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Verhaltener Start für Nährwertlogo Nutri-Score

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Seit November dürfen Lebensmittelkonzerne offiziell die farbige Nährwertkennzeichnung Nutri-Score verwenden. Doch das Interesse deutscher Hersteller bleibt bislang überschaubar.

Mit dem Nutri-Score sollen Kunden gesündere Lebensmittel im Supermarkt leichter erkennen können.  Foto: dpa
Mit dem Nutri-Score sollen Kunden gesündere Lebensmittel im Supermarkt leichter erkennen können. Foto: dpa

Jahrelang haben Verbraucherschützer für die Einführung einer klareren Kennzeichnung der Nährwertqualität von Lebensmitteln gekämpft. Kunden sollen so Dickmacher, aber auch gesündere Fertigprodukte leichter erkennen. Seit 6. November ist es soweit: der Nutri-Score darf rechtssicher auf Lebensmittelverpackungen prangen und soll Verbrauchern mit farbig gekennzeichneten Buchstaben die Auswahl erleichtern. Das in Frankreich entwickelte System bedeutet so viel wie „Nährwert-Punktzahl“ und bezieht neben Zucker, Fett und Salz auch empfehlenswerte Elemente wie Ballaststoffe, Eiweiß oder Anteile an Obst und Gemüse ein. Doch das Interesse deutscher Hersteller an dem Logo ist bislang überschaubar.

„Nach den uns vorliegenden Informationen haben sich zum jetzigen Zeitpunkt 58 Unternehmen aus Deutschland für die Verwendung des Nutri-Scores bei der für den Nutri-Score zuständigen Markeninhaberin, der Santé publique France, registriert“, teilt das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft auf Anfrage der WirtschaftsWoche mit.

Ob die Zahl der Unternehmen rasch steigt, ist fraglich. Mehrere Lebensmittelhersteller haben zwar eine Einführung angekündigt, wenn der Rechtsrahmen da ist. Weil eine gesetzliche Verpflichtung allein auf nationaler Ebene nach europäischem Recht aber nicht möglich ist, bleibt die Kennzeichnung freiwillig. Die Verbraucherorganisation Foodwatch sieht darin die Gefahr, dass Hersteller unausgewogener Produkte den Nutri-Score nicht nutzen. Dennoch haben auch Handelskonzerne wie Rewe angekündigt, die Kennzeichnung voranzutreiben. „Nach und nach werden Sie auf vielen unserer Eigenmarken auf Anhieb erkennen können, wie es um deren Nährwertqualität bestellt ist“, hatte etwa Rewe-Chef Lionel Souque Anfang des Jahres im Interview mit der WirtschaftsWoche gesagt.

Von dunkelgrün bis rot

Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) hatte sich lange gegen eine Lebensmittelampel gestemmt. Erst nachdem sich die Mehrheit bei einer Verbraucherbefragung 2019 für den Nutri-Score ausgesprochen hatte, befürwortete sie die Nutri-Score-Einführung. Das Logo bildet die Nährwertqualität eines Lebensmittels in einer fünfstufigen Skala ab: von „A“ auf dunkelgrünem Feld für die günstigste Bilanz über ein gelbes „C“ bis zum roten „E“ für die ungünstigste. Das zutreffende Feld wird hervorgehoben. Bei Getränken ist das „A“ nur für Wasser reserviert.

Was soll das bringen? Klöckner betont, Nutri-Score helfe gegen „versteckte Dickmacher“ und biete „Orientierung auf den ersten Blick“. Für genauere Angaben auch zu einzelnen Zutaten gebe es ja weiter Nährwerttabellen. Der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), Klaus Müller, verweist auf Untersuchungen, „dass die Ampelfarben dabei helfen, gesündere Produkte auszuwählen“. Allerdings gibt es auch zahlreiche Kritikpunkte am Nutri-Score. Um das Logo bekannter zu machen, plant das Ministerium eine Informationskampagne. Will ein Hersteller das Logo nutzen, muss er binnen zwei Jahren alle Produkte der registrierten Marke damit kennzeichnen.

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