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"Aus Versehen im Trend": Horst Lichter wird 60

·Lesedauer: 8 Min.
Horst Lichter lässt sich vom Leben nicht unterkriegen. Am 15. Januar wird der gutmütige Entertainer mit dem Zwirbelbart 60 Jahre alt. (Bild: Getty Images / Andreas Rentz)
Horst Lichter lässt sich vom Leben nicht unterkriegen. Am 15. Januar wird der gutmütige Entertainer mit dem Zwirbelbart 60 Jahre alt. (Bild: Getty Images / Andreas Rentz)

Horst Lichter, Deutschlands Trödel-Sonnenschein schlechthin, wird am 15. Januar 60 Jahre alt. Ein guter Anlass, um mal wieder darauf hinzuweisen, dass der Mann mit dem Zwirbelbart so viel mehr ist als nur die rheinische Frohnatur aus "Bares für Rares".

Neben dem Begriff "Frohnatur" im Lexikon sollte sein Bild zu sehen sein: Horst Lichter, der sanftmütige Moderator der ZDF-Kultsendung "Bares für Rares", vollendet am 15. Januar sein 60. Lebensjahr. Jeder kennt ihn, jeder mag ihn - der lebensfrohe Rheinländer ist der Inbegriff dessen, was man einen "Sympathieträger" nennt. Aber, man glaubt es kaum, auch der sonst so redselige Horst Lichter hat eine sehr stille und nachdenkliche Seite. Was macht diesen Typen, der zur vielleicht sympathischsten Marke im deutschen Fernsehen avanciert ist, aus?

Keine Frage, Horst Lichter quasselt gerne und viel - aber auch für ihn gilt ab und an: In der Ruhe liegt die Kraft. 2020 war Lichter sogar im Schweigekloster und fand, abseits aller dort angebotenen Yoga-Kurse und Zen-Rituale, zum inneren Frieden, wie er unlängst im Interview kundtat: "Es war definitiv heilsam, dass ich in der Zeit gezwungen war, mich mit mir selber zu beschäftigen. Nach und nach verschwanden all die Stimmen, die Ablenkungen und äußeren Einflüsse - es gab da ja keinerlei Unterhaltung, auch Handys waren tabu. Und auf einmal war ich an dem Punkt, wo ich mir die alles entscheidende Frage von selbst gestellt habe: Mag ich mich?"

Sätze, die schon mal einiges aussagen über diesen Horst Lichter. Der Mann mit dem markanten Zwirbelbart kann sehr tiefschürfend über sich und die Welt reflektieren. Nur dem Klischee vom Gute-Laune-Onkel zu entsprechen, ist einfach nicht seine Sache. Dafür hat er er zu viel erlebt und verkraften müssen.

Auch als "Bart-" und "Hutträger des Jahres" machte Horst Lichter schon eine gute Figur.  (Bild:  Franziska Krug / Getty Images)
Auch als "Bart-" und "Hutträger des Jahres" machte Horst Lichter schon eine gute Figur. (Bild: Franziska Krug / Getty Images)

"Das sind Schicksalsschläge, die möchte keiner haben"

"Die Menschen, die glauben, dass sie Probleme haben, die regen sich über alles auf. Und dann gibt es die, die wirklich Probleme haben. Das sind Schicksalsschläge, die möchte keiner haben." - Lichter spricht nicht überall über die Dinge, die er erlebt hat - doch wenn er es tut, dann ist er offen, auch mit seinen Gefühlen.

So wie in seinem Buch "Keine Zeit für Arschlöcher", welches den schwierigen Tod seiner Mutter behandelt. Der Bestseller wurde kurz vor Lichters rundem Geburtstag mit Schauspieler Oliver Stokowski in der Hauptrolle als Horst Lichter verfilmt. Im ZDF sah auch ein Milionenpublikum jene andere, nachdenklichere Seite des sonst immer zu Späßen aufgelegten Moderators. Sein höfliches, respektvolles Wesen scheint dabei aber immer durch.

Horst Lichter liebt ausgedehnte Motorradtouren. In seiner Sendung "Horst Lichters Traumrouten" ging es schon quer durch Europa. (Bild: ZDF / Sven Bittner)
Horst Lichter liebt ausgedehnte Motorradtouren. In seiner Sendung "Horst Lichters Traumrouten" ging es schon quer durch Europa. (Bild: ZDF / Sven Bittner)

"Ich musste mich entscheiden: Bleibe ich Mensch oder Koch?"

Was hat er in den letzten Jahrzehnten nicht alles erreicht, dieser Star, der für viele einfach nur "der Horst" ist: Lichter ist Koch, Moderator, Buchautor und gelegentlicher Entertainer. Schon lang vor dem Fernsehen besaß er mit der "Oldiethek" ein erfolgreiches Restaurant mit dem Charme eines gemütlichen Wohnzimmers. Sein Name zierte eine eigene Reihe an Tütensuppen, Pfeifentabak und ein Bier aus der Traditionsbrauerei Bolten. Und für seinen Bart erhielt er 2009 einen Ehrenpreis: Lichter durfte sich "Bartträger des Jahres" rühmen.

