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VW-Betriebsratschef: Kein Türkei-Werk während Militäroffensive

Christoph Rauwald

(Bloomberg) -- Der einflussreiche Betriebsrat von Volkswagen AG wird dem Plan für ein neues Werk in der Türkei nicht zustimmen, solange die kriegerische Auseinandersetzung in der Region anhält.

„Die Vertreterinnen und Vertreter der Arbeitnehmer lehnen einen Zuschlag ab, solange die Türkei versucht, ihre politischen Ziele mit Krieg und Gewalt zu erreichen,” sagte Betriebsratschef und VW-Aufsichtsratsmitglied Bernd Osterloh in der aktuellen Ausgabe der Mitarbeiterzeitung “Mitbestimmen”, in die Bloomberg Einblick hatte.

Der weltgrößte Autobauer hat das 1,3 Milliarden Euro schwere Projekt im vergangenen Monat auf Eis gelegt, nachdem die Spannungen nach dem Rückzug der US-Truppen aus Syrien eskaliert sind. Die türkischen Streitkräfte starteten eine Militäroffensive im Nordosten Syrien und zwangen militante Kurden, die das Grenzgebiet kontrollierten, zum Rückzug.

Die Fabrik könnte jährlich etwa 300.000 Autos produzieren und würde die Basis für VWs Expansion in der Türkei und im Nahen Osten darstellen. Das Projekt wäre ein Meilenstein für das Land: Ausländische Investitionen würden ins Land fließen nach einer unsicheren Konjunkturphase, die auf eine Rezession folgte.

VW sei wegen der politischen Situation in der Türkei besorgt und verfolge die Entwickung, sagte Finanzvorstand Frank Witter am Mittwoch gegenüber Journalisten. Es bestehe kein unmittelbarer Zeitdruck, sich nach anderen Möglichkeiten umzusehen, da die Kapazitäten bei bestehenden Werken in der Slowakei und anderswo aufgestockt werden könnten, sagte er.

VW lehnte eine weitere Stellungnahme ab.

“Für uns ist klar, dass unsere Grundsätze von innerbetrieblicher Mitbestimmung und gesellschaftlichem Engagement am Standort nur in einem Umfeld von Stabilität und Verlässlichkeit zu erreichen sind,” sagte Osterloh.

Die Arbeitnehmervertreter haben die Hälfte der Sitze im VW-Aufsichtsrat und umfangreiche Vetorechte. Der Aufsichtsrat wird am 15. November zu seiner jährlichen Prüfung der 5-Jahres-Investitionspläne des Autobauers zusammentreten, die auch die Kapitalverteilung für die Fabriken in allen Regionen umfassen.

Überschrift des Artikels im Original:VW Labor Boss Vows to Block Plan for Turkish Plant Amid Violence

Kontakt Reporter: Christoph Rauwald in Frankfurt crauwald@bloomberg.net

Kontakt verantwortlicher Editor: Anthony Palazzo apalazzo@bloomberg.net, John Bowker

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