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Volksbanken stunden 5,4 Milliarden Euro an Kreditzahlungen

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Die Genossenschaftsbanken rechnen mit bis zu 30 Prozent mehr Unternehmensinsolvenzen. Sie sehen sich trotzdem gut gewappnet für die Folgen der Krise.

35.000 Konten sind bei den Volks-und Raiffeisenbanken von den Kreditstundungen betroffen. Foto: dpa
35.000 Konten sind bei den Volks-und Raiffeisenbanken von den Kreditstundungen betroffen. Foto: dpa

Die deutschen Genossenschaftsbanken haben Ende Dezember angesichts der Coronakrise rund 5,4 Milliarden Euro an Kreditzahlungen von Kunden gestundet. Das teilte der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) am Dienstag mit. Er rechnet zudem mit einem starken Anstieg der Insolvenzen.

Die Stundungen machen weniger als ein Prozent des gesamten Kreditvolumens bei Genossenschaftsbanken aus. Betroffen sind davon laut BVR rund 35.000 Konten. Die Kreditbestände seien aber zu 96 Prozent mit „werthaltigen Immobilien“ besichert.

Somit ist die Zahl der Stundungen im Jahresverlauf deutlich gesunken. Im Sommer hatten die rund 800 Genossenschaftsbanken in fast 100.000 Fällen Rückzahlungen gestundet, im Herbst waren es noch rund 50.000. Das ist ein Zeichen dafür, dass viele Verbraucher und Unternehmen Stundung nur vorbeugend in Anspruch genommen haben, also um sich gegen mögliche Liquiditätsengpässe zu wappnen, oder nur kurze Zeit Liquiditätsengpässe hatten.

Das bedeutet allerdings keineswegs Entwarnung. Die deutschen Banken müssen mit heftigen Folgen durch die Coronakrise rechnen, weil viele Unternehmen angesichts des anhaltenden Lockdowns vor immer größeren Problemen stehen.

BVR-Präsidentin Marija Kolak erklärte: „In unseren Schätzungen gehen wir davon aus, dass die Zahl der Unternehmensinsolvenzen 2021 in Deutschland um 20 bis 30 Prozent steigen könnte, auch wenn sich dies in den Bilanzen unserer Banken zum Jahresende kaum zeigt.“

Verbandschefin verweist auf Puffer durch hohes Eigenkapital

Laut einer im Dezember veröffentlichten Umfrage des ZEW Mannheim erwarten Finanzmarktexperten wegen der Coronakrise einen Anstieg der Kreditausfälle, von denen Volksbanken und Sparkassen mehr betroffen seien als Großbanken. Zu einem ähnlichen Ergebnis war auch schon das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle im Sommer gekommen. Gerade lokale Institute hätten ihr Geld an die schwer von der Pandemie getroffenen Branchen Einzelhandel und Gastgewerbe verliehen.

Volksbanken und Sparkassen verweisen seit Ausbruch der Krise darauf, dass sie mit höherer Risikovorsorge rechnen. Sie sehen sich aber gut gewappnet. „Bei der Unterstützung unserer Kunden mit Krediten sehen wir die Risiken weiterhin als gut beherrschbar an“, sagte Kolak. „Die Genossenschaftsbanken besitzen dank ihres Geschäftsmodells und ihrer guten Eigenkapitalausstattung die nötige Resilienz, um die Coronakrise zu bewältigen.“ Der BVR vertritt die rund 800 Volks- und Raiffeisenbanken, die Sparda-Banken und PSD Banken sowie einige genossenschaftliche Spezialinstitute.

BVR-Vorstandsmitglied Gerhard Hofmann hatte Anfang Dezember sogar gewarnt: Es dürfe nicht der Eindruck vermittelt werden, die nächste systemische Krise des Banken- beziehungsweise des Finanzsektors stehe unmittelbar bevor.

Zudem zeigte auch ein Covid-Stresstest der Aufsichtsbehörden Bafin und Bundesbank für kleinere Banken, dass diese Institute „auch bei einem schweren Einbruch des Bruttoinlandsprodukts im Durchschnitt ausreichend kapitalisiert“ seien.

Wie schon in den Vorjahren steigerten die Genossenschaftsbanken auch während der Coronakrise ihren Kreditbestand deutlich. Das Kreditvolumen stieg, inklusive der Corona-Hilfskredite der Staatsbank KfW und anderer Förderbanken, um gut 30 Milliarden Euro auf 663 Milliarden Euro per Ende 2020. Das entspricht einem Plus von sechs Prozent. Auch im Jahr zuvor war der Kreditbestand um sechs Prozent gestiegen.