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VW investiert 60 Milliarden Euro in Elektromobilität und Digitalisierung – Duesmann wird Audi-Chef

Die Wolfsburger wollen bis 2024 fast 60 Milliarden Euro für Zukunftsinvestitionen ausgeben. Die VW-Tochter Audi erhält einen neuen Chef.

Bis Ende 2029 sollen rund 26 Millionen Elektrofahrzeuge produziert werden. Foto: dpa

Der Volkswagen-Konzern erhöht seine Investitionen für Elektromobilität und Digitalisierung. In den kommenden fünf Jahren bis 2024 gibt der Wolfsburger Autohersteller dafür knapp 60 Milliarden Euro aus. Das hat der Aufsichtsrat von VW am Freitag auf seiner turnusmäßigen Sitzung beschlossen.

Dies entspricht rund 40 Prozent aller Investitionen, die der VW-Konzern in den nächsten fünf Jahren plant. Im Vergleich zur Planungs- und Investitionsrunde vor einem Jahr sind das zehn Prozentpunkte. Damals lag der Anteil der sogenannten Zukunftsinvestitionen bei etwa 30 Prozent.

„Wir treiben die Transformation des Volkswagen-Konzerns mit aller Entschlossenheit voran“, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Hans Dieter Pötsch. „Die Hybridisierung, Elektrifizierung und Digitalisierung unserer Flotte bilden einen immer wichtiger werdenden Schwerpunkt“, ergänzte VW-Vorstandschef Herbert Diess. Deshalb erhöhe der Konzern bei den Zukunftsinvestitionen noch einmal das Tempo.

Der VW-Aufsichtsrat hat zugleich den früheren BMW-Manager Markus Duesmann wie erwartet zum neuen Vorstandschef von Audi berufen. Sein Vorgänger Bram Schot verlässt das Unternehmen. Im Konzernvorstand von Volkswagen wird Duesmann zugleich auch für Forschung und Entwicklung verantwortlich. Duesmann tritt seine Ämter am 1. April 2020 an.

„Markus Duesmann wird alles daransetzen, die großen Potenziale der Marke Audi zu heben“, erklärte Diess, der auch den Audi-Aufsichtsrat leitet.

Außerdem hat das Unternehmen mit der Zustimmung des Aufsichtsrats seine Langfristplanung für die kommenden zehn Jahre hochgesetzt. Bis zum Jahr 2029 will der Wolfsburger Autokonzern voraussichtlich 75 rein batteriegetriebene Elektromodelle auf den Markt bringen. Dazu kommen etwa 60 Hybridfahrzeuge, vor allem bei den beiden Premiummarken Audi und Porsche.

Bislang hatte Volkswagen geplant, dass bis 2028 rund 22 Millionen reine E-Fahrzeuge produziert werden sollten. Jetzt werden es bis Ende 2029 rund 26 Millionen Autos. Zudem wird VW im selben Zeitraum fast sechs Millionen Hybridfahrzeuge verkaufen.

Etwa 20 Millionen der geplanten E-Fahrzeuge basieren auf dem neuen Modularen Elektrifizierungsbaukasten (MEB), den sich vor allem die Marken VW, Seat und Skoda teilen. Für die Marken Porsche und Audi arbeitet der Konzern ebenfalls an einer neuen elektrischen Gemeinschaftsplattform (interne Bezeichnung: PPE). Auf der Basis dieses Baukastens werden bis Ende 2029 voraussichtlich rund sechs Millionen E-Autos produziert.

In Deutschland werden die E-Fahrzeuge in den Werken Zwickau, Emden, Hannover, Stuttgart und Dresden gefertigt. Zur Zukunft der Audi-Werke äußerte sich der Konzern zunächst nicht.

In Emden in Ostfriesland wird künftig ein Elektro-SUV in der Größe des VW Tiguan produziert. Die Entscheidung über den Bau eines Werkes in der Türkei soll bis zum Jahresende fallen.

