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Wie viel Kapital du benötigst, um von deinen ETF-, Dividenden- und Aktienerträgen leben zu können

Christof Welzel, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

Die meisten in Deutschland lebenden Menschen machen weiterhin einen großen Bogen um Aktien und Fonds (ETFs). Der Grund liegt vielfach darin, dass wir während unserer gesamten Ausbildung und Schulzeit so gut wie nichts darüber erfahren. Dann versuchen wir es einmal selbst und weil uns das Wissen fehlt, werden wir sehr schnell durch unsere Verluste abgeschreckt.

Wenn wir jedoch in unserer Schulzeit mehr erfahren würden, läge die deutsche Aktienquote sicherlich sehr viel höher. Menschen, die sich entschließen, in Aktien oder Aktien-ETFs zu investieren, tun dies meist, um ihre Altersvorsorge aufzubessern.

Dafür sind Kapitalanlagen am sinnvollsten, denn in diesem Fall steht uns sehr viel Zeit zur Verfügung, die aufgrund der Schwankungen und des Zinseszinseffektes auch notwendig ist, um am Ende hohe Erträge erzielen zu können. Doch wie viel Kapital würden wir benötigen, um nicht nur einige wenige Ausgaben abdecken zu können, sondern möglichst alle Kosten und vielleicht noch mehr.

Die Ausgaben

Die Antwort darauf hängt natürlich davon ab, wie sich unsere Ausgaben gestalten. Sie fallen bei jedem Menschen unterschiedlich aus, je nachdem, ob wir eine Familie versorgen müssen, wo wir wohnen und welchen Lebensstil wir pflegen.

Deshalb gehen wir an dieser Stelle einmal von einem Durchschnittseinkommen aus, das in Deutschland inklusive Teilzeitbeschäftige 2019 brutto bei monatlich 2.860 Euro lag. Dies sind pro Jahr 34.320 Euro.

Eine realistische Aktienrendite

Nun müssen wir wissen, wie viel Rendite mit Aktien langfristig realistisch möglich sind. Nach Inflation, über 120 Jahre und bei international gestreuten Aktien waren es bisher 5,2 %. Für die USA liegen die Werte bei 6,5 %. Zu dieser Erkenntnis kommt das „Global Investment Returns Yearbook“ der Schweizer Credit Suisse (WKN: 876800). Inklusive der durchschnittlichen Inflation, die seit 1945 in den USA bei etwa 3,76 % liegt, sind es 8,96 %, also fast 9 % Rendite, die mit Aktien erzielbar sind.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt Jeremy J. Siegel in seinem Buch „Stocks for the Long Run“. Hier werden nach Inflation über 200 Jahre Werte von 6,5 bis 7 % angegeben. Da über die Zeit auch deine Ausgaben mit der Inflation steigen, gehen wir bei unsrer Rechnung deshalb von 6,5 % Realrendite aus.

Das Ergebnis

Um unser Ziel von jährlichen Erträgen in Höhe von 34.320 Euro zu erreichen, benötigen wir bei 6,5 % Rendite am Ende circa 537.000 Euro. Die viel zitierte Million Euro ist also gar nicht notwendig, um von seinen Erträgen leben zu können.

Die Rendite ist entscheidend

Eine weitere wichtige Stellschraube ist natürlich die Rendite. Wenn es uns gelingt, diese auch nur auf durchschnittlich 10 % zu steigern, würden wir das benötigte Kapital schon bei etwa 344.000 Euro erreichen.

Wie du das Ziel erreichen kannst

Für die breite Masse ist dieses Vorhaben am einfachsten über ETFs auf große Indizes zu realisieren, weil hierfür am wenigsten Fachwissen notwendig ist und die Gebühren unschlagbar niedrig sind. Nur hier haben wir die Garantie, langfristig die Rendite der Indizes zu erzielen und nicht plötzlich weit dahinter zu liegen.

Aber ist es überhaupt realistisch, in einem Leben 537.000 Euro anzusparen? Bis auf Ausnahmen lautet die Antwort eindeutig Ja. Wer mit 20 Jahren 10.000 Euro besitzt und anfängt, monatlich 250 Euro zu sparen, sie einmal im Jahr in ETFs investiert, wird nach 38 Jahren (mit 58 Jahren) sogar bei etwa 569.000 Euro ankommen.

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Christof Welzel besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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