Als ältester Sohn eines Bergmanns wuchs Horst Lichter im Braunkohlerevier Rommerskirchen auf. Sein Wunsch war es, Koch zu werden - weil das Beisammensein am Tisch für ihn schon immer etwas Besonderes war. Mit 14 Jahren begann Lichter seine Ausbildung im Restaurant-Hotel "zur Post", er musste aber schnell feststellen, dass der grobe Umgangston in gewerblichen Küchen nichts mit seinem Traum zu tun hatte: "Nach der Lehrzeit hatte ich es nur noch mit Cholerikern und Alkoholikern zu tun. Ich musste mich entscheiden, bleibe ich Mensch oder Koch", bekannte der Entertainer vor zwei Jahren im "Neuen Blatt".

Sein 2013 ist Horst Lichter das Gesicht von "Bares für Rares" - mit großem Erfolg.  (Bild: ZDF / Sascha Baumann)
Sein 2013 ist Horst Lichter das Gesicht von "Bares für Rares" - mit großem Erfolg. (Bild: ZDF / Sascha Baumann)

Eine Nahtoderfahrung führt zum Sinneswandel

Lichter bleibt Mensch und wendet sich zunächst von der Küche ab. Stattdessen zieht es ihn zum Bergbau, in die Fußstapfen seines Vaters. Mit 19 Jahren findet er seine erste Frau, heiratet, kauft ein Haus. Doch dadurch verschuldet er sich so schwer, dass er gezwungen ist, neben den Schichten im Bergbau noch zusätzlich auf einem Schrottplatz zu arbeiten.

Drei Stunden Schlaf müssen zeitweise genügen. Und das Schicksal meint es nicht gut mit dem jungen Ehepaar: Nur sechs Monate nach der Geburt seiner ersten Tochter stirbt diese überraschend an plötzlichem Kindstod. In der SAT.1-Show "Dinner Party - Der Late-Night-Talk" sagte Lichter: "Eigentlich war alles super. Ich hatte eine Frau, die ich sehr mochte, eine Wohnung, ein Moped. Und dann ist unser Kind gestorben. Da bin ich das erste Mal im Leben wirklich wach geworden. Das vergisst du nie."

Lichter stürzt sich darauf in die Arbeit, doch der anhaltende Stress fordert seinen Tribut: Mit 26 Jahren erleidet Horst Lichter einen Schlaganfall, zwei Jahre später folgt ein zweiter Hirnschlag, diesmal zusammen mit einem Herzinfarkt. Lichter erinnert sich 2007 in der Talkshow von Johannes B. Kerner an diese Nahtoderfahrung. Er sah sich und die Situation wie von außen, wie er es formulierte. Es war der Wendepunkt für ihn. Bei seinem Aufenthalt in der Reha-Klinik entscheidet sich Lichter, sein Leben von Grund auf zu ändern. Er will etwas machen, was ihn - und andere - glücklich macht, und ganz grundsätzlich nur noch tun, was er auch wirklich will. Mit diesem neuen Lebensmotto im Blick startet Lichter in sein zweites Leben.

In über 1.300 Folgen "Bares für Rares" gingen einige Schätze an die wechselnden Händler der Sendung. Horst Lichter ist von Anfang an Teil des Formats. (Bild: ZDF / Frank W. Hempel)
In über 1.300 Folgen "Bares für Rares" gingen einige Schätze an die wechselnden Händler der Sendung. Horst Lichter ist von Anfang an Teil des Formats. (Bild: ZDF / Frank W. Hempel)

Damals wie heute: "Bares für Rares" liegt "aus Versehen im Trend"

Lichters "Oldiethek" wurde zu einer Institution in Rommerskirchen, Tische waren gut ein Jahr im Voraus ausgebucht. Von 1995 bis 2010 stand der Horst selbst am Herd. Im Inneren des Restaurants stapelten sich Kitsch und Krempel sowie Autos, Motorräder und echte Antiquitäten. An diesem Ort wurde der Grundstein für den Horst Lichter gelegt, an dem sich noch heute Tausende Menschen beinahe jeden Tag erfreuen: ein gutmütiger, wohlgesonnener Geselle - voller Respekt für sich und andere.

Seine TV-Karriere ergab sich beinahe natürlich: Es ging los, als der WDR über "seinen Laden" berichtete. Später stand Lichter hin und wieder für Kochsendungen vor der Kamera. 2006 entstand mit "Lafer! Lichter! Lecker!" eine Sendung, mit der über zehn Jahre lang die Geschmacksknospen der Deutschen erfreut wurden - und Horst Lichter seine überregionale Bekanntheit zementieren konnte.

