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Viola Davis und die "Klinge der Freiheit": Das sind die Kino-Highlights der Woche

"The Woman King" erzählt von einer rein weiblichen afrikanischen Elite-Kampfeinheit im 19. Jahrhundert. In der Hauptrolle: Oscar-Preisträgerin Viola Davis (Bild). (Bild: Sony Pictures)
"The Woman King" erzählt von einer rein weiblichen afrikanischen Elite-Kampfeinheit im 19. Jahrhundert. In der Hauptrolle: Oscar-Preisträgerin Viola Davis (Bild). (Bild: Sony Pictures)

"In einem Land, das es nicht mehr gibt", "Rimini" und "The Woman King", ein afrikanisches Historien-Spektakel mit Oscar-Gewinnerin Viola Davis: Das sind die Kino-Neustarts am 6. Oktober.

Hollywood-Filme mit starkem Afrika-Bezug - das gab es bislang nur selten, und dass einer der größten dieser Filme in einem erfundenen Marvel-Märchen-Staat spielt, ist durchaus auch bezeichnend. Aber immerhin, "Black Panther" war irgendwie doch ein Schritt nach vorne. Nun allerdings kommt eine echte afrikanische Geschichte auf die Leinwand, und die Betonung liegt dabei auch auf "Geschichte". "The Woman King" basiert auf historisch dokumentierten Ereignissen, die sich im 19. Jahrhundert im heutigen Benin zutrugen und wie gemacht sind für großes Hollywood-Kino.

Was das Kino-Publikum in dieser Woche außerdem erwartet: "In einem Land, das es nicht mehr gibt" taucht ein in die wenig bekannte DDR-Modewelt, in "Rimini" erzählt der umstrittene Filmemacher Ulrich Seidl von einem abgewrackten Schlagersänger, der nebenbei als Gigolo arbeitet.

Generalin Nanisca (Viola Davis, zweite von rechts) bereitet die Agojie auf den Kampf gegen portugiesische Sklavenhändler vor. (Bild: Sony Pictures)
Generalin Nanisca (Viola Davis, zweite von rechts) bereitet die Agojie auf den Kampf gegen portugiesische Sklavenhändler vor. (Bild: Sony Pictures)

The Woman King

Sie erinnern ein wenig an das Bild der Amazonen, sie kämpfen unerschrocken wie die Wikinger: Die Agojie, um die es in "The Woman King" geht, sind eine rein weibliche Elite-Kampfeinheit im westafrikanischen Königreich Dahomey. Sie leben in einem Palast, Außenstehende betrachten sie aufgrund ihrer außergewöhnlichen Fähigkeiten als beinahe mythische Wesen. Diese Agonjie stehen im Jahr 1823 unter dem Kommando von Generalin Nanisca - eine geborene Anführerin, verkörpert von Oscar-Gewinnerin Viola Davis ("Fences", "How to Get Away with Murder").

Nanisca soll die Agonjie auf ihren vielleicht wichtigsten Kampf überhaupt vorbereiten: Die Portugiesen kommen, um neue Sklaven einzufangen. Wenn die technisch und zahlenmäßig deutlich überlegenen Invasoren nicht irgendwie zurückgeschlagen werden, könnte es das Ende der Dahomey-Kultur bedeuten. Mit Parolen wie "Unsere Narben sind unser Stolz!" und "Wir sind die Klinge der Freiheit!" peitscht Nanisca ihre Truppe für die Schlacht ein.

"The Woman King" taucht tief ein in die afrikanische Geschichte und trumpft mit fein gezeichneten Charakteren auf (vor allem die Leistung von Viola Davis erntete bereits viel Kritiker-Lob). Zugleich bietet der Film, der in den USA schon im September startete, aber auch Action-Kino auf höchstem Niveau - ein ambitioniertes Hollywood-Spektakel aus der Mitte Afrikas, das in einer Reihe stehen will mit Filmen wie "Der letzte Mohikaner" oder "Braveheart".

"The Woman King" richtet den Blick aber nicht nur nach Afrika wie kein vergleichbarer Film zuvor, sondern ist darüber hinaus auch ein Werk mit stark feministischen Zügen. Inhaltlich, aber auch in der gesamten Entstehung: Die Idee zu dem Action-Drama entwickelte Produzentin Maria Bello nach einem Besuch im Benin, Regie führte Gina Prince-Bythewood, das Drehbuch verfasste Dana Stevens, für die Kameraarbeit war Polly Morgan verantwortlich. Einer der wenigen prominenteren Männer bei diesem Projekt ist John Boyega ("Star Wars"), er spielt den König von Dahomey - aber neben einer Figur wie Nanisca wirkt selbst er ziemlich klein.

