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Die Airline Flybair soll durch Crowdfunding fliegen

Weil keine Linienairline dort landen möchte, gründet der Berner Flughafen seine eigene Fluglinie. Die Inspiration dafür stammt aus Deutschland.

Eigentlich hat der Flughafen Bern alles, was ein Flughafen braucht: Ein Terminal, einen Tower und eine Landebahn. Was fehlt: Eine Airline, die dort auch landen will. Seit dem Ende der Airline Skywork im vergangenen Jahr gibt es keine Linienflüge mehr aus der Schweizer Hauptstadt.

Damit sich das ändert, greifen die Berner zu ungewöhnlichen Mitteln. Flughafenchef Urs Ryf ist sich sicher, dass es für Passagierflüge ab Bern einen Bedarf gibt. „Und da keine Airline entsprechende Flüge anbieten wollte, haben wir beschlossen, das selbst zu machen“. Per Crowdfunding haben die Berner nun rund eine Million Franken (rund 900.000 Euro) eingesammelt, um eine „virtuelle Airline“ namens Flybair zu gründen.

Im Mai soll die erste Maschine nach Mallorca starten, später sind sogar Linienflüge zu Großflughäfen geplant. Experten betrachten die Pläne mit gemischten Gefühlen. „Die breite Unterstützung zeigt, dass Flybair durchaus Chancen eingeräumt werden“, sagt Laura Frommberg vom Branchenportal Aerotelegraph. „Aber dass in Zukunft tatsächlich von Bern aus profitable Linienflüge nach London oder Amsterdam abheben, wage ich zu bezweifeln“.
Der Flughafen Bern teilt das Schicksal vieler Regionalflughäfen im Nachbarland Deutschland: es fehlen Passagiere. Das Einzugsgebiet ist überschaubar, die großen Airports in Basel, Zürich oder Genf sind per Bahn schnell erreicht. Im Sommer des vergangenen Jahres stellte die defizitäre Regionfluglinie Skywork den Betrieb ein, die Bern mit sechs Turbo-Prop-Maschinen bedient hatte.

Seitdem heben in Bern zwar Rettungsflieger, Privatflugzeuge und Regierungsmaschinen ab, aber keine Passagierjets mehr – abgesehen von einigen Charterflügen in der Ferienzeit. Doch die Berner wollen einen letzten Versuch starten, Bern als Linienflugziel zu erhalten – per Crowdfunding. Der Flughafen setzt dabei auf kreatives Marketing: Für kleinere Beträge gibt es einen Schlüsselanhänger. Ab einer halben Million dürfen Spender dem Terminal sogar einen Namen geben. Das kommt an: Nach weniger als einem Monat hat der Flughafen die angepeilte Million beisammen. Das Crowdfunding läuft weiter, zudem werden größere Investoren gesucht.

Flugzeuge aus Deutschland

Ab dem kommenden Jahr will Flybair acht Ferienziele wie Mallorca, Rhodos oder Kreta bedienen. In einem zweiten Schritt soll der beschauliche Berner Flughafen an ein europäisches Drehkreuz wie London, München oder Amsterdam angebunden werden. Die Airline soll dabei keine eigenen Flugzeuge besitzen, sondern nur die Vermarktung übernehmen. Das operative Geschäft soll die Schweizer Fluggesellschaft Lions Air abwickeln.

Die Flugzeuge stammen von der deutschen Leasingfluggesellschaft German Airways. Das soll für ein schlankes und flexibles Geschäftsmodell sorgen – so das Versprechen des Flughafens. Das Vorbild für eine solche „virtuelle Airline“ stammt aus Mannheim in Deutschland. Von dort fliegt die „Rhein-Neckar Air“ mit Turboprop-Maschinen nach Berlin, Hamburg und Sylt.

Die Flugzeuge stammen von zwei holländischen Unternehmen. Nach eigenen Angaben befördert Rhein-Neckar Air jährlich rund 35.000 Passagiere. Luftfahrt-Expertin Frommberg hält beide Projekte jedoch für schwer vergleichbar. „Die Zielgruppen und die Märkte beider Flughäfen sind sehr unterschiedlich“. So gebe es in der Schweiz – angesichts der kurzen Distanzen – praktisch keinen Bedarf für Inlandsflüge.

Und eine Paradestrecke wie in Mannheim nach Berlin, die die lokale Wirtschaft am Neckar dringend braucht, gebe es in Bern einfach nicht. So sieht Frommberg für Flybair vor allem Chancen im Charterflug-Markt bei der Zusammenarbeit mit Reiseveranstaltern. Aber auch hier gebe es mit den Fluggesellschaften Chair und Helvetic in Bern bereits Konkurrenten.

Flughafen-Chef Ryf zeigt sich dagegen optimistisch. Aus Vorjahren wisse man um die Nachfrage nach Urlaubsflügen an die angepeilten Destinationen. Zudem arbeite man mit Reiseveranstaltern zusammen, die feste Sitzplatzkontingente buchen.

„Letztlich geht es darum, gemeinsam an einem Strang zu ziehen“. Das sei auch den Crowdfundern bewusst: „Wer bei uns mitmacht, ist nicht auf die Dividende aus, sondern will seine Solidarität mit dem Berner Flughafen bekunden.“

Rund 1400 Berner haben beim Crowdfunding investiert. Selbst die Kritik von Fluglärm-Gegnern hält sich in Grenzen. Aber das sei ja auch kein Wunder, scherzt der Flughafen-Chef: „Seit dem Grounding von Skywork-Airlines ist es hier selbst für manche Flughafengegner zu ruhig geworden“.