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Verhaftetem Ex-Audi-Manager droht Auslieferung an die USA

Axel Eiser wurde in Kroatien festgenommen. Auf eine Überstellung nach Deutschland kann er wohl nicht hoffen. Die Auslieferung an die USA rückt näher.

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Hinter dem Aktenzeichen Kir-224/220 des Bezirksgerichts im kroatischen Pula verbirgt sich der Fall Axel Eiser. Der früher hochrangige Audi- und Volkswagen-Manager wurde an der Grenze zwischen Slowenien und Kroatien festgenommen. Daraufhin ordnete das Gericht in Pula die Untersuchungshaft an.

Pula, die Küstenstadt an der Südspitze der kroatischen Halbinsel Istriens, steht für schöne Strände, 2300 Sonnenstunden im Jahr, Kunst und Kultur. Für Eiser könnte die Stadt nun zum Schicksalsort werden.

Denn die hier angeordnete Untersuchungshaft soll nur eine Zwischenstation sein, bevor Eiser in die USA ausgeliefert werden kann. Dort drohen ihm viele Jahre Gefängnis. Er gehört nämlich zu einem Kreis von vier Audi-Managern, die wegen ihrer mutmaßlichen Verwicklung in den Dieselskandal angeklagt wurden.

Eiser war von Oktober 2009 bis 2013 Leiter der Entwicklungsabteilung für Dieselmotoren bei Audi und damit mitverantwortlich für das „Clean Diesel“-Projekt. Seit Anfang 2019 ist er zusammen mit den drei anderen Managern wegen Betrugs und Verschwörung angeklagt. Interpol Washington hatte Eiser deshalb zur Fahndung ausgeschrieben.

Am 9. Juni sei Eiser festgenommen worden, teilte das kroatische Justizministerium dem Handelsblatt auf Nachfrage mit. Das Innenministerium gab an, dies Verhaftung sei am Grenzposten Kastel erfolgt, als Eiser aus dem nördlichen Nachbarstaat Slowenien einreiste.

Deutsche Staatsanwälte verzichten auf Haftbefehl

Der Grenzübergang Kastel gilt für gewöhnlich als der am meisten frequentierte Grenzübergang der Region Istrien. Doch in Zeiten der Corona-Pandemie dürften trotz weitgehender Wiederaufnahme des Reiseverkehrs auch hier die Zahlen der Einreisenden noch überschaubar sein. Gerade einmal 115.000 Urlauber verbringen überhaupt derzeit ihre Ferien im gesamten Land, das sind nur 20 Prozent der Urlauberzahl zum selben Zeitpunkt des Vorjahres.

Wer nach Kroatien will, der muss bei der Einreise seine Kontaktdaten für die Dauer des Aufenthalts in dem Mittelmeerstaat registrieren lassen – wer lange Wartezeiten vermeiden will, kann dies sogar vorab online erledigen. Welche Variante Eiser wählte, ist nicht bekannt.

Nach der Festnahme in Kroatien muss Eiser mit einer Auslieferung nach Amerika rechnen. Der deutsche Staatsbürger ist nicht mehr vor der US-Justiz geschützt, sobald er Deutschland verlässt.

Zwar wird gegen Eiser auch in Deutschland ermittelt, doch das dürfte ihm kaum helfen: Die Münchener Staatsanwaltschaft, die im Audi-Komplex insgesamt 24 Beschuldigte auf ihrer Liste hat, wird nach Informationen aus Justizkreisen keinen Haftbefehl gegen Eiser ausstellen.

Auslieferung in die USA rückt näher

Für Eiser sind das keine guten Nachrichten. Ein solcher Haftbefehl der deutschen Justiz hätte den Manager vor einer Auslieferung in die USA bewahren können. Nach neuerer Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs ist Kroatien verpflichtet, im Heimatland des Beschuldigten nachzufragen, ob dieses ebenfalls ein Interesse an einer Auslieferung hat. In dem Fall hätte Eiser dann nach Deutschland überstellt werden können.

Doch die Münchener Ermittler sahen bis dato keinen Grund für einen Haftbefehl und sehen ihn demnach auch unter den veränderten Umständen nicht. So nehmen sie offenbar bisher weder einen dafür benötigten dringenden Tatverdacht an noch eine Fluchtgefahr.

Die Auslieferung in die Vereinigten Staaten rückt damit für Eiser näher. Die USA haben am Montag über ihre Botschaft in der kroatischen Hauptstadt Zagreb „die Einreichung eines Auslieferungsersuchens innerhalb der im gültigen Auslieferungsabkommen festgelegten Frist“ angekündigt.

Ob und welche Schritte Eisers Verteidiger eingeleitet hat, um einen Ausweg für seinen Mandanten aus der misslichen Situation zu finden, ist nicht bekannt. Auf Nachfragen reagierte Eisers Anwalt bislang nicht.