Der abgehalfterte Schlagersänger Richie Bravo (Michael Thomas) ist die Hauptfigur in "Rimini", dem neuen Film von Ulrich Seidl. (Bild: Neue Visionen Filmverleih)
Der abgehalfterte Schlagersänger Richie Bravo (Michael Thomas) ist die Hauptfigur in "Rimini", dem neuen Film von Ulrich Seidl. (Bild: Neue Visionen Filmverleih)

In einem Land, das es nicht mehr gibt

Um die "Schönheit im Osten" soll es gehen - das klingt fast wie eine Antithese, wenn man an frühere DDR-Filme denkt. Meist wird der Fokus in filmischen Erinnerungen an damals doch eher auf die Tristesse, den Verzicht und die Unterdrückung gelegt, wirklich schön oder ästhetisch ist da wenig. Aber wer wusste, wo man nachsehen muss, der konnte das Schöne in der DDR durchaus finden. Man sah es in der legendären Modezeitschrift "Sibylle", in den Exquisit-Läden, zwischendurch auch auf der Straße bei den jungen Leuten. Genau davon handelt "In einem Land, das es nicht mehr gibt".

Der Film von Regisseurin und Drehbuchautorin Aelrun Goette, die früher selbst für Exquisit modelte und hier in Teilen ihre eigene Geschichte nacherzählt, ist durchaus originell, aber verklärt wird hier nichts. Die Geschichte spielt im Jahr 1989 und dreht sich vor allem um Suzie (Marlene Burow) - eine junge Frau, gerade von der Schule geflogen. Anfangs arbeitet sie im Kabelwerk Oberspree, ist mittendrin im sozialistischen Fabrikleben. Dann verändert ein zufälliger Schnappschuss ihre Sicht auf die Welt.

Suzie landet auf dem "Sibylle"-Cover, lernt Chefredakteurin Elsa Wilbrodt (Claudia Michelsen) kennen, taucht ein in die Ost-Modeszene. Da sind die hochwertigen Produkte von VHB Exquisit, für die Suzie als Mannequin werben soll, aber da ist noch viel mehr. Im schillernden Ostberliner Untergrund trifft sie den schwulen Rudi (Sabin Tambrea) und sieht, wie man selbst aus einem Duschvorhang noch ein aufregendes Outfit zaubern kann. Mit Fotograf Coyote (David Schütter) düst sie auf dem Motorrad ans Meer - da wird groß geträumt, nicht nur von Mode.

Richie Bravo singt für seine zumeist weiblichen Fans - und wenn sie bezahlen, steigt er auch mit ihnen ins Bett. (Bild: Neue Visionen Filmverleih)
Richie Bravo singt für seine zumeist weiblichen Fans - und wenn sie bezahlen, steigt er auch mit ihnen ins Bett. (Bild: Neue Visionen Filmverleih)

Rimini

"Ein Film von Ulrich Seidl": Die Information genügt inzwischen vielen Menschen, um auf jeden Fall ins Kino zu gehen. Oder eben, um auf keinen Fall ins Kino zu gehen. Der Österreicher hat sich einen Namen gemacht mit Dokumentarfilmen, die viele als solche gar nicht gelten lassen wollen. Seidl beleuchtete zwischen Nazi-Memorabilia und Riesendildos, welchen skurrilen Hobbys die Österreicher vermeintlich "Im Keller" nachgehen; in "Safari" ließ er begeisterte Hobby-Großwildjäger ihre Motive erläutern. Schwer zu ertragendes Zeug zuweilen, wobei Seidl für den gewünschten Effekt aber immer auch ein wenig nachhalf. Nun widmet sich der polarisierende Filmemacher einem neuen Thema, das auch wieder perfekt zu passen scheint: dem Schlager.

"Rimini" heißt das neue Werk Seidls, in diesem Fall ist es ganz offiziell ein "Spielfilm". Aufbau und Erzählweise tragen aber auch hier wieder deutlich Seidls Handschrift. Allein schon der Schauplatz dieser Geschichte, ein deutscher Adria-Sehnsuchtsort von anno dazumal, heute längst nicht mehr so glänzend und populär wie damals in den 60-ern - außer Seidl käme wohl kaum jemand auf die Idee, hier einen Film zu drehen. Aber das Setting ist ideal für die Geschichte, die Seidl erzählt.

Es gehe darum, "hinter die süßen Sehnsuchtsversprechen der Schlagermusik" zu blicken, heißt es in einem Pressetext zu "Rimini". Im Zentrum steht Richie Bravo (Michael Thomas), ein abgehalfterter Schlagersänger, der sich sein Leben in Rimini mit kleinen Auftritten im Glitzer-Sakko verdient. Und damit, liebeshungrige ältere Damen zu beglücken. Für jede von ihnen hat der Teilzeit-Gigolo die richtigen Liebesschwüre und Schmeicheleien im Repertoire. Der singende Lebenskünstler hat sich mit seinem wenig ruhmreichen Dasein in Rimini arrangiert, die Dinge laufen. Bis plötzlich seine inzwischen erwachsene Tochter (Tessa Göttlicher) auftaucht. Richie hat jahrelang keinen Unterhalt gezahlt, jetzt will sie die Kohle. Am besten alles auf einmal. Was nun, Richie Bravo?

Mit Marlene Burow in der Hauptrolle erzählt "In einem Land, das es nicht mehr gibt" eine Geschichte zwischen DDR-Modewelt und sozialistischem Fabrikalltag. (Bild: Ziegler Film/Peter Hartwig/Tobis)
Mit Marlene Burow in der Hauptrolle erzählt "In einem Land, das es nicht mehr gibt" eine Geschichte zwischen DDR-Modewelt und sozialistischem Fabrikalltag. (Bild: Ziegler Film/Peter Hartwig/Tobis)