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Während des Corona-Crashes habe ich 100.000 Euro in Aktien investiert und wurde belohnt — so habe ich vom Bärenmarkt profitieren

David Frank ist Finanzblogger und berichtet jeden Monat bei Business Insider über seinen Weg in die finanzielle Freiheit - Copyright: Patrick Runte / Getty Images / Filo / John Lamb / Collage: Dominik Schmitt
David Frank ist Finanzblogger und berichtet jeden Monat bei Business Insider über seinen Weg in die finanzielle Freiheit - Copyright: Patrick Runte / Getty Images / Filo / John Lamb / Collage: Dominik Schmitt

David Frank betreibt den Finanz-Blog „Jung in Rente“ und erzählt jeden Monat im Spar-Update bei Business Insider, wie er sein Geld investiert, um sein Ziel der finanziellen Freiheit mit Mitte 40 zu erreichen. Dieser Text erschien zuerst auf seinem Blog.

Nachdem die Börse zu Jahresbeginn noch vielerorts neue Allzeithochs erreicht hatte, kannten die Kurse seither fast nur eine Richtung. So büßten Indizes wie der MSCI World, S&P 500 und Dax zeitweise deutlich mehr als 20 Prozent ein. Damit befinden wir uns nun offiziell in einem sogenannten Bärenmarkt.

Es sollte also kaum überraschen, dass gerade viele jüngere Anleger, die erst nach dem Corona-Crash an die Börse gekommen sind, aktuell ziemlich verunsichert sind und nicht so recht wissen, wie sie mit der aktuellen Situation umgehen sollen.

Seit 20 Jahren investiere ich mein Geld an der Börse

Erscheint es ratsam, seine Aktien und ETFs zu behalten, sollte man alle Wertpapiere verkaufen oder wäre es sogar besser, gerade jetzt weiter nachzukaufen, sind typische Fragen, über die sich viele Börsianer gerade den Kopf zerbrechen. Für mich Grund genug, euch meinen Umgang mit den gegenwärtigen Kursturbulenzen näherzubringen.

Ich lege meine Ersparnisse nun bereits seit über 20 Jahren an der Börse an. Insofern habe ich schon so einige Kurskschwankungen – in die eine wie in die andere Richtung – hautnah miterlebt. Darunter befanden sich mit dem Platzen der Dotcom-Bubble, der großen Finanzkrise und dem Corona-Crash auch drei vollwertige Bärenmärkte. Diese Erfahrungswerte helfen mir enorm dabei, mit dem aktuellen Kurseinbruch gelassener umzugehen.

Ich gebe zu, vom Platzen der Dotcom-Bubble habe ich seinerzeit praktisch so gut wie nichts mitbekommen, da sich meine Ersparnisse im zarten Teenager-Alter nur auf ein paar Tausend Euro beliefen. Die folgenden zwei Bärenmärkte sind mir dafür umso heftiger in Erinnerung geblieben.

Das habe ich aus der großen Finanzkrise gelernt

Als es 2008 in Folge der Lehman-Pleite beinahe zur finanziellen Kernschmelze kam, war ich dank der ETF-Bibel „Souverän investieren mit Indexfonds und ETFs“ von Gerd Kommer gerade erstmals mit dem Konzept der börsennotierten Indexfonds in Berührung gekommen. Ich war Feuer und Flamme, diese für meinen eigenen Vermögensaufbau einzusetzen.

So kam es, dass ich Ende 2008 – fast pünktlich zum Höhepunkt der Weltfinanzkrise – mein gesamtes Hab und Gut in ein breit diversifiziertes ETF-Portfolio investierte. Dieser bestand aus dem STOXX Europe 600, MSCI North America, MSCI Pacific und MSCI Emerging Markets sowie den Small-Cap-Varianten des MSCI Europe und des MSCI USA. Das Timing hätte kaum besser sein können.

