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Virologe Drosten: „Zahl der Infizierten hat sich in drei Wochen verdoppelt“

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Die Charité warnt vor einer Zunahme der Intensivbehandlungen. Berlins Regierender Bürgermeister will einen zweiten Lockdown verhindern.

Der Virologe äußerte sich besorgt über die ansteigenden Infektionszahlen. Foto: dpa
Der Virologe äußerte sich besorgt über die ansteigenden Infektionszahlen. Foto: dpa

Angesichts der deutschlandweit ansteigenden Coronafälle haben Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller und der Virologe Christian Drosten vor den Konsequenzen gewarnt. Universitätsmediziner der Berliner Charité und des Universitätsklinikum Frankfurt bestätigten die Zunahme von Intensivbehandlungen.

Die Gesundheitsämter hatten dem Robert-Koch-Institut (RKI) am Mittwochmorgen den zweiten Tag in Folge mehr als 4000 Neuinfektionen gemeldet. Binnen 24 Stunden seien 4516 Ansteckungsfälle verzeichnet worden, teilt das RKI auf seiner Website mit.

Michael Müller (SPD) erklärte, dass man beim derzeitigen Geschehen vor allem Feiern und Ansammlungen von Personen auf engem Raum im Blick haben müsse. Das seien vor allem Feiern in geschlossenen Räumen, bei denen Personen für einen langen Zeitraum beieinander stehen und miteinander sprechen. Vor diesem Hintergrund seien auch die Sperrstunden zwischen 23 und sechs Uhr in Berlin zustande gekommen.

„Wir müssen alle miteinander einen Lockdown verhindern. Es wäre dramatisch für die Wirtschaft“, so Müller. Darüber hinaus habe es auch weitreichende soziale Folgen, sollten Personen sich erneut über einen längeren Zeitraum nicht sehen können. „Das macht etwas mit Menschen.“

In den letzten sieben Wochen habe man zwar eine deutlich höhere Testkapazität gehabt als zuvor, so Christian Drosten. Ein Grund für die vielen vorgenommenen Tests seien auch die Reiserückkehrer gewesen.

Dennoch habe man in den vergangenen drei Wochen bei gleich bleibender Testaktivität eine Verdopplung der Infektionen gehabt. Diese Entwicklung sei deutlich erkennbar.

Heyo K. Kroemer, Vorstandsvorsitzender der Berliner Charité, erklärte im Bezug auf die Versorgung in den Kliniken: In den deutschen Städten seien wieder vermehrt Aufnahmen ins Krankenhaus und Intensiv-Aufenthalte im Zusammenhang mit dem Coronavirus zu verzeichnen. Nach einer stabilen Phase im Sommer beobachte man seit zwei Wochen einen starken Anstieg der Zahlen von Corona-Erkrankten und auch Schwerkranken.

Die Entwicklung hinke um rund zwei Wochen hinter der etwa in Paris hinterher, wo Krankenhäuser wieder stark belastet seien.

„Universitätsmedizin mit in Planungen einbeziehen“

„Wir haben den Ansatz eines exponentiellen Wachstums“, so Ulrich Frei, Vorstand Krankenversorgung der Charité. Im März seien alle nicht dringenden Operationen abgesagt worden. Heute seien die Intensivstationen voll mit Patienten – den großen Spielraum wie im März habe man also nicht. Deutschland habe zwar leerstehende Intensivbetten – aber keine Pflegekräfte. Frei spricht von einem „absoluten Mangel“.

„Wir müssen eine Diskussion darüber führen, wie wir mit den anderen schwerkranken Patienten umgehen, die auf ihre Operation warten."

Jürgen Graf, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des Universitätsklinikums Frankfurt, bestätigt Freis Aussage. In Frankfurt habe sich das Infektionsgeschehen insgesamt auch verdoppelt. „Auch die Risikogruppen kommen aktuell wieder auf uns zu“, so Graf.

Es ist aus Grafs Sicht unbedingt notwendig, dass die Expertise der Universitätsmedizin in die derzeitigen Planungsabläufe mit einbezogen werde. „Es wird nur gemeinsam gehen“, so der Frankfurter Universitätsklinikum-Direktor.

Die zentrale Herausforderung bestehe in der Bereitstellung der Ressourcen, bestätigt auch er. Auch wenn die Krankheit nicht mehr als so tödlich angesehen werde, wie im Frühjahr, wisse man heute, dass eine Erkrankung langfristige und schwere Folgen haben kann.

Mit Agenturmaterial