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Volkswagen startet Batterie-Recycling in Salzgitter

Menzel, Stefan Witsch, Kathrin
·Lesedauer: 4 Min.

Rohstoffe für Lithium-Ionen-Batterien sind begehrt. Mit einer neuen Anlage will VW Bestandteile wie Lithium, Nickel und Kobalt künftig recyceln.

Ein MEB-Batteriesystem von Volkswagen im Werk Salzgitter: Der VW-Konzern hat dort mit der Produktion eigener Batteriezellen für Elektroautos begonnen. Jetzt startet dort auch das Recycling der Batterien. Foto: dpa
Ein MEB-Batteriesystem von Volkswagen im Werk Salzgitter: Der VW-Konzern hat dort mit der Produktion eigener Batteriezellen für Elektroautos begonnen. Jetzt startet dort auch das Recycling der Batterien. Foto: dpa

Sechs Millionen Euro an Investitionen sind für einen Weltkonzern nicht besonders viel, gerade einmal vier Arbeitsplätze entstehen pro Schicht. Normalerweise würde sich beim Autoriesen Volkswagen kaum jemand für solch einen vergleichsweise kleinen Vorgang interessieren. Doch mit der neuen Pilotanlage für Recycling in Salzgitter, die VW am Freitag in Betrieb genommen hat, ist das anders. Im bisherigen Motorenwerk startet VW mit der ersten konzerneigenen Pilotanlage für das Recycling von Hochvolt-Batterien aus Elektroautos.

„Wir wollen damit einen geschlossenen Kreislauf bilden“, sagte VW-Komponentenvorstand Thomas Schmall zur Eröffnung. Mit der Pilotanlage wagt Volkswagen den ersten Schritt in das Batterie-Recycling. Später sollen in Salzgitter und an anderen Standorten viel größere Anlagen entstehen.

Nicht nur Volkswagen, sondern alle Autokonzerne sind politisch unter Druck, weil sie Klima- und Umweltschutzvorgaben erfüllen müssen. Elektroautos sind zwar der große Hoffnungsträger. Doch die Herstellung der Hochvolt-Batterien ist gleichermaßen mit der Belastung der Umwelt verbunden. Zudem müssen dafür hochwertige Rohstoffe aufwendig gewonnen werden.

Volkswagen sieht in dem Recycling alter Hochvolt-Batterien einen wesentlichen Beitrag darin, die Umweltbelastung zu mindern. „Mit dem Recycling eines Batteriesystems sparen wir eine Tonne Kohlendioxid ein“, sagte Mark Möller, Leiter des Geschäftsbereichs Technische Entwicklung bei der Volkswagen-Komponente.

Die Wiederverwendung der Batterien soll noch anderen öffentlichen Druck von den Autoherstellern nehmen. Zu den wichtigsten verwendeten Rohstoffen gehört Kobalt. Das Metall wird zu einem großen Teil im Kongo gewonnen, mitunter unter fragwürdigen Arbeitsbedingungen für die Minenarbeiter. Außerdem gibt es regelmäßig Berichte über Kinderarbeit. Gelingt es den Autoherstellern, einen nahezu geschlossenen Kreislauf mit recyceltem Kobalt aufzubauen, hätten sie die Kritik schnell entkräftet.

Bis zu 90 Prozent der Batterie lassen sich wiederverwerten

Mit den aktuellen Recycling-Verfahren kommt Volkswagen auf eine Wiederverwertungsquote von etwa 70 Prozent. Außer Kobalt gehören Lithium, Nickel, Aluminium, Mangan und Grafit zu den verwendeten Rohstoffen. Im weiteren Ausbau der Recyclinganlage sollen daraus mehr als 90 Prozent werden. Der VW-Konzern kalkuliert damit, dass ein echter Markt für wiederverwertetes Batteriematerial entsteht. Das Recycling könnte dann auch aus wirtschaftlicher Sicht zu einem Erfolg werden.

Doch es wird dauern, bis ein solcher Markt entsteht. In der neuen VW-Pilotanlage in Salzgitter können pro Jahr gerade einmal 3600 Batterien verarbeitet werden. Zum Vergleich: Weltweit hat der Volkswagen-Konzern im vergangenen Jahr rund 230.000 vollelektrische Pkws verkauft, 2021 sollen es etwa 800.000 werden.

Die Batterien der jetzt auf den Markt gebrachten E-Fahrzeuge werden allerdings erst zum Ende des Jahrzehnts in einer Recycling-Anlage wie in Salzgitter auftauchen. Die meisten Autohersteller kalkulieren mit einem vergleichsweise langen Lebenszyklus ihrer neuen Elektroautos. So gibt etwa Volkswagen acht Jahre Garantie (oder 160.000 Kilometer Fahrleistung) auf seine Batterien. Aktuell sollen in Salzgitter Batterien aus Test- und Unfallwagen verarbeitet werden.

Ein echtes Geschäft dürfte das Recycling also erst zum Ende des laufenden Jahrzehnts werden. Nicht nur Autohersteller wie Volkswagen engagieren sich auf diesem Feld. Große Rohstoffkonzerne wie Umicore sehen auch ihre Chancen darin. BASF stellt die in den Autobatterien verwendeten Kathoden her und interessiert sich ebenfalls für deren Wiederverwendung.

2030 soll Batterierecycling zum Geschäftsmodell werden

Experten von Bloomberg New Energy Finance (BNEF) rechnen damit, dass im Jahr 2030 weltweit jährlich etwa 26 Millionen Elektro-Pkws verkauft werden. Das wäre eine ausreichend große Zahl, um das Batterie-Recycling wirtschaftlich zu betreiben. 1,7 Millionen Kubikmeter an recyclingfähigem Batteriematerial falle dann an, so die BNEF-Experten weiter.

Noch gibt es keinen Plan, wie ein umfassendes Verwertungssystem aussehen könnte. Voraussetzung ist eine flächendeckende Infrastruktur, die es bislang noch nicht einmal ansatzweise gibt. Für eine Wiederverwertung wirkt sich zudem problematisch aus, dass jeder Autohersteller seine eigenen Batterien verwendet. Eine Vereinheitlichung auf wenige Batterieformate über alle Hersteller hinweg würde das Recycling wesentlich vereinfachen.

Im Dezember hat die EU-Kommission erstmals verpflichtende Nachhaltigkeitskriterien ausgearbeitet. So müssen von 2026 an 90 Prozent des verwendeten Kobalts, Nickels und Kupfers recycelt werden sowie 35 Prozent des verwendeten Lithiums. 2030 erhöhen sich die Zahlen auf 95 Prozent bei Kobalt, Nickel und Kupfer sowie auf 70 Prozent bei Lithium. Mit einem „Batterie-Pass“ soll sichergestellt werden, dass Batterien und Rohstoffe rückverfolgbar sind und recycelt werden. Dadurch könnte auch die Abhängigkeit von Ländern mit Seltenen Erden reduziert werden, die in den Batterien ebenfalls zum Einsatz kommen.