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VIRUS: Siemens sieht sich für Krise gerüstet - Energy-Abspaltung läuft weiter

MÜNCHEN (dpa-AFX) - Der Technologiekonzern Siemens <DE0007236101> fährt im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie auf Sicht. Diese sei aber derzeit "nicht sehr weit", sagte Siemens-Chef Joe Kaeser am Freitag in einer Telefonkonferenz. Auch an Siemens würden die Auswirkungen zumindest kurzfristig nicht vorübergehen. Umsatz und Ergebnis dürften im zweiten Quartal belastet werden, sagte er vor allem mit Blick auf die zyklischen Geschäfte, wie etwa Maschinenbau oder Autoindustrie. Hier hatte Siemens bereits in den vergangenen Quartalen wegen eines Nachfragerückgangs schwächere Geschäfte verzeichnet.

So bestellten die Kunden weniger. Derzeit seien jedoch alle Werke bis auf zwei kleinere offen. Auch die Lieferketten funktionierten noch, sagte Kaeser. Der Konzern habe aktuell 57 Corona-Fälle, davon 41 in Deutschland. Insgesamt zeigte sich Kaeser zuversichtlich, "gut und robust" durch die Pandemie zu kommen. Siemens sei "ein starkes Unternehmen mit einer hohen Liquidität". Man steuere derzeit durch die "größte Krise in Friedenszeiten" und "das machen wir gerade ganz erfolgreich". Die wie andere Papiere wegen der Corona-Krise arg gebeutelte Aktie konnte sich am Freitagvormittag erholen und stieg um gut 9 Prozent.

Die Vorbereitungen für die Abspaltung und die Börsennotierung von Siemens Energy liegen dabei im Zeitplan. Ende September soll das neue Unternehmen, das das Energiegeschäft von Siemens sowie die Beteiligung an dem Windanlagenbauer Siemens Gamesa <ES0143416115> enthält, an die Börse gehen. Voraussetzung dafür ist jedoch die Zustimmung der Aktionäre, die in einer außerordentlichen Hauptversammlung am 9. Juli darüber abstimmen müssen. Stand heute geht Kaeser davon aus, dass die Hauptversammlung stattfinden kann. So sei noch ein bisschen Zeit bis dahin. Jedoch müsse man abwarten.

Siemens strebt dabei weiter an, die Beteiligung auf einen Minderheitsanteil zu senken. Wie hoch die anfangs ausfallen werde, sei jedoch noch offen, sagte Kaeser.

Am Vorabend hatte der Konzern einen weitreichenden Managementwechsel bekanntgegeben. So sollen überraschend Michael Sen und Klaus Patzak doch nicht Vorstandsvorsitzender und Finanzchef bei dem neuen Unternehmen werden. Sie werden Siemens ganz verlassen.

Aus dem Unternehmensumfeld war am Vortag vernommen worden, dass Sen gescheitert sei - wohl an unterschiedlichen Vorstellungen zum Geschäftsmodell im Vergleich zum Konzernvorstand. Sen habe unter anderem schneller mehr Eigenständigkeit für Energy gewollt, hieß es dazu von anderer Stelle. Es habe von seiner Seite aus keine Meinungsverschiedenheit mit Sen gegeben, erklärte Kaeser.

Zudem soll der Wechsel an der Vorstandsspitze des Siemens-Konzerns spätestens zur Hauptversammlung Anfang Februar 2021 vollzogen werden. Kaeser wird sukzessive an seinen Stellvertreter Roland Busch übergeben. Damit fiel die Entscheidung über den Führungswechsel etwas früher als geplant. Ursprünglich hatte der Aufsichtsrat erst im Sommer die Frage klären wollen.

Kaeser soll als Aufsichtsratschef von Siemens Energy vorgeschlagen werden. Auf die Frage, ob er nach der obligatorischen Abkühlungsperiode von zwei Jahren auch Aufsichtsratschef der Siemens AG werden wolle, sagte er mit Blick auf den aktuellen Vorsitzenden Jim Hagemann Snabe, Siemens habe einen "hervorragenden" Aufsichtsratsvorsitzenden.