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Wie viele noch da sind, woher der Nachschub kommt: Wann gehen den Russen im Ukraine-Krieg die Raketen aus?

Ukraine-Krieg: Zerstörte Häuser in der Region um Charkiw am 29. Mai 2022. - Copyright: picture alliance / SVEN SIMON/The Presidential Offi | The Presidential Office of Ukraine
Ukraine-Krieg: Zerstörte Häuser in der Region um Charkiw am 29. Mai 2022. - Copyright: picture alliance / SVEN SIMON/The Presidential Offi | The Presidential Office of Ukraine

Der Krieg in der Ukraine dauert schon neun Monate. Und der Schrecken scheint kein Ende zu nehmen. Seit Wochen nehmen die russischen Streitkräfte immer wieder ukrainische Städte und Energieanlagen unter Beschuss. Nach Angaben der ukrainischen Regierung erfolgte Dienstag in der vorigen Woche der bisher schwerste Raketenangriff auf das Land, berichtete "Reuters". Raketen trafen der Nachrichtenagentur zufolge unter anderem die Hauptstadt Kiew und acht weitere Städte.

Zuvor hatten westliche und ukrainische Beamte nach Angaben der "New York Times" (NYT) behauptet, der russische Vorrat an Raketen und anderen Waffen werde rapide schrumpfen. Vadim Skibitskiy, stellvertretender Leiter des ukrainischen Militärgeheimdienstes, sagte dem "Economist" am 6. November, er schätze, dass Russland noch über 120 Iskander-Raketen im Lager habe. Insgesamt gehe die Ukraine davon aus. Und weiter: Russland habe knapp 80 Prozent seines Vorrats an hochmodernen Waffen aufgebraucht.

Wie das britische Verteidigungsministerium am 16. Oktober auf Twitter mitteilte, sei die russische Rüstungsindustrie wahrscheinlich nicht in der Lage, moderne Munition in dem Tempo zu produzieren, in dem sie verbraucht werde. "Diese Angriffe stellen eine weitere Verschlechterung der russischen Bestände an Langstreckenraketen dar, was die Fähigkeit Russlands einschränken dürfte, in Zukunft so viele Ziele anzugreifen, wie es wünscht", heißt es in der Stellungnahme.

Wenn Russland die Raketen ausgehen, liefern der Iran und Nordkorea nach

Die Frage allerdings, wie es angesichts dieser Einschätzungen trotzdem zu den massiven Angriffen vergangenen Dienstag kommen konnte, bleibt. Eine plausible Erklärung liefern Experten: Waffenlieferungen aus dem Iran und Nordkorea.

Ukrainische Beamte sagen, sie wüssten von Plänen Russlands, ballistische Raketen des Typs Fateh-110 und des Typs Zolfaghar aus dem Iran kaufen zu wollen und sie dann zur Krim sowie an Häfen am Kaspischen Meer zu liefern. Das bercihtete der "Economist". Skibitskiy sagte zudem, man wisse, dass der Kreml bereits Vorkehrungen hierfür getroffen habe. Gegen die iranischen Raketen habe die Ukraine allerdings keinen wirksamen Schutz. Sie würden die Ziele viel schneller treffen als Marschflugkörper oder Drohnen. Auch gegen die Iskander-Raketen, die Russland bereits in der Ukraine eingesetzt hat, könne sich das Land kaum verteidigen. Nach Angaben von Skibitskiy haben die Russen im Oktober 25 Iskander-Raketen abgeschossen, wovon die Ukraine nur drei habe abfangen können – ein Grund, warum jetzt Polen vorgeschlagen hat, dass das deutsche Patriot-Flugabwehrsystem, das die Bundeswehr liefern will, in der Ukraine stationiert wird.

Laut US-Beamten wendet sich Russland auf der Suche nach Waffen nicht nur an den Iran, sondern auch an Nordkorea, schreibt die "NYT". US-Verteidigungsminister Lloyd Austin sagte bei einer Pressekonferenz am 16. November, Russland habe Schwierigkeiten, Raketenbestände aufzufüllen, um mit dem Bedarf auf dem Schlachtfeld Schritt zu halten. "Wir haben gesehen, dass sie nicht genug Munition haben, um so zu kämpfen, wie sie es wollen, also wenden sie sich an den Iran und an Nordkorea. Ich denke, dass diese Länder ihnen wahrscheinlich einige Fähigkeiten zur Verfügung stellen werden", sagte er.

Außerdem, so die "NYT", habe der russische Präsident Wladimir Putin angekündigt, die Produktion von Ausrüstungen und Systemen "im Zusammenhang mit der Unterstützung der speziellen Militäroperation" in der Ukraine hochzufahren.

Russland hat womöglich schon vor dem Krieg Waffen gehortet

Eine Analyse des renommierten Verteidigungsnachrichtendienstes Janes, die der "NYT" vorliegt, legt zudem nahe, dass Russland höchstwahrscheinlich Mikrochips und andere Technologien, die für den Bau von Präzisionsraketen notwendig sind, vor dem Einmarsch in die Ukraine im Februar gehortet hat. Womöglich schon vor Jahren – gerade im Hinblick auf die sich verschlechternden Beziehungen Russlands zum Westen. Der Analyse zufolge begann Russland wahrscheinlich schon vor der Invasion mit der Produktion einer großen Anzahl von Iskander, Kalibris und Marschflugkörpern.

Nur wenige westliche Beamte hätten überhaupt einen Überblick darüber, wie viele Raketen im Bestand des russischen Militärs sind, sagte Mark. F. Cancian der "NYT", ein ehemaliger Waffenstratege des Weißen Hauses. Cancian ist mittlerweile am Center for Strategic and International Studies in Washington tätig. Er sagte jedoch, dass westliche Militärs schon davon ausgingen, dass Russland seit langem eine Reserve an Raketen und anderen Waffen für den Fall eines Krieges mit der Nato bereithalte. "Sie halten offenbar etwas für einen fiktiven Nato-Angriff zurück", so Cancian.