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Vertrauliches Regierungspapier: So steht es wirklich um die Energieversorgung mit Öl, Gas und Kohle in Deutschland

Ein Kohlebagger im von dem Energiekonzern RWE betriebenen Braunkohletagebau Garzweiler.
Ein Kohlebagger im von dem Energiekonzern RWE betriebenen Braunkohletagebau Garzweiler.

Russlands Angriffskrieg auf die Ukraine zwingt Deutschland dazu, seine Energieversorgung neu zu organisieren. Das von Robert Habeck (Grüne) geführte Klima- und Wirtschaftsministerium bereitet ein Gesetz für den Fall vor, dass Russland Deutschland das Gas abdreht. Gleichzeitig sind die Energieversorger in Deutschland bemüht, neue Lieferverträge und -wege für Gas, Öl und Kohle zu organisieren.

Business Insider liegt nun ein auf vergangenen Dienstag datierter Lagebericht der Bundesnetzagentur vor, der Auskunft über die aktuelle Energieversorgungslage in Deutschland gibt. Der Bericht ist als "Vertraulich – nicht für Presse- und Mediennutzung" gekennzeichnet. Das sind die wichtigsten Erkenntnisse:

Gas

"Aktuell zeichnet sich keine Beeinträchtigung der Gaslieferungen nach DEU ab", heißt es im Papier der Bundesregierung. Die Gasflüsse nach Deutschland seien stabil; die Gasspeicher – Stand Montag dieser Woche – mit 106,8 Terawattstunden Gas zu 45 Prozent gefüllt. Auch das von Russlands Präsident Wladimir Putin am 12. Mai verabschiedete Sanktionsdekret habe bislang "keine unmittelbaren negativen Auswirkungen" auf die Versorgungssicherheit in Deutschland gehabt. Das Bundeswirtschaftsministerium sei jedoch "weiterhin im engen Austausch mit den sanktionierten Unternehmen und beobachtet die weiteren Entwicklungen genau".

Öl

Auch bei den Öl-Lieferungen nach Deutschland gibt es laut dem Papier der Bundesnetzagentur aktuell keine Lieferprobleme. Die nationale Erdölreserve fasse aktuell rund 14 Millionen Tonnen Rohöl; außerdem würden insgesamt rund neun Millionen Tonnen Benzin, Diesel, Heizöl und Flugturbinenkraftstoff vorgehalten. Und weiter: "ein Ausfall aller Ölimporte könnte rechnerisch für drei Monate ausgeglichen werden." Die Mineralölwirtschaft habe im engen Austausch mit dem Klima- und Wirtschaftsministerium erste Schritte eingeleitet, um die Lieferbeziehungen mit Russland insbesondere bei Rohöl spätestens zum Jahresende zu beenden beziehungsweise neue Lieferwege zu erschließen. Daher sei ein Öl-Embargo "mit entsprechender Vorlaufzeit" möglich.

Kohle

Bei der Steinkohle sieht die Bundesregierung größere Probleme bei der Versorgung als bei Gas und Öl. Die Liefersituation sei "angespannt", heißt es im Papier der Bundesnetzagentur. Nach Angaben der Betreiber sei aktuell noch ausreichend Kohle für die Kraftwerke vorhanden; die meisten Kraftwerkbetreiber gäben zudem an, ein Embargo gegen russische Kohle kompensieren zu können.

"Derzeit wird noch russische Kohle geliefert, die Branche ist aber zuversichtlich, dass der Umstellungsprozess bis Anfang August abgeschlossen wird", heißt es dazu im Lagebericht. Um die Kohle aus Russland zu ersetzen, käme grundsätzlich Kohle aus Südafrika und Kolumbien infrage. "Seit Ausbruch der Covid 19-Pandemie ist aber die Förderung in Kolumbien stark zurückgegangen", heißt es im Lagebericht. "Zudem wird die hochkalorische südafrikanische Kohle stark nachgefragt. Daher werden derzeit neue Mischungen getestet, insbesondere auch mit indonesischer Kohle."

Probleme bereitet laut der Bundesnetzagentur bei der Kohle auch die Binnenlogistik in Deutschland. So sei durch die geringen Pegelstände des Rheins der Kohlenachschub für Kraftwerke in Baden-Württemberg eingeschränkt. Zudem gebe es durch Baustellen, Störfälle und Engpässe bei Fahrzeugen Verzögerungen und Engpässe im Schienengüterverkehr. Im Verkehrsministerium laufe aktuell ein Prozess, "um Schwierigkeiten beim Güterverkehr mit der DB zu adressieren". Das betreffe alle Güter, "Energietransporte wurden aber gesondert thematisiert".