Denn ich erwischte im Dezember 2008 nicht nur fast das Tief des damaligen Bärenmarktes, sondern konnte mich anschließend auch über steuerfreie Kursgewinne freuen, da die Abgeltungssteuer erst kurze Zeit später, nämlich Anfang 2009, in Kraft trat.

Mein ETF-Portfolio verdoppelte sich in nur fünf Jahren

Der Mut, mitten im Crash zu investieren, wurde anschließend kräftig belohnt. So verdoppelte sich der Wert meines ETF-Welt-Portfolios innerhalb von nur weniger als fünf Jahren.

Seither ist für mich klar, dass Phasen, in denen an der Börse absolute Untergangsstimmung herrscht, geradezu prädestiniert dafür sind, den Grundstein für das eigene Vermögen zu legen. Und diese Lehre sollte sich viele Jahre später ein weiteres Mal bezahlt machen.

Im Frühjahr 2020 herrschte an der Börse erneut absolute Untergangsstimmung. Eine bis dato kaum für möglich gehaltene Pandemie hatte die Welt kurzerhand lahmgelegt und auch die Märkte in eine Art Schockstarre versetzt.

Weltweit verloren die Aktienindizes im Zuge dessen deutlich mehr als 30 Prozent. Bemerkenswert war dabei aber vor allen Dingen eine zuvor nie dagewesene Geschwindigkeit, mit der sich der Kursverfall vollzog. So verging vom Allzeithoch bis zum Tiefpunkt gerade einmal etwa ein Monat. Absoluter Rekord!

Im Corona-Crash investierte ich 100.000 Euro in Aktien und ETFs

Auch mich versetzte die weltweite Kursimplosion zunächst in Angst und Schrecken. Doch ich versuchte, meine 2008 gewonnenen Erkenntnisse für mich zu nutzen. So schaffte ich es schließlich, meine Furcht zu überwinden und trotz der nicht enden wollenden Horrormeldungen am Aktienmarkt aktiv zu werden.

Letztlich gelang es mir so im März 2020, knapp 100.000 Euro in Aktien und ETFs zu investieren. Der Mut, abermals ins fallende Messer hinein zu investieren, machte sich anschließend erneut mehr als bezahlt.

Denn schon wenig später drehten die Kurse wieder ins Positive und erholten sich fast genauso schnell, wie sie vorher gefallen waren.

Meine Strategie im Bärenmarkt

Die letzten Bärenmärkte haben sich also durchaus positiv auf meinen Vermögensaufbau ausgewirkt. Insofern dürfte es kaum verwundern, dass ich auch künftig versuchen werde, Kurseinbrüche an der Börse für mich zu nutzen.

Um dieses Ziel zu erreichen, habe ich mir eine relativ simple Anlagestrategie auferlegt. Hierbei handelt es sich um das sogenannte Value Averaging – nicht zu verwechseln mit dem weit verbreiteten Cost Averaging. Kurz gesagt, investiert man dabei umso mehr Geld, je tiefer die Kurse fallen, beziehungsweise, umso weniger Geld, je höher die Kurse steigen.

Eine Vorgehensweise, die sich meines Erachtens insbesondere hervorragend für breit diversifizierte ETFs eignet, da man sich bei diesen – anders als bei vielen Einzelaktien – ziemlich sicher sein kann, dass deren Kurse irgendwann wieder neue Allzeithochs markieren werden.

Ich bin nicht mehr so naiv, zu glauben, dass Market-Timing funktioniere

Ich wende das Value Averaging daher bereits seit mehreren Jahren auf mein eigenes ETF-Welt-Portfolio an. Heißt im Klartext: Während ich im Bullenmarkt so gut wie kein frisches Kapital in mein ETF-Depot nachschießen musste, da die Kursgewinne bereits für den erwünschten Wertzuwachs sorgten, werde ich in Bärenmärkten gewissermaßen gezwungen, überproportional viel neues Geld in zusätzliche ETF-Anteile zu investieren.

