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Vermummungsgebot in Hongkong: Warum tragen dort überhaupt so viele Menschen Gesichtsmasken?

Ann-Catherin Karg
Freie Journalistin

Dass die Regierungschefin Carrie Lam kürzlich ein Vermummungsverbot für Hongkong ausgesprochen hat, hat die Proteste weiter angefeuert. Zwei Demonstranten wurden bereits wegen illegalen Tragens von Masken angeklagt, ihnen droht eine Haftstrafe bis zu drei Jahren. Dabei gibt es viele Gründe, warum die Bewohner Hongkongs ihre Gesichter verhüllen.

Mundschutz oder Gesichtsmaske zu tragen ist in Hong Kong weit verbreitet (Symbolbild: Getty Images)

In Hongkong ist das Tragen von Masken in Menschenansammlungen von mindestens fünf Personen neuerdings verboten. Damit geht die Regierungschefin Carrie Lam gegen die Demonstranten vor, die sich mit den Masken vor dem von der Polizei eingesetzten Tränengas schützen und verhindern wollen, dass sie zum Beispiel mittels Software zur Gesichtserkennung einfach identifiziert werden können. Dabei tragen in der Metropole längst nicht nur Demonstranten Gesichtsmasken.

2003 trauten sich während der SARS-Krise viele Menschen in Hong Kong nur noch mit Mundschutz vor die Tür (Symbolbild: Getty Images)

Schutz vor Infektionskrankheiten

Viele Menschen in der 7,5 Millionen-Einwohner-Stadt wollen mit den Masken vor allem ihre Gesundheit schützen. Erstmals richtig populär wurden die Atemmasken im Jahr 2003 durch die SARS-Pandemie. Die Infektionskrankheit wird überwiegend durch Tröpfcheninfektion übertragen, was der dünne Mundschutz verhindern kann. 2006 führte dann der Ausbruch der Vogelgrippe dazu, dass noch mehr Menschen nur noch mit Mundschutz in der Öffentlichkeit unterwegs waren. In Hongkong und anderen asiatischen Ballungsräumen ist das bis heute normal.

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Auch die Luftverschmutzung ist ein Grund

Dass starke Luftverschmutzung die Atemwege schädigen und zu Krankheiten wie Asthma, Bronchitis, chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) und sogar Krebs führen kann, ist bekannt. Die Bewohner stark belasteter Städte leiden zudem verstärkt unter Kopfschmerzen und Übelkeit und auch die Augen reagieren gereizt auf die Schadstoffe in der Luft. Ein Mundschutz kann dazu beitragen, die Symptome zu lindern und schwere Krankheiten zu vermeiden.

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Die Masken sind total angesagt

Bei der China Fashion Week 2014 spielten die Masken zum ersten Mal auch auf den Laufstegen eine Rolle, als sie im Rahmen der QIAODAN Yin Peng Sports Wear Collection von den Models getragen wurden. Die chinesische Designerin Masha Ma pimpte die Masken später mit Swarovski-Kristallen auf und machte damit auf der Pariser Fashion Week auf sich aufmerksam. Auch die Sängerin Ariane Grande verkauft mittlerweile Gesichtsmasken der Marke Thank U, Next:

Die Masken haben auch einen soziologischen Effekt

Daneben haben Studien aus Japan belegt, dass die Masken noch eine ganz andere Wirkung haben. Dort werden sie vor allem von gesunden Teenagern getragen, die vor allem ihrer männlichen Umwelt damit suggerieren, dass sie keine Lust auf Kommunikation haben. Die Masken dienen also der prophylaktischen Vermeidung von Belästigung und gewähren den Trägerinnen ein als angenehm empfundenes Maß an Anonymität.

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