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VW-Revisionsbericht: Der Mann, den sie „Apple-Praktikant“ nennen, soll mehr als 100 Millionen Euro bei der Bulli-Entwicklung verbrannt haben

·Lesedauer: 3 Min.
Alexander Hitzinger
Alexander Hitzinger

Mit dem Bulli hat Volkswagen nicht nur Sympathien auf der ganzen Welt gewonnen, der Kult-Transporter liefert auch seit mehr als 70 Jahren ordentliche Gewinne ab. In dieser Woche präsentiert VW die siebte Generation – der T7 Multivan. Ein Fahrzeug der Extraklasse, das keine Reisewünsche offen lassen möchte. Nur wird der Hersteller diesmal weniger am Verkauf des Bullis verdienen, als geplant war.

Wie aus einem internen Revisionsbericht von VW Nutzfahrzeuge (VWN) hervorgeht, sind die Entwicklungskosten für den T7 außer Kontrolle geraten. Demnach lagen die Aufwendungen fast 200 Millionen Euro über dem geplanten Budget. Laut Ermittlungsbericht wurde durch den Bereich Technische Entwicklung immer wieder Geld ausgegeben, ohne das dadurch irgendein Projektfortschritt ersichtlich wurde. Berichtspflichten seien einfach nicht eingehalten, Missstände nicht gemeldet worden. Die Rede ist von einem totalen Organisationsversagen.

Im Zentrum des Finanzdesasters steht Alexander Hitzinger. Ein genialer Kopf, der einst als Technischer Direktor für Porsche Pokale bei der Langstrecken-Weltmeisterschaft in Le Mans abräumte und Anfang 2019 neuer Entwicklungsvorstand bei VWN wurde. Seine zwischenzeitliche Tätigkeit für einen US-Techgiganten handelte ihm auch seinen inoffiziellen Spitznamen ein: der "Apple-Praktikant".

Schon seine Ernennung zum Nutzfahrzeuge-Vorstand sorgte in Hannover für Unruhe. Obwohl Hitzinger dem Vernehmen nach Wunschkandidat der VW-Eigentümerfamilien gewesen sein soll, beschwerten sich Vorstandskollegen regelmäßig bei Konzernmanagern in Wolfsburg. "Wir hatten nie den Eindruck, dass er sich wirklich für die Entwicklung von Nutzfahrzeugen interessiert hat", sagt ein Manager. Seine Gedanken seien damals vielmehr um das autonome Fahren gekreist. Das Brot- und Butter-Geschäft habe er liegen gelassen. Tatsächlich zog Hitzinger bereits Mitte 2020 weiter, um für den Konzern einen Leuchtturm zu errichten, ein autonomes E-Auto aufzubauen.

Als Hitzinger weg war, sickerten plötzlich Warnsignale aus der Bulli-Entwicklung durch, woraufhin Finanzvorstand Holger Kintscher mit Unterstützung aus dem Konzern eine interne Untersuchung einleitete. Die Prüfer stellten führungslose, chaotische Zustände fest – die von der Leitung offensichtlich unbeachtet blieben. "In dem Bericht werden keine Namen ausdrücklich genannt", sagt eine mit dem Vorgang vertraute Person, "aber es wird deutlich, wer die Verantwortung für die Verschwendung trägt." Hitzinger äußerte sich auf Anfrage nicht zu den Vorwürfen. Ein Sprecher erklärte: "Ein Revisionsbericht ist eine interne Unterlage. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir Interna nicht öffentlich diskutieren oder kommentieren."

Monatelang war VW Nutzfahrzeuge in Hannover damit beschäftigt, die Organisation neu zu sortieren. Wählend eine neue Führung nun das T7-Projekt zum verspäteten Produktionsstart führt, sorgte Hitzinger auch bei seiner nächsten VW-Station für Zündstoff. Seine Mission war es, mit einer kleinen, wendigen Sondereinheit, ein neues Flaggschiff der Elektromobilität zu entwickeln. Beim Artemis-Projekt habe es Hitzinger dem Vernehmen nach aber nicht geschafft, die Ressourcen im Konzern zu bündeln. Stattdessen sei er mit seiner menschlichen Art regelmäßig bei Entwicklern anderer Konzernmarken angeeckt. Ein ehemaliger Kollege erklärt das so: "Herr Hitzinger weiß unglaublich viel und das lässt er alle ständig wissen."

Während sich der Ausnahme-Ingenieur in Interviews als Tesla-Jäger Nr. 1 gab, blieben allerdings die erhofften Fortschritte im Artemis-Projekt hinter dem Zeitplan zurück. So verzögert sich die Serienproduktion des revolutionären E-Autos (in Hannover) bereits von 2024 auf 2025. In einer Stellungnahme erklärte nun die federführende Marke Audi, das Fahrzeug ohne Hitzinger weiterzuentwickeln. Er habe seinen Job gut gemacht, suche nun aber eine neue Herausforderung. Wie Business Insider erfuhr, erkundigt sich die Personalchefin für das Top-Management bereits seit Wochen im Konzern nach einer neuen Stelle für Hitzinger. Porsche winkte demnach ab. Auf Anfrage zu den Vorwürfen gegen ihn ließ Hitzinger durch einen Sprecher ausrichten: "Herr Hitzinger bereitet sich derzeit auf eine neue Aufgabe vor. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir derzeit hierzu nicht mehr kommunizieren können."

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