Deutsche Märkte geschlossen

VIRUS: Erneut dramatische Flucht in Sicherheit an den Finanzmärkten

FRANKFURT (dpa-AFX) - Die sich weiter verschärfende Corona-Krise hat am Donnerstag an den Finanzmärkten erneut eine dramatische Flucht in die Sicherheit ausgelöst. Verstärkt wurde die angespannte Lage durch die Reisebeschränkung der USA für Bürger aus Europa und die drastischen Maßnahmen in Italien. Die Aktienmärkte und die Ölpreise gingen auf Talfahrt. Gesucht waren amerikanische und deutsche Staatsanleihen und als sicher geltende Währungen.

Nach den jüngsten Verlusten sorgte in der Nacht auf Donnerstag die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, die US-Grenzen für Ausländer aus Europa zu schließen, für neuen Druck. "Wir werden alle Reisen von Europa in die USA für die nächsten 30 Tage aussetzen", sagte Trump in einer Ansprache an die Nation. Ausgenommen seien Reisende aus Großbritannien. Die Weltgesundheitsorganisation stuft die sich zusehends weltweit verbreitende Virusseuche als Pandemie ein.

Die Ankündigen trafen die Aktienmärkte besonders heftig. Schon in Asien brachen die Aktienmärkte ein. In Deutschland sackte der Dax erstmals seit dem Jahr 2016 unter die Marke von 10 000 Punkte. Die Verluste beliefen sich am Vormittag auf etwa sieben Prozent.

Unter Druck geraten sind auch die Ölpreise. Sowohl der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent und der US-Sorte WTI sanken um fast zwei Dollar. Die Reisebeschränkungen dürften die Nachfrage nach Rohöl weiter dämpfen. Zudem belastet der Preiskrieg zwischen Russland und Saudi-Arabien. Rohstoffwährungen wie der russische Rubel standen unter Druck.

Profitiert haben von der Panik an den Märkten vor allem deutsche Staatsanleihen. Die Kurse amerikanischer, deutscher und britischer Staatsanleihen legten besonders deutlich zu, die Renditen gaben zum Teil massiv nach. Die Renditen blieben aber etwas über ihren jüngst erreichten Rekordtiefs.

Ein gänzlich anderes Bild zeigte sich bei italienischen Staatsanleihen. Die Rendite zehnjähriger italienischer Anleihen stieg um 0,10 Prozentpunkte auf 1,272 Prozent. Zur Eindämmung der Corona-Pandemie hat Italien seine Sperrmaßnahmen erneut verschärft. Seit Donnerstagmorgen bleiben die meisten Geschäfte im ganzen Land geschlossen. Nur Supermärkte und Apotheken bleiben geöffnet. Die Maßnahmen dürften die sowieso schon schwächelnde italienische Wirtschaft stark belasten.

Am Devisenmarkt haben von der Zuspitzung der Situation vor allem der als sicher geltende japanische Yen und der Schweizer Franken profitiert. Der Eurokurs gab hingegen nach.

Unterdessen steht die Europäische Zentralbank (EZB) unter starkem Druck. Sie wird am frühen Nachmittag ihre Entscheidungen verkünden. "Jedoch sind ihre Instrumente nicht für einen punktuell genauen Einsatz in besonders betroffenen Regionen, Branchen und Unternehmen konzipiert", kommentierte die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). "EZB-Chefin Christine Lagarde hat dennoch das volle Spektrum der geldpolitischen Instrumente ins Gespräch gebracht."

Der Goldpreis hat sich nach den jüngsten Verlusten stabilisiert. An den vergangenen Tagen war der Preis für eine Feinunze (rund 31,1 Gramm) noch unter Druck geraten. Experten erklärten diese Verluste mit Zwangsverkäufen, die getätigt wurden, um anderweitige Verluste auszugleichen.

Das Institut für Weltwirtschaft (IfW) rechnet in Deutschland wegen der Corona-Krise mit einem "harten Konjunktureinbruch". Für das laufenden Jahr senkten die Forscher ihre Konjunkturprognose und erwarten ein Schrumpfen der deutschen Wirtschaft um 0,1 Prozent. Im ersten Halbjahr werde die deutsche Wirtschaft in eine Rezession rutschen. Eine ähnliche Entwicklung erwarten die Forscher auch für die Eurozone.