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Verkaufsschlager Neun-Euro-Ticket: Diese fünf Nachfolgemodelle werden bereits diskutiert

Das 9-Euro-Ticket war eine Sondermaßnahme der Regierung. Nun wird über ein Nachfolgemodell diskutiert. Wir stellen alle Vorschläge einmal vor.

Ein Mann kauft an einem Fahrkartenautomaten der Deutschen Bahn ein Neun-Euro-Ticket. Auf einem Schild neben ihm wird das Billigticket beworben, das drei Monate nutzbar ist. - Copyright: Ina Fassbender, AFP/Getty Images
Ein Mann kauft an einem Fahrkartenautomaten der Deutschen Bahn ein Neun-Euro-Ticket. Auf einem Schild neben ihm wird das Billigticket beworben, das drei Monate nutzbar ist. - Copyright: Ina Fassbender, AFP/Getty Images

Es ist der Überraschungserfolg des Sommers: Im ersten Gültigkeitsmonat des sogenannten Neun-Euro-Tickets sind dem Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) zufolge bundesweit rund 21 Millionen der Sonderfahrkarten verkauft worden. Inklusive der Abokunden nutzten damit 32 Millionen Menschen in Deutschland die Billigfahrkarte. Noch eineinhalb Monate läuft das Erfolgsmodell weiter, dann ist Schluss. Denn die Bundesregierung hatte es von vorneherein nur als temporäre Entlastungsmaßnahme für die Bürger angelegt.

Doch in der Bundesrepublik gibt es Überlegungen für einen Nachfolger des Neun-Euro-Tickets. Wir sagen euch, welche Varianten im Gespräch sind.

Drei-Stufen-Modell: Der Grünen-Verkehrspolitiker Stefan Gelbhaar hofft auf eine Fortsetzung der Fahrkartenaktion. Er sagt: „Das Neun-Euro-Ticket wird massiv angenommen. Deshalb muss ein Nachfolgeticket rasch geprüft werden, das sollte günstig und unkompliziert sein und auch überregional genutzt werden.“ Der Grünen-Bundestagsabgeordnete schlägt vor, sich am Drei-Stufen-Modell der Österreicher zu orientieren. Dort hat jedes Bundesland einen eigenen Grundpreis von 365 Euro, für einen Aufpreis fährt man in die angrenzenden Regionen und schließlich gibt es einen Tarif für die bundesweite Nutzung von Bus und Bahn. Für die Fahrkarte, mit der man ganz Österreich bereisen kann, liegt der Preis regulär bei 1095 Euro und mit Ermäßigung 821 Euro pro Jahr. Wie wahrscheinlich die Einführung des Drei-Stufen-Modells in Deutschland ist, will Gelbhaar nicht verraten, man schaue sich in der Grünen-Fraktion die Optionen an, denn: „Genaue Preismodelle und Kosten müssen durchgerechnet werden.“

Klimaticket: Auch die Bundesregierung sucht nun nach Möglichkeiten, Reisende nach dem Ende des Aktionszeitraums vom Auto in die Bahn zu locken. Es gibt anscheinend Überlegungen, das Neun-Euro-Ticket für den Nahverkehr in veränderter Form als „Klimaticket“ fortzuführen. Ziel ist es, „mit tariflichen Maßnahmen die Attraktivität des ÖPNV dauerhaft“ zu steigern, steht in einem Entwurf für das Klimaschutz-Sofortprogramm der Bundesregierung. Zuerst hatte das „Handelsblatt“ darüber berichtet. Demnach soll „ein vergünstigtes ‚Klimaticket‘ als einheitliche Länder-Nahverkehrs-Monats- beziehungsweise -Jahresfahrkarte für preisgünstige Bahnfahrten sorgen“. Gelten soll das Klimaticket im Regionalverkehr auf der Schiene und im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Für den Betrieb des öffentlichen Nahverkehrs sind eigentlich die Länder zuständig. Der Bund sei aber bereit, ein „Klimaticket“ „finanziell zu unterstützen“. Details dazu würden aber noch geprüft. So finden sich in dem Entwurf noch keine Hinweise darauf, wie viel ein „Klimaticket“ für die Verbraucher kosten könnte.

