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Ein Volks- als Schlafwagen: Wie die Vorausdenker aus Wolfsburg eure Reisen der Zukunft gestalten wollen

Neue VW-Studie „Gen. Travel“: Reise-Mobil für Geschäftsleute, Freizeitsportler und Langschläfer. - Copyright: VW
Neue VW-Studie „Gen. Travel“: Reise-Mobil für Geschäftsleute, Freizeitsportler und Langschläfer. - Copyright: VW

Reisen bildet. Etwa in der Kunst des Wartens.

Die Bahn kommt – nur leider häufig erheblich zu spät. Bei Kurzstreckenflügen ziehen sich das Anstehen vor der Sicherheitskontrolle nebst dem Ausladen des Gepäcks addiert oft länger hin als die Zeit in der Luft. Stop-and-go auf der Autobahn bis hin zum schnöden Absitzen kilometerlanger Staus wiederum strapazieren Mensch und Maschine. Von den unnötigen CO2-Emissionen ganz zu schweigen.

Derlei Ärgernisse hatten die Tüftler der Volkswagen Group Innovation im Sinn, als sie „Gen. Travel“ konzipierten. Der rein elektrisch angetriebene und vollautonom (Fachbegriff: Level 5) fahrende Prototyp der Wolfsburger Konzernforschung soll einen Ausblick geben auf Optionen individueller Mobilität in den 30er- und 40-er Jahren.

Am 24. September stellt VW die in vielen Details überraschend gestaltete PKW-Studie beim Lifestyle-Event Chantilly Arts & Elegance in der Nähe der französischen Hauptstadt Paris der breiten Öffentlichkeit vor.

Fahrerloses Vergnügen: Der Stromer in spe bietet Level-5-Technologie und fährt somit vollautonom.  - Copyright: VW
Fahrerloses Vergnügen: Der Stromer in spe bietet Level-5-Technologie und fährt somit vollautonom. - Copyright: VW

Business Insider konnte vorab mit zwei „Gen. Travel“-Machern sprechen: Klaus Zyciora, Leiter Volkswagen Konzern Design, und Peter Wouda, Design Director am Volkswagen Group Future Center Europe in Potsdam.

Zwar ist noch gar nicht entschieden, ob es das „innovative Langstreckenmobil“ (Zyciora) auf lange Sicht in die Serienproduktion schafft. Und sofern VW diese je beschließt, wäre unter anderem noch zu klären, unter welcher Konzernmarke – vielleicht Audi, Bentley oder Porsche – der „formal zwischen einer Limousine und einem Multi Purpose Verhicle positionierte Zweitürer“ (Wouda) wohl am besten zu vermarkten wäre.

Schon jetzt allerdings ist klar, dass das VW-Konzept potenziell auf eine rundum anspruchsvolle Premiumkundschaft abzielt. Eine verwöhnte „Generation Reisen“ eben, wofür die merkwürdig hochtrabende Modellbezeichnung aus Niedersachsen steht.

Das zeigt sich schon beim Blick auf die Bestuhlung des „Gen. Travel“. Dessen Innenraum nämlich ist durchgängig modular aufgebaut und lässt sich somit ganz nach tagesaktuellem Bedarf einrichten. Es steht eine Geschäftsreise an, mehrere Teilnehmer wollen die Zeit für Teamarbeit nutzen? Dann bietet das sogenannte Konferenz-Setup „mit vier bequemen Sesseln und einem großen Tisch in der Mitte des Innenraums ein entspanntes Umfeld“, so VW.

Ausladende Flügelportale: „Wir haben auch Schiebetüren geprüft“, sagt der Designchef, „aber die gehören eher an Straßenbahnen als an Premium-Pkw“. - Copyright: VW
Ausladende Flügelportale: „Wir haben auch Schiebetüren geprüft“, sagt der Designchef, „aber die gehören eher an Straßenbahnen als an Premium-Pkw“. - Copyright: VW

Nur zwei Nutzer möchten am Wochenende endlich mal wieder auf ihren Mountainbikes trainieren? Kurzerhand fliegen einfach zwei Modulsitze aus dem „Gen. Travel“, um Platz für die Fahrräder und deren Halterungen zu schaffen.

Der Clou jedoch ist fraglos die Eignung des künftigen Volks- als Schlafwagen: Im „Overnight-Setup“ nämlich mutieren zwei „Gen. Travel“-Sitze zu einem Betten-Doppel mit allem Drum und Dran.

