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Vestager warnt vor neuem Ungleichgewicht in der EU

BRÜSSEL (dpa-AFX) - EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager befürchtet wegen der Corona-Krise wachsende Ungleichgewichte in der Europäischen Union, weil einige der 27 Staaten viel mehr Geld für Krisenhilfen haben als andere. "Diese Ungleichheit droht tatsächlich, noch extremer zu werden", sagte Vestager dem "Spiegel". Deutschland etwa hat nach Jahren mit Haushaltsüberschüssen mehr Spielraum als hoch verschuldete Länder wie Italien.

Zu Eigenkapitalhilfen für Unternehmen und daraus folgenden Staatsbeteiligungen, wie sie die Bundesregierung mit dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds WSF plant, sagte Vestager: "Die Auswirkungen für die Chancengleichheit auf dem Binnenmarkt sind enorm." Die EU-Kommission müsse sicherstellen, "dass sich der Staat wirklich aus den Firmen zurückzieht, wenn die Zeiten besser werden". Das werde gerade geprüft. Die Genehmigung für den WSF aus Brüssel steht noch aus.

Vestager warnte auch vor Übernahmen angeschlagener europäischer Unternehmen durch ausländische Wettbewerber. Diese könnten die Krise in Europa ausnutzen und "bei uns auf Schnäppchenjagd gehen", sagte die Kommissionsvizepräsidentin. "Wir müssen wachsam sein."