Klimaticket Nr. 2: Schon während der Corona-Pandemie 2021 forderte die Lobbyorganisation Deutsche Umwelthilfe (DUH) die Einführung eines bundesweit gültigen Klimatickets. Für nur 365 Euro im Jahr sollte es nutzbar sein und in ganz Deutschland eingeführt werden. Jedoch fahren könnte man damit stets nur mit dem ÖPNV in der jeweiligen Stadt. Das macht die Sache ungerecht, denn während die Berliner für 365 Euro richtig weit fahren könnten, wäre die Reichweite von Einwohnern kleinerer Verkehrsverbünde geringer. Das Modell der Deutschen Umwelthilfe sieht einfaches Ein- und Aussteigen vor, ohne darüber nachzudenken, welche Tarifstufe zu welcher Uhrzeit gilt und welches Anschlussticket noch gelöst werden müsste. Ohne konkrete Berechnungen vorzulegen, schreibt die DUH, die Finanzierung des Tickets wäre durch den Abbau der klimaschädlichen Subventionen von Dieselkraftstoff und Dienstwagennutzung gedeckt.

Frau Strand Handy
Frau Strand Handy

29-Euro-Ticket: Alles wie beim Neun-Euro-Ticket, nur etwas den Preis anheben wollen die Verbraucherzentralen. Die Chefin des Bundesverbands (vzbv), Jutta Gurkmann, stellt sich vor, dass ein leicht buchbares Ticket für alle Busse und Bahnen im Nahverkehr zu einem monatlichen Preis von 29 Euro, also rund einen Euro pro Tag, eingeführt werden soll. „Das würde in der Preiskrise alle entlasten, insbesondere aber Haushalte mit wenig Geld, und zudem der nötigen Verkehrswende mehr Schub geben.“ Auf den Vorschlag der Verbraucherzentralen reagierte Bundesverkehrsminister Wissing verhalten.

Länder-Plusticket: Der ökologische Verkehrsclub Deutschland (VCD) schlägt das Länder-Plusticket vor und fordert einen Zusammenschluss der zahlreichen Verkehrsverbünde in Deutschland. Denn der Sprung von einem Verbund in den nächsten ist mit Aufwand für die Fahrgäste verbunden und würde von bundesweiten Fahren abschrecken. Wenn es nach dem VCD geht, wäre die Fahrt durch ganz Deutschland für 135 Euro im Monat möglich. VCD-Chefin Kerstin Haarmann sagte, es brauche dauerhaft Zeitkarten für bundesländerübergreifenden und sogar deutschlandweiten Nahverkehr. Das sogenannte Länder-Plustickets wäre zum Preis von je 75 Euro monatlich erhältlich und gültig in insgesamt acht Großräumen. Auch für bundesweites Reisen im Regionalverkehr solle es dauerhaft Zeitkarten geben, der VCD geht hier mit einem Preisvorschlag von 135 Euro monatlich ins Rennen. Außerdem könnte es günstigere Jobtickets für etwa 60 Euro im Monat und noch deutlich preiswertere Sozialtickets für Leistungsempfänger sowie für Schüler, Auszubildende und Studierende geben. Die sollen dann 30 Euro monatlich kosten.

In Berlin war kurz der Nulltarif im Gespräch

Verschiedene Vorschläge liegen also auf dem Tisch und werden auch innerhalb der Regierung und Bundestagsfraktionen diskutiert, wie Business Insider aus Kreisen erfuhr. Im Rahmen der Einführung des Neun-Euro-Tickets hatten Städte wie Berlin sogar erwogen, die Nahverkehrs-Fahrkarte komplett kostenlos anzubieten. In einem Bericht der Senatsverwaltung für Verkehr an den Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses hieß es im Frühjahr: „Es wird (…) diskutiert, (…) die Preise für Abonnements in den Aktionsmonaten auf null Euro abzusenken.“ Diese Idee hatte man dann in der Hauptstadt schnell wieder verworfen. Der Grund: Der Berliner Senat rechnete mit zusätzlichen Kosten von rund 20 Millionen Euro nur für den Zeitraum eines Vierteljahres.

Indes machte Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) schon im Juni klar, dass Fahrgäste zunächst nicht mit einer Fortsetzung des Sonderangebots für Busse und Bahnen über August hinaus rechnen können. Diese Maßnahme sei als Reaktion auf die hohen Energiepreise gemeint und daher zeitlich befristet im Gesetz angelegt: „Dementsprechend gibt es derzeit keine Überlegungen, das zu verlängern.“

Video: Verbände fordern Lösungen für dauerhaft billigen Nahverkehr

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