Der Komfort geht bis hin zu einer diskret eingetrübten Glastrennwand, die sich auf Wunsch aus der Mittelkonsole erhebt. Obendrein entsteht durch den Verzicht auf Lenkrad und Pedale im Level-5-Vehikel ein besonders großzügiger Ruheraum für Beine und Füße des links (beziehungsweise unter anderem auf Zielmärkten wie Großbritannien, Japan, Australien mit ihrer gespiegelten Verkehrsführung rechts) reisenden „Gen. Travel“-Hauptusers.

„Sicheres Schlafen im Auto zu ermöglichen“, sagt Chefdesigner Zyciora, „das zählt zu den schwierigsten Aufgaben für Forscher und Ingenieure überhaupt“. Denn wichtige – bei einem Crash sogar überlebenswichtige – medizinische Anforderungen sind bei dieser „artgerechten Bodenhaltung von Menschen“ strikt zu beachten.

Im Falle eines Unfalls soll daher ein ausgetüfteltes „Insassenrückhaltesystem“ (VW) aus speziellen Airbags und passgenauem Gurtgeflecht die in Liegeposition befindlichen „Gen. Traveller“ schützen.

Reduziertes Interieur: Statt mehrerer Bildschirme liefert die kleine „Luna“-Assistenz alle wesentlichen Informationen. - Copyright: VW
Reduziertes Interieur: Statt mehrerer Bildschirme liefert die kleine „Luna“-Assistenz alle wesentlichen Informationen. - Copyright: VW

Gegen Reisekrankheit, ein weitverbreitetes und buchstäblich übles Phänomen, sollen „dynamische Lichtquellen“ helfen. Dazu nennt VW noch keine konkreten technischen Details, verspricht jedoch: „Das Lichtsystem des Gen. Travel beeinflusst die Melatoninausschüttung und hilft den Passagieren so, natürlich einzuschlafen und aufzuwachen“.

Dass der Wohlfühlfaktor ganz weit oben steht auf der Agenda von Zyciora, Wouda & Co., zeigt sich an weiteren Besonderheiten des auch für Mobility-as-a-Service-Geschäfte, also etwa den Einsatz bei Autovermietern und Firmenflotten gedachten „Gen. Travel“.

So erleichtern die großflächigen Flügeltüren nicht nur in engen Parklücken das Ein- und Aussteigen. Bei schlechtem Wetter wirken die geöffneten Portale zudem „wie riesige Regenschirme“, sagt Zyciora – als gebürtiger Hamburger mit feuchter Witterung durchaus vertraut. Auf die derzeit in vielen PKW verbreitete Fülle von Displays, Touchpads, allerlei Dreh- und Drückknöpfen haben VWs Vorausdenker in ihrer Designstudie bewusst verzichtet. „Digital Detox“ nennt Peter Wouda diesen Abspeck-Ansatz augenzwinkernd.

Doch da ist ja noch „Luna“, die persönliche Assistenz von übermorgen. Die wie der Mond (lateinisch: Luna) rundlich geformte Technik-Einheit reagiert auf Sprachbefehle, hält jederzeit zentrale Reiseinformationen bereit, setzt optisch einen Reizpunkt.

„Form follows freedom“: Nach dieser Maxime hat VW das Design des Zukunftmobils auf größtmögliches Platzangebot getrimmt. - Copyright: VW
„Form follows freedom“: Nach dieser Maxime hat VW das Design des Zukunftmobils auf größtmögliches Platzangebot getrimmt. - Copyright: VW

Und wie der Erdtrabant am Himmel zieht VWs kompakte Hightech-Kugel hinter der steil stehenden Windschutzscheibe still und langsam ihre Bahn.

Ein denkbares Beispiel zur Veranschaulichung: Bei der abendlichen Abfahrt aus Berlin um 22.00 Uhr steht „Luna“ links an der A-Säule. 500 Kilometer weiter, im Raum Düsseldorf, ist der Assistent schon weit über die Hälfte des Cockpits gewandert.

Nach rund 800 Kilometern schließlich, am Zielort Brüssel, steht „Luna“ ganz rechts – und das eben noch schlummernde Passagier-Duo um 06.00 Uhr ausgeschlafen auf.

„Mit dem Gen. Travel wird heute schon erlebbar“, resümiert Nikolai Ardey, Leiter Volkswagen Group Innovation, „was in naher Zukunft mit innovativer Technologie möglich sein wird.“ Mehr denn je wird Reisen dann bilden. Etwa rund um die Frage, wo die Schläfer frühmorgens in Belgien wohl eine Duschkabine finden. Doch, wer weiß: Vielleicht denkt VW insgeheim längst schon viel weiter voraus – an die „Gen. Shower“.