2013 kam dann das bisherige Meisterstück des Sympathieträgers hinzu: Die ZDF-Nachmittagsreihe "Bares für Rares" wurde zum Hit. Mit über 1.300 Folgen, der Goldenen Kamera, dem Deutschen Fernsehpreis und diversen Promi- und Primetime-Specials gehört das entspannte Trödel-Verkaufs-Format zu den Quotengaranten im TV. Lichter erklärt sich den Erfolg so: "Ich mag einfach dieses Ruhige, dieses Normale, bei dem ein Mensch auch mal miterleben kann. Und das ist nicht langweilig. Ich glaube, gerade in der heutigen Zeit ist man mehr auf der Suche nach etwas Beständigem, etwas mehr Ruhe, und ich glaube da liegen wir aus Versehen im Trend." Nächstes Jahr feiert die Sendung ihr zehnjähriges Bestehen.

Der Bart steht ihm gut: In der Verfilmung seines Buchs "Keine Zeit für Arschlöcher" wird Horst Lichter von Oliver Stokowski gespielt - mit großem Tiefgang. (Bild:  ZDF / Willi Weber)
Der Bart steht ihm gut: In der Verfilmung seines Buchs "Keine Zeit für Arschlöcher" wird Horst Lichter von Oliver Stokowski gespielt - mit großem Tiefgang. (Bild: ZDF / Willi Weber)

"Diese Radikalität hat er, weil er schon mal fast tot war"

Ist diese Ruhe also das Geheimnis von Horst Lichters besonderer Ausstrahlung? Funktioniert diese "Marke" deshalb so gut, weil sie eigentlich gar keine Marke ist? Die Wahrheit ist: Horst Lichter ist einfach nur authentisch. Der Mann verstellt sich nicht und bliebt sich treu - und Authentizität wird belohnt, denn für so etwas hat der Fernsehzuschauer seit jeher ein gutes Gespür. "Ich wollte nie etwas Besonderes sein", sagt er über sich.

Der Schauspieler Oliver Stokowski, der sich in der Hauptrolle von "Keine Zeit für Arschlöcher" mit dem charakteristischen Bart des Moderators bekannt machte, hat ihn genau so kennengelernt: "Der Horst ist ein ganz großherziger, aber auch geradliniger Mensch, der sich nie verbogen hat. So etwas ist im Haifischbecken der Unterhaltungsbranche äußerst selten." Dazu kommt, dass er sich immer wieder neu findet und erfindet - ob nun auf einer Motorradtour entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze oder, wie 2020, in einem Schweigekloster. Wann immer etwas zu repetitiv für Horst Lichter wird, zieht er die Reißleine. Stokowski vermutet: "Ich denke, diese Radikalität hat er, weil er schon mal fast tot war. Danach lebt man anders weiter."

Horst und Nada Lichter sind seit 2009 verheiratet, kennen sich aber schon viel länger. Schon in seinem ersten Restaurant "Oldiethek" haben die beiden zusammen gearbeitet.  (Bild: Isa Foltin / Getty Images)
Horst und Nada Lichter sind seit 2009 verheiratet, kennen sich aber schon viel länger. Schon in seinem ersten Restaurant "Oldiethek" haben die beiden zusammen gearbeitet. (Bild: Isa Foltin / Getty Images)

Horst Lichters größtes Glück im TV: "Dass ich immer ich sein darf"

Apropos neu finden: Auch in der Liebe hat es für Lichter mittlerweile geklappt. Zusammen mit seiner dritten Ehefrau Nada - die übrigens schon in seiner "Oldiethek" als Kellnerin gearbeitet hat! - lebte er viele Jahre in einer Villa in Badenweiler im Schwarzwald. Seit 2020 wohnt das Ehepaar in Köln - auch aufgrund der Moderatoren-Tätigkeit von Horst Lichter bei "Bares für Rares". Die Sendung wird im angrenzenden Pulheim in einem ehemaligen Walzwerk aufgezeichnet.

"Ich habe nicht das Gefühl, irgendetwas versäumt zu haben, es gibt keine offenen Rechnungen, und es gibt auch nicht die berühmten großen Dinge, die ich unbedingt noch gemacht haben muss in meinem Leben", sagte Horst Lichter unlängst der Agentur teleschau. "Es könnte von mir aus jetzt alles einfach so weitergehen wie im Moment. Es ist gut."

Wenn man ihn nach seinem Erfolgsrezept fragt, bleibt Horst Lichter entsprechend bescheiden: "Mein größtes Glück ist, dass ich immer ich sein darf. Ich muss mich im Fernsehen nicht verstellen, denn ich bin kein Schauspieler. Mein persönliches Glück liegt darin, dass ich wirklich das gebe, was ich wirklich gerne hätte - und das ist Freundlichkeit, Höflichkeit, Respekt und die persönliche Demut." Und das gelingt der sanften Frohnatur aus dem Rheinland hoffentlich noch für viele weitere Jahre.

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