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Die Volkswagen-Strategie ist spektakulär, doch 2 Sorgen bleiben

Ralf Anders, Motley Fool beitragender Investmentanalyst
·Lesedauer: 4 Min.
Volkswagen und Jogi Löw
Volkswagen und Jogi Löw

Volkswagen (WKN: 766403) hat nicht vor, Marktanteile an Tesla (WKN: A1CX3T) abzugeben. Das ist beim Analystentag vom 16. März deutlich geworden. Doch so aufregend die Strategie auch wirkt, ergeben sich daraus zwei Fragezeichen, die wir als Anleger im Auge behalten sollten.

Wie bestellt: Die neue Strategie von Volkswagen

Wenn ich in der Vergangenheit über Tesla schrieb, dann überwogen meistens die Bedenken und der Rat, die Finger von diesem risikoreichen Investment zu lassen. Auch wenn die Geschichte noch nicht zu Ende erzählt ist, lag ich damit aus heutiger Sicht krachend falsch. Es gibt jedoch auch Lichtblicke, z. B. als ich im November 2018 folgende Überlegung anstellte:

Jedes neue Elektromodell wird als Alternative zu einem der Modelle der Kalifornier dargestellt. Tesla ist in Korb 1 und alle anderen in Korb 2. Wer ein E-Auto kaufen will, der steht vor der Entscheidung für oder gegen Tesla. Fans der Marke hinterlegen bereitwillig ihre Anzahlung, warten geduldig auf die Auslieferung und sehen großzügig über etwaige Schwächen hinweg.

Diejenigen, die sich woanders umschauen, werden hingegen in den meisten Fällen umfangreiche Recherchen durchführen, um das tatsächlich beste Angebot für sich auszuwählen. Wo es kurzfristig nur eine Handvoll Alternativen gibt, wird es schon in zwei bis drei Jahren viele Dutzend geben, die sich gegenseitig das Leben schwermachen. „Teile und herrsche“ könnte dann das Motto des Champions Tesla heißen.

Im August 2019 schloss ich daran mit folgendem Gedanken an:

Wer den Pionier schlagen will, der muss mit aller Gewalt vorbeipreschen.

Bereits damals zeichnete sich ab, dass Volkswagen genau das vorhatte, genauso wie Folgendes: Dass Volkswagen vom Autobauer zu einem immer mehr digital getriebenen Energie- und Mobilitätskonzern werden würde.

Ganz ähnlich wie in meiner VW-Roadmap 2028 von Dezember 2018 skizziert, will Volkswagen nun globale Plattformen für Software, Energie und Mobility aufbauen und dabei markenübergreifend Synergien schöpfen.

Kurzum: Ich bin sehr zufrieden damit, wie Volkswagen sich über die letzten drei Jahre strategisch weiterentwickelt hat. Es ist alles angerichtet, um den Markt anzuführen und über zukunftsweisende Geschäftsaktivitäten zu expandieren. Doch zwei Dinge könnten dem Ganzen noch einen Strich durch die Rechnung machen.

Sorge Nr. 1: Wie reagiert Tesla auf Volkswagen?

Volkswagen versus Tesla, das ist ein Duell, das mich an Microsoft versus Google vor vielleicht 15 Jahren erinnert. Die beiden Software-Konzerne standen damals vor der Wahl, einen verbissenen Wettbewerb oder aber eine weitgehend friedliche Koexistenz zu führen.

Google war dabei, Microsoft das lukrative Office-Geschäft zu entreißen, und drängte mit Chrome OS auf den Desktop-Computer, während Microsoft im Gegenzug mit Bing den Goldesel Suchmaschine bedrohte und einen letzten Versuch vortäuschte, bei mobilen Betriebssystemen einzugreifen.

Letztlich hat man sich aber offenbar geeinigt, dass jeder seine monopolartigen Kernplattformen ausbauen kann. Dieses Raumlassen hat aus meiner Sicht zur Entwicklung der heutigen Billionen-Monster entscheidend beigetragen.

Doch wie schaut es bei Volkswagen und Tesla aus? Volkswagens Offensive wirkt dermaßen umfassend, dass die Konkurrenten vor die Wahl gestellt sind: ausweichen oder gegenhalten.

Die verbleibenden Nischen sind jedoch angesichts des massiven Leistungsspektrums von Volkswagen möglicherweise zu klein, um für etablierte Konkurrenten oder gar Tesla attraktiv zu sein. Das kommt eigentlich nur für chinesische Spieler oder Start-ups infrage, vielleicht auch für Luxusmarken wie Mercedes. Tesla hingegen wird sich nicht zur Seite schieben lassen.

Die Folge könnte eine Materialschlacht sein, die massive Margeneinbußen nach sich zieht. Dann wird Tesla wieder viele Milliarden von seinen treuen Aktionären einsammeln und eine Serie an zermürbenden Projekten anstoßen.

Sorge Nr. 2: Was, wenn Toyota doch recht hat?

Eine andere Sache betrifft sowohl Tesla als auch VW: Toyota (WKN: 853510), der aktuelle Weltmarktführer nach Fahrzeugabsatz, fährt eine völlig andere Strategie. Obwohl die Japaner mittlerweile mit reinen Elektromodellen am Start sind, wirkt das weit entfernt von einer Elektrooffensive. Vielmehr will das Management weiterhin auf der starken Position bei der Hybridtechnik aufbauen.

Auf lange Sicht soll die Brennstoffzelle eine immer wichtiger Rolle spielen. Gelingt es dem Konzern als Erstes, diese in die Massenfertigung zu überführen, dann könnte Toyota einen riesigen Wettbewerbsvorteil erlangen.

Noch ist zwar nicht absehbar, wie eine weltweite Infrastruktur entstehen soll, die an den Bedarf von Brennstoffzellen angepasst ist. Doch bei der Wasserstoffwirtschaft kommt derzeit einiges ins Rollen und Toyota hat die Ressourcen, um gemeinsam mit Partnern etwas Großartiges auf die Beine zu stellen.

Volkswagen und Tesla wollen hingegen im Moment nicht viel mit der Technologie zu tun haben, auch wenn die Entwicklung bei Audis Fuel Cell Competence Center in Neckarsulm auf Sparflamme voranschreitet.

Toyota kommt aus dem Land, das die Lithiumbatterie erfunden und groß gemacht hat. Wenn deren Experten sagen, dass die Brennstoffzelle auf lange Sicht die bessere Lösung ist, dann sollte man das aus meiner Sicht nicht ignorieren. Hat Toyota recht, dann müsste Volkswagen früher oder später nachziehen und wäre erneut im Hintertreffen.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. Suzanne Frey arbeitet als Führungskraft bei Alphabet und sitzt im Board of Directors von The Motley Fool. Teresa Kersten arbeitet für LinkedIn und sitzt im Board of Directors von The Motley Fool. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Alphabet (A- & C-Aktien), Microsoft und Tesla.

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