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Vorsicht bei Indexfonds: Darum sollte man ETFs meiden und lieber auf Aktien setzen!

Andre Kulpa, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

Wenn es ums Sparen geht, gelten die Deutschen als Weltmeister. Doch durch die Politik der Europäischen Zentralbank sind die Zinsen so gut wie abgeschafft und es wird immer schwerer, noch eine messbare Rendite mit seinem Geld einzufahren. Dieser Umstand ist natürlich nicht nur bei der normalen Geldanlage sehr bitter, sondern auch dann, wenn man noch privat für das Alter vorsorgen möchte.

Die Anleger suchen deshalb nach Alternativen und setzen dabei vermehrt auf ETFs. Denn diese gelten in der Bevölkerung als recht sicher, kostengünstig und mit einer Rendite ausgestattet, wie sie auch der Markt abwirft. Doch wenn ich mir die Produkte der Indexfondsanbieter so anschaue, bin ich mir nicht so sicher, ob die meisten wirklich wissen, in was sie da überhaupt investieren.

Oder wüsstest du zum Beispiel mit dem Namen UBS ETF (LU) Barclays MSCI US Liquid Corporates Sustainable UCITS ETF (hedged to EUR) A-acc auf Anhieb etwas anzufangen, und kannst mit einem Blick erfassen, um was für ein Produkt es sich hierbei handelt? Ich bin da skeptisch und gebe bei meinen Investitionen einzelnen Unternehmen den Vorzug. Denn kauft man beispielsweise Aktien von Siemens (WKN: 723610) oder Adidas (WKN: A1EWWW), weiß man sofort, was man für sein investiertes Geld bekommt.

Einzelaktien ist ein gutes Stichwort, und so komme ich jetzt zu zwei weiteren Aspekten, die man bedenken sollte, wenn man in ETFs statt in Aktien investiert.

Ein kleiner, aber gravierender Unterschied

Dieser kleine Unterschied mag im Moment völlig unerheblich erscheinen, doch wenn es beispielsweise zu Verwerfungen in unserem aktuellen Finanz- und Währungssystem kommen sollte, könnte dies für ETF-Anleger unter Umständen schwerwiegende Probleme mit sich bringen.

Denn während man beim Kauf von Aktien auch tatsächlich Miteigentümer des entsprechenden Unternehmens wird, ist dies mit einem Indexfonds ein wenig anders. Kauft man nämlich einen ETF-Anteil, ist man nur indirekt an den entsprechenden Firmen beteiligt. Auch wenn der entsprechende ETF real in die einzelnen Aktien eines Index investiert und diesen nicht etwa nur synthetisch repliziert.

Sollte es aber irgendwann in Zukunft zu einer Währungsreform oder Schlimmeren kommen, so wie es zum Beispiel die anerkannten Finanzjournalisten Marc Friedrich, Matthias Weik und Max Otte prognostiziert haben, könnte es einen riesigen Unterschied machen, ob man echte Firmenwerte besitzt oder ETF-Anteile, deren Preise dann vielleicht von ganz anderen Faktoren bestimmt werden, nur nicht mehr vom realen Wert der Aktiengesellschaften im zugrunde liegenden Index.

Höheres Risiko bei einer heftigen Korrektur

Hoffen wir natürlich, dass es am besten gar nicht erst zu den oben genannten schlimmen Szenarien kommt. Doch allein bei einer starken und schnellen Börsenkorrektur könnten ETF-Anleger mehr zu leiden haben als Anleger, die auf Einzelaktien setzen. Denn wer sich selbst ein Depot mit Einzelwerten zusammenstellt, achtet in aller Regel darauf, dass die enthaltenen Aktien so wenig wie möglich in Korrelation zueinander stehen.

Mit einem ETF ist dies aber kaum möglich, da er ja immer den ihm zugrunde liegenden Index eins zu eins nachbildet. Jetzt kann man sich ja vorstellen, dass, wenn in Crash-Zeiten ausgerechnet die Branchen oder Aktien am meisten in Mitleidenschaft gezogen werden, die im jeweiligen Index auch am höchsten gewichtet sind, natürlich auch alle entsprechende ETFs mit in den Abwärtsstrudel geraten.

Und es könnte noch schlimmer kommen für die ETFs und ihnen in diesen Zeiten eine besonders schlechte Performance beschert werden. Denn sollten jetzt viele ETF-Anleger merken, dass ihre so sicher geglaubten Indexfonds sehr schnell an Wert verlieren, könnte es natürlich sein, dass sie ihre Anteile zu Schleuderpreisen massenhaft auf den Markt werfen. Dieser Umstand könnte sich dann noch zusätzlich negativ auf die ETFs auswirken.

Fazit

Auch mit einzelnen Aktien ist man natürlich gewissen Risiken ausgesetzt, aber man kann diese durch geschickte Diversifikation ein wenig begrenzen. Mit einem ETF hingegen ist man der vollen Macht des Marktes ausgeliefert. Und wenn sich dieser einmal eine Zeit lang in einer heftigen Krise befindet, dann sollte man als ETF-Anleger auf jeden Fall ein gutes Nervenkostüm mitbringen, um nicht unter schlaflosen Nächten zu leiden.

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Andre Kulpa besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Wertpapiere.

Motley Fool Deutschland 2020