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Viele Filialen der Volks- und Raiffeisenbanken fallen weg

Atzler, Elisabeth
·Lesedauer: 3 Min.

Die Volks- und Raiffeisenbanken haben 2020 fast zehn Prozent der Geschäftsstellen geschlossen. Die Zahl der Zusammenschlüsse halbiert sich.

Viele Volks- und Raiffeisenbanken haben im vergangenen Jahr Filialen geschlossen. Die allermeisten Kunden nutzen Onlinebanking. Foto: dpa
Viele Volks- und Raiffeisenbanken haben im vergangenen Jahr Filialen geschlossen. Die allermeisten Kunden nutzen Onlinebanking. Foto: dpa

Die Volks- und Raiffeisenbanken haben während der Corona-Pandemie in großem Stil Filialen geschlossen. Die 349 Volks- und Raiffeisenbanken, die dem regionalen Genossenschaftsverband angehören, gaben im vergangenen Jahr 425 und damit gut neun Prozent der Geschäftsstellen auf.

Die Entwicklung, die schon seit Längerem im Gang ist, wird sich auch künftig fortsetzen. 36 Prozent der Banken planen, in den nächsten zwei Jahren Filialen zu streichen, ergab eine Umfrage des Verbandes.

„Durch Corona haben sich die Kunden und Kundinnen noch schneller als erwartet den Onlinekanälen genähert“, sagte Verbandschef Ingmar Rega. Der Anteil der Kunden mit Filialnutzung sei im vergangenen Jahr von einem Viertel auf ein Fünftel gesunken.

Aus seiner Sicht sind Bankgeschäft und Beratungsthemen komplexer geworden, der Trend gehe „zu gut ausgebildeten Kräften an zentralen Stellen“. „Vor allem über solche Beratungszentren bleiben die Volksbanken und Raiffeisenbanken in der Fläche präsent“, so Rega. Nicht erst die Coronakrise habe den Wandel ausgelöst, und Filialabbau werde sukzessive weiterlaufen und nicht so stark au wie bei großen Banken, die Nachholbedarf hätten.

Die Commerzbank will in den kommen vier Jahren 340 von derzeit 790 Filialen in Deutschland streichen. Die Deutsche Bank kündigte im Herbst an, dass jede fünfte von zuletzt gut 500 Geschäftsstellen wegfallen wird.

Für die Tempoverschärfung der Banken beim Filialabbau gibt es im Wesentlichen zwei Gründe. Zum einen führt zunehmende Nutzung von Onlinebanking dazu, dass Filialen verwaisen. Zum anderen steigt der Kostendruck immer weiter. Die Negativzinsen in der Euro-Zone gelten als dauerhafte Belastung. Zudem müssen die Geldhäuser infolge der Corona-Pandemie mit mehr faulen Krediten und schrumpfenden Gewinnen rechnen.

Keine großen Belastungen aus Kreditgeschäft befürchtet

Die 349 Volks- und Raiffeisenbanken des Genossenschaftsverbandes fuhren die Risikovorsorge für Kredite im vergangenen Jahr deutlich deutlich nach oben. Das Bewertungsergebnis betrug 300 Millionen Euro, es bezieht sich weitgehend auf Kredite. Das Betriebsergebnis nach Bewertung sank auf 3,9 Milliarden Euro. Vizeverbandschef Siegfried Mehring sagte: „Die Institute versuchen, sehr vorsichtig zu bilanzieren. Wir sind sehr zuversichtlich, dass das Kreditgeschäft nicht zu extremen Belastungen führt.“ Der Genossenschaftsverband vertritt knapp die Hälfte der bundesweit rund 800 Volks- und Raiffeisenbanken. In Baden-Württemberg und Bayern gibt es eigene Regionalverbände.

Bankenaufseher warnen vor steigenden Kreditausfällen. Die Bundesbank sieht die deutschen Geldhäuser in der Coronakrise vor einem Härtetest. Viele Volksbanken und Sparkassen geben sich dagegen bisher relativ gelassen. Lobbyisten der regionalen Kreditinstitute verweisen zudem immer wieder darauf, dass die Geldhäuser ihr Eigenkapital in den vergangenen Jahren stark aufgestockt haben und so über hohe Sicherheitspuffer verfügen.

Bei den Fusionen sorgt die Corona-Pandemie für ein Abbremsen. 2020 gab es im Genossenschaftsverband nur elf Zusammenschlüsse. In den zwei Jahren zuvor waren es je doppelt so viele gewesen, 2017 sogar 28. „Gegenüber den Vorjahren hat sich das Fusionstempo, sicher auch wegen der akuten Herausforderungen durch die Pandemie, verlangsamt“, so Rega. Für das laufende Jahr seien 16 Fusionsabsichten gemeldet worden.

Auch bundesweit ist das Fusionstempo unter Volks- und Raiffeisenbanken deutlich gedrosselt. Der Beratungsfirma Zeb zufolge sank die Zahl der Genossenschaftsbanken von Januar bis Ende November 2020 nur um 27. In den drei Jahren zuvor hatte der Rückgang zwischen 34 und 57 gelegen – es gab also teils doppelt so viele Fusionen.