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VIRUS/ROUNDUP: Erste Risse am US-Arbeitsmarkt

WASHINGTON (dpa-AFX) - Am amerikanischen Arbeitsmarkt zeigen sich erste Risse infolge der Coronakrise. Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, ein Frühindikator für den Jobmarkt, ist stark gestiegen. In der vergangenen Woche gab es einen Zuwachs um 70 000 auf 281 000, wie das US-Arbeitsministerium am Donnerstag in Washington mitteilte. Analysten hatten einen viel leichteren Anstieg auf im Schnitt 220 000 Anträge erwartet.

Im Vierwochenschnitt, der als weniger anfällig für statistische Verzerrungen gilt, zeigten sich ebenfalls erste Auswirkungen der Viruskrise. In dieser Betrachtung stiegen die Erstanträge von 215 750 auf 232 250. Das ist ein ungewöhnlich deutlicher Anstieg.

Zahlen aus den Bundesstaaten deuteten auf einen beispiellosen Anstieg von Stellenstreichungen in den nächsten Wochen hin, berichteten Experten des Analysehauses Capital Economics. In Ohio seien in den letzten drei Tagen allein 80 000 neue Anträge eingegangen, in der Woche zuvor habe man dort nur insgesamt 7000 Anträge erhalten. Sollte sich dieses Muster in anderen Staaten wiederholen, so könne die Zahl der Anträge in den nächsten Wochen über eine Million steigen.

Auch Bernd Weidensteiner von der Commerzbank sieht in den bisher vorgelegten Daten nur den Anfang. Er erwarte in den nächsten Wochen extrem schwache Kennzahlen, hieß es in einer Einschätzung. Die Dynamik der Coronakrise konfrontiere die Politik mit großen Herausforderungen. "Klassische" Maßnahmen zum ankurbeln der Wirtschaft werden aus Sicht des Ökonomen nicht helfen. Um den wirtschaftlichen Schaden zu begrenzen müsse die Priorität darauf liegen, Unternehmen und Konsumenten mit Krediten über Wasser halten.