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VIRUS/ROUNDUP 4: Drastischer Anstieg der Corona-Erkrankten

(durchgehend aktualisiert)

PEKING/GENF (dpa-AFX) - Trotz drastischer Maßnahmen steigt die Zahl der Corona-Infizierten in China immer weiter an. Immer mehr Staaten - darunter Deutschland - wollen ihre Staatsbürger aus der besonders stark betroffenen Region um die 11-Millionen-Metropole Wuhan ausfliegen. In Italien sitzen rund 7000 Menschen wegen einem Verdachtsfall auf einem Kreuzfahrtschiff fest.

Die Zahl der Infizierten in China ist am Donnerstag auf 7830 gestiegen, wie das kommunistische Parteiorgan "Volkszeitung" berichtete. 170 Menschen sind an dem Virus gestorben. Der Anstieg ist rasant. Vor zwei Wochen waren erst 40 Fälle gezählt worden. Der Höhepunkt der Epidemie wird frühestens in einer Woche erwartet. Das Virus ist besonders tückisch, weil Infizierte auch schon ansteckend sind, wenn sie noch gar keine Symptome zeigen.

Die Bundesrepublik plant eine Rückholaktion für deutsche Staatsbürger. Wer mit einem Flugzeug aus Wuhan ausgeflogen werden möchte, müsse in Deutschland zwei Wochen in Quarantäne, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Nach bisherigen Schätzungen geht es um rund 90 Bundesbürger. Mitfliegen könne nur, wer symptomfrei sei. Das Flugzeug der Bundeswehr soll in Frankfurt landen. Der Rückholflug war zunächst für Samstag geplant. Sicher war das aber auch am Donnerstag noch nicht. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur lag bis zum frühen Nachmittag noch keine Genehmigung der chinesischen Seite vor.

Wo genau die Passagiere nach der Landung untergebracht werden, werde derzeit noch abgestimmt, sagte Spahn. Immer mehr Ländern fliegen ihre Staatsbürger aus der betroffenen Region aus - oder planen das. Dazugehören unter anderem Belgien, Großbritannien, Japan, Kanada und Ägypten.

Angesichts der raschen Ausbreitung des neuen Coronavirus wollte die WHO am Donnerstag erneut im Notfall-Ausschuss beraten. Bisher hatte sie davon abgesehen, eine "gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite" auszurufen.

Die vier ersten Patienten in Deutschland waren nach Angaben eines behandelnden Arztes in München hingegen symptomfrei und in gutem Zustand. Zudem gibt es hierzulande diverse Verdachtsfälle, bestätigt wurde davon noch keiner.

Die WHO hält die Maßnahmen gegen das Coronavirus in Deutschland für ausreichend. "Deutschland hat wunderbar reagiert: Ein Fall wird erkannt, die Personen werden isoliert, werden behandelt, die Kontakte werden nachverfolgt, es werden die Daten weitergegeben an die WHO", sagte Christian Lindmeier, Sprecher der Weltgesundheitsorganisation im ARD Mittagsmagazin.

Im Hafen der italienischen Stadt Civitavecchia müssen rund 7000 Menschen an Bord des Kreuzfahrtschiffes "Costa Smeralda" ausharren. Eine Touristin aus der chinesischen Sonderverwaltungszone Macao habe Symptome wie Fieber und Atemprobleme gehabt, schrieb die Nachrichtenagentur Ansa am Donnerstag. Die örtlichen Behörden ordneten an, dass die Passagiere zunächst nicht an Land gehen durften. Eine Sprecherin des Unternehmens Costa Crociere sagte, man gehe davon aus, dass auch deutsche Touristen auf dem Schiff seien.

Außerhalb der Volksrepublik sind in rund 20 Ländern etwas mehr als 100 nachgewiesene Infektionen gezählt worden. Darunter sind Thailand, Japan, Singapur, Malaysia, die USA, Finnland, Australien und Südkorea. Neu hinzu kamen am Donnerstag Indien und die Philippinen. Vielfach sind die Infizierten Reisende aus China, aber es kommt auch zu neuen Ansteckungen außerhalb des Landes.

Frankreich meldete eine weitere Infektion mit dem neuartigen Coronavirus. Bei der fünften Erkrankung im Land handele es sich um die Tochter eines erkrankten 80-jährigen Touristen aus China, teilte das Gesundheitsministerium mit. Der Zustand des 80-Jährigen sei ernst, er werde weiter in einem Pariser Krankenhaus behandelt.

In China sagten die Behörden immer mehr Veranstaltungen ab, um Ansammlungen von Menschen zu verhindern. Chinas Fußballverband CFA kündigte am Donnerstag an, die Fußball-Saison des Landes vorerst zu verschieben. So sollen die Gesundheit der Fans und Spieler geschützt werden. Russland riegelte wegen des neuartigen Coronavirus seine Grenze zu China teilweise ab.

Die Krankenhäuser in der schwer betroffenen Provinz Hubei leiden an einem Mangel an Material. Wie der Sprecher der Gesundheitskommission, Mi Feng, vor der Presse in Peking sagte, seien die Produktionskapazitäten hochgefahren worden. Auch seien Maßnahmen ergriffen worden, um den Transport nach Hubei zu beschleunigen. "Die Situation verbessert sich." Die Behörden in Wuhan bauen zwei Krankenlager in Schnellbauweise, um Patienten zentral unterzubringen. Eins soll nächste Woche fertig werden, das andere wenig später.