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Ein Versicherer verbreitet Optimismus in der Corona-Krise

Das börsennotierte Unternehmen DFV peilt 2020 weiter starkes Wachstum an. Doch vorerst beschert der expansive Kurs Verluste.

Die Lufthansa ruft nach Staatshilfe, die Börsen fahren Achterbahn und die EZB legt ein neues Notprogramm auf. Die finanziellen Folgen des Coronavirus hinterlassen tiefe Spuren in der deutschen Wirtschaft. Doch die börsennotierte Deutsche Familienversicherung ficht das kaum an.

Das Unternehmen peilt für 2020 erneut 100.000 Neuverträge und Anstieg der gebuchten Beiträge um 30 Prozent an, wie Vorstandschef Stefan Knoll am Donnerstag auf einer Telefonkonferenz in Frankfurt mitteilte. „Sie erleben einen entspannten und zufriedenen CEO“, sagte er in Anbetracht der Zahlen. Die kleine Versicherung, die sich als erstes deutsches börsennotiertes Insurtech sieht, glaubt damit wirtschaftlich weitgehend resistent gegen den drohenden Abschwung im laufenden Jahr zu sein.

Es ist ein kleines Hoffnungszeichen in der Corona-Krise. „Welche Auswirkungen das Coronavirus auf die Gesamtwirtschaftslage und damit auch auf Geschäft der DFV haben wird, lässt sich zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht abschätzen“, räumt Knoll ein. Aber der Versicherer könne seinen digitalen Vertrieb komplett über das Home Office führen. „Wir stecken niemanden an, wenn wir Vertrieb machen“, sagte Knoll. „Das ist der große Vorteil unseres online basierten Unternehmens.“

So beabsichtigt der Versicherer trotz der Einschränkungen durch das Coronavirus, in den Jahren 2020 und 2021 jeweils ein zusätzliches Bestandsvolumen von 25 bis 30 Millionen Euro neu an Land zu ziehen. Ein Optimismus, der offensichtlich von manchen Anlegern durchaus geteilt wird. Während die meisten Aktien innerhalb der vergangenen Wochen drastisch an Wert verloren, schlug sich die Deutsche Familienversicherung vergleichsweise tapfer.

Von ihrem Höchstkurs Mitte Februar bei rund 19,66 Euro entfernte sich das Papier zwar deutlich, aber nach einem kurzen Einbruch stabilisierte sich die Aktie in den letzten Tagen in einer Handelsspanne um 15 bis 16 Euro.

Die Erwartungen der Anleger ruhen darauf, dass der gebürtige Augsburger Knoll sich von Anfang an auf wenige, profitable Nischen im Markt konzentriert hat und sich auf Produkte beschränkte, die sich gut digital verkaufen lassen. So sind Zusatzversicherungen für Zähne, Krankenhausbehandlungen oder Pflege bisher vor allem das Metier des 2007 gegründeten Frankfurter Versicherers, der im Vergleich zur Allianz ein Winzling ist.

Hohe Vertriebskosten

Mindestens ebenso wichtig könnte jedoch werden, dass die DFV zum Konsortium um die Barmenia Krankenversicherung und die R+V Krankenversicherung gehört, das eine Übereinkunft mit der Chemie- und Pharmabranche für die betriebliche Krankenversicherung (bKV) der dort rund 580.000 Beschäftigten geschlossen hat. Analysten des Finanzdienstleisters Mainfirst sprechen von einem Quantensprung für das Frankfurter Unternehmen, das im zweiten Anlauf im Dezember 2018 der Sprung an die Börse gelungen war.

Das starke Wachstum wird jedoch mit hohen Vertriebskosten erkauft, die den Gewinn der Frankfurter – wie angekündigt – ins Minus drückten. Denn die DFV gibt als Direktversicherer ohne eigene Vertreter viel Geld aus für Werbung im Fernsehen und im Internet.

Für das laufende Jahr rechnet die DFV wegen der Aufwendungen für die Vorbereitungen für die tarifvertraglich geregelte Pflege-Branchenlösung mit einem Verlust vor Steuern zwischen neun bis elf Millionen Euro. Das wäre fast eine Verdoppelung gegenüber dem abgelaufenen Jahr, wo das operative Ergebnis infolge erhöhter Vertriebsaufwendungen mit 5,2 Millionen Euro ins Minus gerutscht war.

In den Augen von Knoll ist jedoch auch das ein Erfolg. Laut ursprünglicher Planung hätte der Verlust schon 2019 sogar zwischen neun und elf Millionen Euro liegen sollen. Im Jahr 2021 soll die Firma dann jedoch trotz der hohen Wachstumsinvestitionen mit einem positiven Ergebnis abschließen, verspricht Knoll. Die Investoren werden ihn an diesen Worten messen.