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VW-Billigmarke Jetta profitiert von der Coronakrise

In China wirbt Volkswagen mit der Einsteigermarke Jetta um neue Kunden. Der Start in den vergangenen Monaten ist unerwartet gut gelungen. Günstige Modelle sind derzeit gefragt.

Die Einstiegsmarke von Volkswagen ist derzeit in China gefragt. Foto: dpa

Im Februar hat das Autogeschäft in China noch ziemlich schrecklich ausgesehen. Die Corona-Pandemie war dort zu Jahresbeginn auf ihrem Höhepunkt angelangt. Viele Unternehmen waren geschlossen, kaum jemand wollte ein neues Auto kaufen. Der gesamte Automarkt in der Volksrepublik brach in der Folge um 80 Prozent ein.

Schneller als gedacht ist China inzwischen schon wieder auf dem Weg der Erholung, auch das Autogeschäft. Im April hat der chinesische Fahrzeugmarkt fast wieder das Vorjahresniveau erreicht. Davon profitiert ganz besonders der Volkswagen-Konzern, der mit seinen verschiedenen Marken in China inzwischen auf einen Anteil von knapp 21 Prozent kommt und damit unangefochtener Marktführer ist.

„China macht Hoffnung“, sagt auch Frank Schwope, Automobilanalyst der NordLB in Hannover. Die schnelle Erholung nach dem Corona-Höhepunkt im Februar könne ein Hinweis darauf sein, dass es auf anderen Automärkten der Welt bald wieder aufwärts gehen könnte.

Dem Wolfsburger Autohersteller ist zudem mit seiner ausschließlich in China angebotenen neuen Einsteigermarke Jetta ein Überraschungserfolg gelungen. Nach dem Verkaufsstart im Herbst vergangenen Jahres liegt der Jetta-Marktanteil heute schon bei einem Prozent. Dabei hilft auch die Corona-Pandemie. Denn günstige Einsteigermodelle werden in der Volksrepublik jetzt besonders nachgefragt.

„Hier in China sind wir deutlich weiter“, sagt Jetta-Markenchef Harald Müller mit Blick auf die aktuellen Entwicklungen in Europa und in Nordamerika, wo erst jetzt langsam eine wirtschaftliche Erholung beginnt. In der Volksrepublik habe sich in den vergangenen Wochen gezeigt, „dass sich das Mobilitätsverhalten verändert“. Menschen mieden aus Furcht vor einer Corona-Infektion öffentliche Verkehrsmittel und zögen stattdessen das eigene Auto vor.

Davon profitiert die neue Automarke Jetta, der jüngste Ableger aus dem Volkswagen-Konzern. Die neuen Modelle werden 20 bis 30 Prozent günstiger verkauft als die Autos der Marke VW. Jüngere Kunden, besonders auch Familien, würden damit angesprochen, so Markenchef Müller. Das Durchschnittsalter der Jetta-Käufer liege bei Mitte 30. Darunter seien viele, die zuvor noch nie ein Auto gekauft hätten.

Neue Modelle geplant

Vor einem guten Jahr und damit lange vor der Corona-Pandemie hatte sich Volkswagen dazu entschieden, in China zusätzlich die Marke Jetta aufzulegen. In der Volksrepublik hatte der Jetta als einzelnes Modell von Volkswagen zuvor eine wichtige Rolle bei der Motorisierung des Landes gespielt

Seine Bedeutung ist dort ungefähr mit der des Käfers in Deutschland vergleichbar: Der VW Jetta hat der großen Masse die individuelle Mobilität gebracht, entwickelt vom Wolfsburger Konzern und produziert in China. Deshalb sah VW dort die Chance, aus dem einzelnen Modell eine eigene Marke mit einer eigenen Fahrzeugfamilie zu machen.

Aktuell werden in der Volksrepublik drei verschiedene Jetta-Modelle verkauft, eine Limousine und zwei SUV. „Weitere Fahrzeuge sind in der Planung“, kündigt Markenchef Müller an, „dazu können wir hoffentlich im nächsten Jahr mehr sagen.“ Die Marke Jetta werde nicht so breit aufgestellt sein wie etwa die Marke VW. „Wir sind kein Vollsortimenter“, so Müller. Eine geringe Variantenzahl sorgt auch dafür, dass die Produktionskosten niedriger bleiben.

Im April hat Volkswagen in China 13.500 Autos der Marke Jetta verkaufen können und damit das Ziel von einem Prozent Marktanteil geschafft. Hält die wirtschaftliche Erholung in der Volksrepublik an und kann sich die neue Automarke Jetta dauerhaft etablieren, würde ein Prozent Marktanteil auf das gesamte Jahr gerechnet etwa 200.000 verkauften Jetta-Fahrzeugen entsprechen. Aus Sicht von Markenchef Müller ist ein solche Zielsetzung realistisch, der Marktanteil soll schrittweise weiter gesteigert werden.

Angriff auf ein lukratives Segment

Das Geschäft mit Einsteigermodellen macht in China ungefähr 30 Prozent des gesamten Automarktes aus. Der Volkswagen-Konzern hatte sich in diesem Segment bislang eher zurückgehalten. Deutsche Autos werden in China tendenziell höherwertig und meistens mit einem gewissen Premiumanspruch verkauft.

Auch wenn sich die Zuwachsraten auf dem chinesischen Automarkt in den vergangenen zwei Jahren abgeschwächt haben, kalkuliert der VW-Konzern immer noch mit Wachstum. Denn während in Westeuropa etwa 650 Autos auf 1000 Einwohner gezählt werden, liegt dieser Wert in der Volksrepublik noch immer unter 100.

Gute Absatzchancen gibt es vor allem in den weiter westlich im Inneren des Landes gelegenen Millionenstädten, wo sich der Mobilisierungstrend noch nicht so stark durchgesetzt hat. Die Angleichung an westliche Lebensstandards mit dem Trend hin zum eigenen Auto hat bislang vor allem die großen Ballungsräume im Osten entlang des Küstenstreifens zwischen Peking und Schanghai erreicht.

Die Einführung der neuen Marke Jetta wertet Volkswagen bislang als großen Erfolg. Doch für den Konzern gibt es in China auch Rückschläge auf dem Automarkt. Vorstandschef Herbert Diess kündigte bereits Mitte März an, dass aus dem angekündigten Einstieg der spanischen Tochter Seat auf dem chinesischen Automarkt nichts wird. Die entsprechenden Pläne dafür seien zunächst einmal ad acta gelegt worden. Auslöser für diesen Rückzug sind die abgeschwächten Zuwächse in China während der vergangenen zwei Jahre, die den Einstieg einer weiteren Marke des VW-Konzerns infrage stellen.

Diess sprach zudem von „großen Verlusten in China“ für die Marke Skoda. Die Absatzerwartungen der tschechischen Tochter waren im vergangenen Jahr in der Volksrepublik überhaupt nicht aufgegangen. Die Zahl der Skoda-Auslieferungen ist 2019 in China um 17,5 Prozent zurückgegangen. Die tschechische Tochter sucht nun nach einem neuen Ansatz auf dem chinesischen Automarkt.

Der Manager rechnet in China mit weiterem Wachstum. Foto: dpa
Neben einem SUV sollen weitere Jetta-Ableger auf den Markt rollen. Foto: dpa