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VIRUS/ROUNDUP: 'Letzter Appell an die Vernunft' - Medien-Echo zur Merkel-Rede

BERLIN (dpa-AFX) - Die Fernsehansprache von Bundeskanzlerin Angela Merkel zur Corona-Krise findet in den Kommentaren deutscher Medien ein breites Echo. Eine Auswahl von Pressestimmen vom Donnerstag:

Das "Westfalen-Blatt" (Bielefeld): "Diese Rede an die Nation hat es in sich. In einem beispiellosen Akt versucht die Bundeskanzlerin den schier unmöglichen Spagat zwischen Zuspruch und letzter Warnung, zwischen Lob und unmissverständlichem Tadel. Angela Merkel nimmt dabei das ganze Land wie jeden Einzelnen in die Pflicht: "Niemand ist verzichtbar. Es kommt auf jeden an!""

Die "Rhein-Zeitung" (Koblenz): "Angela Merkels Ansprache an die Nation ist ein dringender und vermutlich ein letzter Appell an die Vernunft. Der nächste Schritt wäre unvermeidlich eine Ausgangssperre. Merkel stellt klar: Es ist ernst. Die Bürgerinnen und Bürger sollen und müssen verstehen, dass diese Zeiten außerhalb der Normalität sind. Nichts ist, wie es war."

Die "Hessische Niedersächsische Allgemeine" (Kassel): "Dass sich Bundeskanzlerin Angela Merkel, die stets besonnen und ohne viel Pathos auftritt, gestern Abend mit einer Fernsehansprache an uns Bürger wandte, ist ein klares Signal. Es ist nichts mehr normal, es gibt kein Weiter-so-wie-bisher. (...) Es grenzt an ein Wunder, wenn nicht schon bald in ganz Deutschland eine Ausgangssperre verhängt werden muss. Deshalb: Abstand halten und zuhause bleiben."

Die "Nürnberger Nachrichten": ""Es ist ernst. Nehmen Sie es auch ernst": Das waren die Schlüsselsätze aus Angela Merkels Rede an die Nation. Ein vielleicht letzter, im Ton beschwörender bis flehentlicher Appell an die Vernunft der Menschen in Deutschland: Reißt Euch zusammen, auch wenn es schwerfällt - so lässt sich zusammenfassen, was die Kanzlerin anmahnt."

Die "Frankenpost" (Hof): "Es kommt jetzt auf jeden Einzelnen an, die Vorgaben von Politik und Wissenschaft umzusetzen. Ermutigend wäre es, dies gelänge ohne Zwangsmaßnahmen. Andernfalls werden sie nicht mehr lang auf sich warten lassen. (...) Zeigen wir der Welt, dass wir so frei sein können, uns selbst zu beschränken!"

Die "Ludwigsburger Kreiszeitung": "Es wäre ein Wunder, wenn Deutschland angesichts der bisherigen Leichtfertigkeit eines Teils seiner Bevölkerung um den großen Hammer herumkäme, der in Europa schon über Italien, Frankreich, Österreich und Spanien niedergegangen ist: Ausgangssperre. Der totale Shutdown. Merkels Rede ist so etwas wie eine letzte Warnung. Jetzt ist wirklich Disziplin gefragt. Von allen."

Die "Schwäbische Zeitung" (Ravensburg): "Noch versucht es die Regierungschefin mit einem Mahnruf an die Vernunft und an die Intelligenz. Sollte dieser verpuffen, wird die Bewegungsfreiheit noch deutlicher eingeschränkt, was wiederum die Volkswirtschaft noch härter treffen dürfte. Die Neunmalklugen, die einem vermeintlichen Mainstream nicht vertrauen wollen, wittern Verschwörung hier und dort. Kanzlerin Merkel hat auch hier die richtigen Worte gefunden."

Die "Rheinpfalz" (Ludwigshafen): "Schon allein die Tatsache, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel sich in einem bislang einmaligen Akt - von den Neujahrsansprachen abgesehen - per Fernsehen direkt ans Volk wendet, zeigt: Die Lage ist ernst, sehr ernst. (...) Es geht in den nächsten Tagen und Wochen um nichts weniger als den Fortbestand des gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Systems, wie wir es kennen."

Der "Münchner Merkur": "Trumps Amerika hat die Corona-Krise, man muss es leider so hart sagen, wochenlang verpennt. (...) Auch Deutschland muss lernen, dass ungewöhnliche Zeiten ungewöhnliche Maßnahmen erfordern. Die Kanzlerin hat Recht: Unser Land steht vor der größten Herausforderung seit dem Krieg. Jetzt muss sie aber auch entsprechend handeln."

Die "Südwest Presse" (Ulm): "Den Fehler des 2015 ausgerufenen "Wir schaffen das" auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise hat Merkel nicht wiederholt. Dieses Mal benannte sie, was ein Sieg über das Virus uns kosten wird: weitere Menschenleben, die Veränderung unseres Alltags, dramatische Verluste in der Wirtschaft: "Es ist ernst.""

Die "Rhein-Neckar-Zeitung" (Heidelberg): "Angela Merkel packte am Mittwoch zumindest rhetorisch die Bazooka aus. Denn mehr Versprechen

- kein Arbeitsplatz, kein Unternehmen soll verloren gehen - ist

unmöglich. Und die Mahnung an die Bürger, sich doch gefälligst an Abstands-, Anstands- und Hygiene-Regeln zu halten, überträgt die Verantwortung genau an die richtige Adresse: Etwas Verzicht über ein paar Wochen hinweg rettet Menschenleben und den eigenen Job. Ist das zuviel verlangt?"/len/DP/mis