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VW-Chef sieht undichte Stellen als Risiko für US-Aufarbeitung

Christoph Rauwald

(Bloomberg) -- Der Vorstandschef der Volkswagen AG sieht informierten Kreisen zufolge das Risiko, dass undichte Stellen im Aufsichtsrat die Überwindung des Dieselskandals in den USA gefährden könnten. In einer internen Videokonferenz mit mehr als 3.000 Managern bezog sich Herbert Diess auf Medienberichte aus dem vergangenen Monat und erklärte, vertrauliche Informationen der Presse zu stecken, sei kriminelles Verhalten.

Das Manager Magazin hatte berichtet, Diess habe einen neuen Vertrag als Gegenleistung dafür verlangt, dass er der Einstellung eines Marktmanipulationverfahrens gegen ihn im Zuge des Dieselskandals zustimme. In der Bild-Zeitung hieß es, die Arbeitnehmerseite wolle den Vorstandschef stürzen, was Betriebsratschef Bernd Osterloh und der IG-Metall-Vorsitzende Jörg Hofmann dementierten.

Zur Aufarbeitung des Abgasskandals hatten die USA Volkswagen für drei Jahre unter Überwachung gestellt. Diese Zeit soll im September enden. Wird die Frist stattdessen verlängert oder scheitert eine Zertifizierung durch Aufpasser Larry D. Thompson, wäre dies ein schwerer Schlag für die Bemühungen des Konzerns, seinen Ruf wiederherzustellen.

Der weltgrößte Autohersteller befindet sich indessen nicht nur im Hinblick auf den Abgasskandal und die Coronakrise in unruhigem Fahrwasser. Während die Autobranche die Wende zum Elektroauto zu meistern hat, behindern beim VW-Flaggschiff Golf und dem elektrischen ID.3 Softwareprobleme die Produktionspläne und sorgen im Unternehmen für Unmut. Nur mit dem Golf lässt sich die Auslastung der größten Volkswagen-Fabrik, Wolfsburg, gewährleisten. Der ID.3 ist für den Konzern der Schlüssel zur Erfüllung strengerer europäischer Emissionsvorschriften.

Der VW-Konzern hat am Montag die Führung der Marke Volkswagen an deren Vorstand für das Tagesgeschäft, Ralf Brandstätter gegeben. Damit soll Diess ermöglicht werden, sich ganz auf die Führung des Konzerns zu konzentrieren. Der Verlust der direkten Verantwortung für die Kernmarke bedeutet einen Rückschlag für Diess, der sich vor zwei Jahren bei der Übernahme der Konzernleitung entschlossen hatte, beide Aufgaben zu übernehmen.

Überschrift des Artikels im Original:VW’s CEO Is Worried Board Leaks Might Taint U.S. Monitor Case

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