Zwar ist auch solch eine Anlagestrategie selbstverständlich nicht frei von Mankos. Schließlich wäre es am renditeträchtigsten, seine gesamte Barreserve genau am absoluten Tiefpunkt eines Bärenmarktes an der Börse anzulegen.

Da ich jedoch nicht mehr so naiv bin, zu glauben, dass solch ein Market-Timing in der Praxis funktionieren könnte, habe ich es mittlerweile aufgegeben, auf die vermeintliche Talsohle zu warten. Stattdessen kaufe ich einfach über den gesamten Bärenmarkt hinweg stetig zusätzliche ETF-Anteile zu immer niedrigeren Kursen nach.

Der größte Vorteil des Value Averaging besteht dabei darin, dass man in Krisenszenarien keine Gedanken mehr an den vermeintlich richtigen Einstiegszeitpunkt verschwenden muss und völlig emotionsfrei Nachkäufe tätigen kann.

Dies ermöglicht es mir, meine Anlagestrategie auch in extrem schwierigen Marktphasen durchzuhalten – ein Punkt, der zwar von vielen Privatanlegern gerne vernachlässigt wird, für mich aber zu den wichtigsten für einen langfristig erfolgreichen Vermögensaufbau gehört.

Aktueller Bärenmarkt in der Praxis

In den vergangenen Wochen ging es an den Börsen weltweit steil bergab. Im Zuge dessen hat natürlich auch mein ETF-Portfolio ordentlich an Wert eingebüßt. Gemäß meiner Anlagestrategie wurden daher diverse ETF-Nachkäufe fällig.

Seit Anfang Mai 2022 habe ich dabei insgesamt 20 Transaktionen im Gesamtwert von knapp 13.600 Euro tätigen müssen. Diese entfielen auf meine folgenden ETFs:

iShares STOXX Europe 600 (19,4 Prozent), Vanguard FTSE North America (37,7 Prozent), Lyxor MSCI Pacific (4,4 Prozent), iShares MSCI Emerging Markets IMI (2,0 Prozent), iShares MSCI World Small Cap (22,5 Prozent) und iShares Developed Markets Property Yield (14,0 Prozent).

Wie schon in den vorangegangenen Bärenmärkten fühle ich mich dank meiner Anlagestrategie sehr wohl damit, bei fallenden Börsenkursen nachzukaufen. Dies würde selbstverständlich auch bei einer Fortsetzung des aktuellen Bärenmarktes gelten – ein Szenario, das ich gegenwärtig für nicht gerade unwahrscheinlich halte.

Dahinter steht mein Glaube, dass Aktien ihren ultra-langfristigen Aufwärtstrend auch künftig beibehalten werden und daher jeder Bärenmarkt eine große Chance für den persönlichen Vermögensaufbau bietet.

Mein Fazit

Bärenmärkte werden von vielen als Risiko für den eigenen Vermögensaufbau wahrgenommen. Demgegenüber vertrete ich eine gänzlich andere Sichtweise. Denn meine Erfahrungen der vergangenen 15 Jahre haben mich diesbezüglich eines Besseren belehrt. Und mit dieser Meinung stehe ich glücklicherweise nicht alleine da.

Auch Gerd Kommer schrieb schon Mitte 2021, dass gerade junge Anleger für einen Börsencrash beten sollten. Natürlich verstehe ich jeden, den fallende Aktienkurse nervös machen.

In diesem Fall kann ich aber jedem nur empfehlen, sich einmal in Ruhe die Börsenentwicklung der vergangenen Jahrzehnte vor Augen zu führen. Denn trotz unzähliger Krisen und einem Bärenmarkt nach dem anderen kannten Aktien langfristig nur eine Richtung: nach oben.

Disclaimer: Aktien, Kryptowährungen und Investments sind grundsätzlich mit Risiko verbunden. Auch ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals kann nicht ausgeschlossen werden. Die veröffentlichten Artikel, Daten und Prognosen sind keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Rechten. Sie ersetzen auch nicht eine fachliche Beratung.

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