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Vom Druck bis zur Dauer: Die Wissenschaft hinter der perfekten Umarmung

Wissenschaftler haben die Wissenschaft enthüllt, die hinter der perfekten Umarmung steckt. (Getty Images)

In den aktuellen, durch das Coronavirus beeinflussten Zeiten, in denen die Kontaktsperre so viele Menschen voneinander trennt, wünschen wir uns wahrscheinlich alle eines: Eine gute, feste Umarmung.

Und obwohl wir uns wahrscheinlich gerade mit jeder Art von Umarmung zufrieden geben würden, sind Forscher damit beschäftigt herauszufinden, was eigentlich die perfekte Umarmung ausmacht.

Der Kuschel-Test-Squad – tatsächlich ein Team von Wissenschaftlern der Toho Universität in Japan – hat die beruhigende Wirkung von verschieden festen Umarmungen auf Kleinkinder untersucht. Diese verglich es mit Umarmungen von Fremden.

Die Forscher sahen sich den Puls des Kindes an und nutzen Drucksensoren auf der Haut des Erwachsenen. So konnten sie die Reaktion des Babys darauf sehen, wie es einfach im Arm gehalten, mittelfest umarmt wird und schließlich eine sogenannte „feste Umarmung“ bekommt.

Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Cell veröffentlicht. Sie ergaben, dass sich Babys leichter durch eine mittelfeste Umarmung beruhigten, als wenn sie einfach nur im Arm gehalten wurden.

Aber die beruhigende Wirkung nahm ab, wenn sie „fest“ umarmt wurden.

Die Ergebnisse hinsichtlich der Unterschiede zwischen den verschiedenen Umarmenden überrascht nicht: Bei Babys, die älter als 125 Tage waren, war die beruhigende Wirkung größer, wenn sie  von einem Elternteil, statt von einer weiblichen fremden Person umarmt wurden.

Aufgrund dessen gehen die Forscher davon aus, dass die perfekte Umarmung mittelfest sein und von einem Elternteil stammen sollte.

Die Wissenschaftler beschränkten die Länge der Umarmung auf 20 Sekunden, denn „es war fast unmöglich zu vermeiden, dass sich die Stimmung eines Babys während einer Umarmung verschlechterte, die eine Minute oder länger andauerte”, wie sie in der Arbeit schrieben.

Eltern profitieren ebenfalls vom Umarmen ihrer Babys! (Getty Images)

Und es sieht ganz danach aus, als ob auch wir nicht aus der angenehmen Wirkung von Umarmungen herauswachsen.

Die Studie ergab nämlich außerdem, dass sich auch bei den Eltern Anzeichen von Ruhe einstellten, wenn sie ihre Kinder im Arm hielten.

Sowohl Eltern als auch Kinder zeigten während der Umarmung einen Anstieg von etwas, das auf einem Elektrokardiogramm als R-R-Intervall (RRI) bezeichnet wird.

Dies ist die Zeit zwischen einer bestimmten Wellenform, die die elektrische Aktivität des Herzens misst, und der erhöhten Zeit, die auf eine verlangsamte Herzfrequenz hinweist.

„Die Kinder, die älter als vier Monate alt waren, zeigten einen hohen Anstieg des Verhältnisses der Herzschlag-Intervalle, wenn ihre Eltern sie in den Arm nahmen. Das war bei weiblichen Fremden nicht der Fall“, erklärt die erste Autorin der Studie, Sachine Yoshida, von der Toho Universität in einer Mitteilung.

„Auch die Eltern zeigten eine hohe Steigerungsrate der Herzschlagintervalle, wenn sie ihre Kleinkinder umarmten. Wir fanden heraus, dass sowohl Säuglinge als auch Eltern durch Umarmungen Entspannung finden.“

Obwohl vermutet wird, dass Umarmungen ein Hormon namens Oxytocin freisetzen, das manchmal auch als „das Kuschel- oder Liebeshormon“ bezeichnet wird, glauben Forscher, dass die Zeitspanne ihres Umarmungsexperiments zu kurz war, als dass dieses eine Rolle spielen könnte.

Sie glauben daher eher, dass sie mit ihrer Forschung zum ersten Mal den physiologischen Einfluss messen konnten, den das Umarmen von und auf Kinder hat.

Sie hoffen, dass ihre Arbeit dazu beitragen wird, das Wissen über die Eltern-Kind-Bindung und die Kinderpsychologie zu verbessern.

„Auch wenn Säuglinge nicht sprechen können, erkennen sie ihre Eltern spätestens nach vier Monaten durch verschiedene Methoden der Erziehung, darunter Umarmungen“, fügt Yoshida hinzu.

„Wir hoffen, dass das Wissen, wie sich das Baby fühlt, wenn es umarmt wird, dazu beitragen kann, die physische und psychische Arbeitsbelastung bei der Betreuung von Kleinkindern, die zu jung zum Sprechen sind, zu verringern".

Marie Claire Dorking