Konzernchef Herbert Diess sagte zum geplanten Werk in der Türkei, dass Volkswagen durchaus an seinen bestehenden Plänen festhalten wolle. „Die Türkei sollte ein Teil von Europa bleiben. Die Situation wird sich hoffentlich wieder beruhigen“, sagte er. Volkswagen hatte die Pläne für ein neues Pkw-Werk in der Nähe von Izmir vor wenigen Wochen nach dem türkischen Einmarsch in Nordsyrien auf Eis gelegt. Davor galt es eigentlich schon als sicher, dass der Wolfsburger Konzern eine Milliarde Euro für eine neue Fabrik im Westen der Türkei investieren würde. Dort sollten gemeinsam der VW Passat und der Skoda Superb produziert werden.

Diess sagte zugleich, dass Volkswagen eine Rückfallplanung besitze, sollte die politische Lage zwischen der Türkei und Syrien angespannt bleiben. Streicht Volkswagen die Pläne für das türkische Werk, werde der VW-Konzern die erforderlichen Produktionskapazitäten an „bestehenden Standorten“ unterbringen. Das war insofern auch eine klare Absage an Rumänien und Bulgarien, die sich ebenfalls immer wieder Hoffnungen auf die neue Fabrik gemacht hatten. Als Türkei-Alternativen sind in Wolfsburg die Audi-Fabrik im ungarischen Györ und die VW-Produktionsstätte im slowakischen Bratislava im Gespräch.

Audi-Beschäftigte warten auf klare Aussagen

Volkswagen-Betriebsratschef Bernd Osterloh sprach von „einem wichtigen Signal an die Mannschaft“. Während in anderen Unternehmen angesichts nachlassender Verkaufszahlen der Rotstift angesetzt werde, erhöhe der VW-Konzern seine Investitionen. „Damit sichern wir die Arbeitsplätze in unsicheren Zeiten“, sagte er. Volkswagen hat weltweit etwa 660.000 Beschäftigte, in Deutschland sind es rund 300.000.

Auch der Chef der einflussreichen Arbeitnehmervertretung von Volkswagen äußerte sich nicht konkret zur Zukunft der Audi-Werke. Er sagte lediglich, dass Audi in Deutschland und das VW-Werk im slowakischen Bratislava ebenfalls von der Elektrifizierung profitieren würden. Die wichtigsten Audi-Werke in Ingolstadt und in Neckarsulm sind schon länger nicht ausreichend ausgelastet. Schichten mussten deshalb gestrichen werden.

Die Audi-Beschäftigten warten auf klare Aussagen des Unternehmens, wie die Werke künftig ausgelastet werden sollen. In Konzernkreisen hieß es dazu am Freitag, dass bei Audi in Deutschland künftig vor allem Hybrid-Modelle produziert werden sollten.

Der Betriebsratschef und Vizevorsitzende des Aufsichtsrats, Peter Mosch, setzt da große Hoffnungen auf den künftigen Firmenchef. „Von Markus Duesmann und seinem Vorstandsteam erwarten wir eine stabile Auslastung der Werke und mehr Mut zu Vorsprung durch Technik“, erklärte Mosch

Stephan Weil (SPD), niedersächsischer Ministerpräsident und zugleich Mitglied des Volkswagen-Aufsichtsrates, begrüßte die Erhöhung der Investitionen. „Volkswagen geht mit der vorliegenden Planung sehr konsequent weiter auf dem Weg der Elektromobilität in Richtung Kohlendioxid-Neutralität und Klimaschutz“, sagte der Politiker. Die Verschärfung der Grenzwerte lasse dem Konzern keine Alternative.

„Volkswagen erhöht seine Investitionsausgaben im Unterschied zu seinen Konkurrenten Daimler und BMW“, sagte Arndt Ellinghorst zur neuen Fünf-Jahres-Planung aus Wolfsburg. Deshalb werde bei Volkswagen an anderer Stelle Kosten- und Ausgabendisziplin erforderlich. Um für das erforderliche Vertrauen unter Investoren zu sorgen, müsse Volkswagen unbedingt seine eigenen Vorgaben beim Free-Cash-Flow erreichen. Der Wolfsburger Autohersteller hat sich dafür jährlich ein Ziel von mehr als zehn Milliarden Euro gesetzt.

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