helfen? Das Instrument ist in den USA ziemlich umstritten.
Auch für mich war das Thema am Anfang negativ besetzt. Ich hielt die Spacs zunächst nur für eine neue Methode für das Finanzestablishment, Geld zu machen. Richtig eingesetzt, können uns die Börsengänge über Spacs aber helfen, die großen Lücken bei der Finanzierung von attraktiven Technologiefirmen zu schließen.

Wo sehen Sie denn diese Lücken?
Die größten Defizite gibt es bei aussichtsreichen Firmen, die kurz vor der Börsenreife stehen. Diese Kandidaten brauchen im Schnitt 200 bis 300 Millionen Euro an Kapital, um weiter wachsen zu können. Diese Größenordnung können wir in Europa mit Beteiligungsfonds in den nächsten fünf bis sieben Jahren nicht darstellen. Das heißt, wir wären komplett abhängig von ausländischen Fonds, vor allem aus den USA und China, die dann auch einen entsprechenden Einfluss auf die Unternehmen bekommen.

Ist es in einer globalisierten Weltwirtschaft nicht egal, woher das Geld kommt?
Nein, das sehe ich ganz anders. Ich halte es für gefährlich, wenn unsere besten Technologiefirmen eine nach der anderen an ausländische Investoren gehen. Deshalb begleiten wir bei Lakestar junge Unternehmen den ganzen Weg, von der ganz frühen Phase bis zur Börsenreife. In der letzten Phase sind die Defizite am größten. Und über Spacs organisierte Börsengänge sind eine wichtige Option, um diese Lücke zu füllen.

Wieso fehlt uns denn in der Wirtschaftsmacht Deutschland das Kapital, das in den USA so reichlich vorhanden zu sein scheint?
Das liegt an den unterschiedlichen Strukturen. In den Vereinigten Staaten kommt ein großer Teil der Mittel von den Stiftungen der Universitäten und von Pensionsfonds. In Deutschland werden die Universitäten staatlich finanziert und Versicherer und Pensionsfonds sind so streng reguliert, dass es für sie sehr schwierig ist, Kapital für junge, wachstumsstarke Unternehmen zur Verfügung zu stellen.

Aber sind Sie selbst beim Einsammeln von Kapital für Ihre Fonds und für den ersten deutschen Spac nicht auch auf dieses internationale Kapital angewiesen?
Zu den Investoren in unseren Fonds zählen auch asiatische Staatsfonds oder amerikanische Pensionskassen. Aber wenn das Kapital über uns investiert wird, dann fließt es in Unternehmen mit europäischen Governance-Strukturen, und das ist zentral.

Warum legen Sie Ihren Spac nicht einfach in den USA auf, sammeln dort das Geld ein und investieren es dann in ein deutsches oder europäisches Unternehmen? Dann könnten Sie auf eine ausgereifte Infrastruktur zurückgreifen?
Nennen Sie es Patriotismus. Ich wollte auf jeden Fall, dass Spac-Projekte europäisch werden und auch in Deutschland laufen. Auch wenn das sehr viel komplexer ist und wir hierzu komplett neue Strukturen entwickeln müssen.

Die wichtigste Kritik an den Spacs lautet: Die Gründer, die sogenannten Sponsoren, gewinnen immer, weil sie, sobald sie ein Übernahmeziel gefunden haben, in der Regel 20 Prozent der Anteile quasi gratis bekommen. Dank dieser Konstruktion können die Sponsoren auch mit Deals, die für den Rest der Investoren wenig attraktiv sind, noch einen guten Schnitt machen. Wie sehen Sie dieses Anreizproblem?
Wir sind uns unserer Verantwortung sehr bewusst. Lakestar will die Spacs in Deutschland und in Europa als Instrument populär machen. Das funktioniert aber nur, wenn wir alle beteiligten Parteien, die Zielunternehmen und die Investoren also, gerecht behandeln. Wir würden unseren Spac so konstruieren, dass wir uns erst belohnen, wenn auch die Investoren bereits spürbar profitiert haben.

Herr Hommels, vielen Dank für das Interview.