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Vergiss Marihuana und Rohstoff-Zocks – diese 3 Aktien aus Kanada mögen wir lieber

Ralf Anders, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

In ein gut diversifiziertes Depot gehören amerikanische Aktien. Aber nicht nur Kalifornien, Texas und New York haben eine Menge zu bieten, sondern auch Toronto, Montreal und Québec. Deshalb haben wir drei Autoren von Motley Fool gefragt, welche kanadischen Aktien sie Anlegern aus dem deutschsprachigen Raum ans Herz legen würden.

Kanadischer Evergreen mit österreichischem Tuning

Ralf Anders: Der kanadische Börsenzirkus ist wie kaum ein anderer in der Welt geübt darin, großartige Geschichten von fantastischen Goldadern und wahnsinnigen Wachstumschancen zu erzählen. Weitab vom Geschehen ist es fast unmöglich, abzuschätzen, wie viel Substanz tatsächlich hinter den oft jungen Unternehmungen steckt. Die Sache sieht natürlich ganz anders aus, wenn wir ein Unternehmen heranziehen, das auf eine jahrzehntelange Wachstumsstory zurückblicken kann.

Ein solches ist sicherlich Magna International (WKN: 868610), das vom österreichischen Auswanderer Frank Stronach aus einer Garage heraus aufgebaut wurde und sich rasant in die Spitzengruppe der internationalen Automobilzulieferer vorgearbeitet hat. Heute umfasst der Konzern 168 Tausend Mitarbeiter und 347 Fertigungsstandorte weltweit, einschließlich der wichtigen Tochter Magna Steyr in Graz. Eine große Stärke der Gruppe liegt in der effizienten Massenfertigung von modellspezifischen Bauteilen rund um Chassis, Türen, Dach und Karosserie, weshalb fast alle etablierten Autobauer zu den langjährigen Kunden zählen.

Hinzu kommt die Integrationskompetenz, die sich in der Fähigkeit ausdrückt, komplette Fahrzeuge im Auftrag von Autoherstellern in Serie zu bauen. Dass Magna sich dadurch auch als Engineering- und Produktionspartner für die immer zahlreicheren Startups qualifiziert, ist naheliegend. Interessant ist darüber hinaus, dass der Konzern seit einigen Jahren verstärkt in technisch anspruchsvollere Bereiche investiert.

Über den Kauf von GETRAG im Jahr 2016 erwarb Magna zum Beispiel umfassende Antriebsstrangkompetenz, einschließlich komplementärem Elektrifizierungs-Know-how. Somit ist das Unternehmen noch besser in der Lage, komplette Elektroautos nach Kundenanforderungen zu entwickeln, in hohem Maße mit eigenen Komponenten auszustatten und dann selbst zu fertigen. Auch wenn es um sensorgestützte Assistenzsysteme und passende Sitzkonzepte für den selbstfahrenden Lebensraum geht, hat es einiges beizutragen.

Magna behauptet sich in der aktuellen Schwächephase der Branche gut, verfügt über eine solide Bilanz und hat im ersten Halbjahr unterm Strich mehr als 1,5 Mrd. US-Dollar Gewinn ausgewiesen. Da erscheinen mir die 16,5 Mrd. US-Dollar für diesen kanadischen Evergreen ziemlich schnäppchenartig.

Marktführer im Megamarkt Wasserstoff

Christoph Gössel: Die Bewertung sieht in der Tat ziemlich günstig aus, Ralf – was man von meiner Aktie wohl nicht behaupten kann. Ich habe mich für Ballard Power Systems (WKN: A0RENB) entschieden, einem der Marktführer in Sachen PEM-Brennstoffzellentechnologie.

PEM-Brennstoffzellen kommen einerseits in wasserstoffbetriebenen Fahrzeugen zum Einsatz, wo sie vereinfacht gesagt aus Wasserstoff und Umgebungsluft Strom und Wasser produzieren. Diese Technologie könnte außerdem in Zukunft in groß angelegten Energiespeicherlösungen eine entscheidende Rolle spielen. Wer an Wasserstoff als Energiespeicher der Zukunft glaubt, für den ist Ballard Power möglicherweise interessant.

Trotz der eigentlich guten Marktsituation lösen die Zahlen von Ballard Power im Moment keine Freudensprünge aus. Der Umsatz soll 2019 auf dem Vorjahresniveau liegen und nach den ersten sechs Monaten hängt das Unternehmen sogar diesem niedrig gesteckten Ziel hinterher. Doch Investoren sollten sich von der kurzfristig enttäuschenden Entwicklung nicht entmutigen lassen, denn unter der Haube geht einiges voran.

So wurde mit dem chinesischen Joint-Venture-Partner Weichai Power ein dicker Vertrag abgeschlossen und der Auftragseingang vor allem aus Europa verzeichnet eine gute Entwicklung. Ballard stellte zudem im Juni eine neue Generation seiner Brennstoffzellenmodule vor, die gegenüber dem Vorläufer deutlich niedrigere Kosten bei verbesserter Flexibilität bietet. Auch das könnte dem Absatz auf die Sprünge helfen. Das scheint auch der Aktienmarkt so zu sehen, denn in diesem Jahr hat die Ballard-Aktie bereits um über 120 % zugelegt (Stand: 25.09.2019).

Das hat auch die Bewertung ordentlich in die Höhe schießen lassen: Das Kurs-Umsatz-Verhältnis liegt momentan bei 13 – ich denke, ich habe am Anfang meines Abschnitts nicht zu viel versprochen! Der Markt erwartet hier für die Zukunft also einiges an Wachstum, was den Titel zumindest aktuell nur für optimistische Anleger interessant macht. Doch die Aktie hat in der Vergangenheit immer wieder wild geschwankt und auch wieder günstigere Einstiegsgelegenheiten beschert. Investoren sollten außerdem noch wissen, dass Ballard noch ein gutes Stück davon entfernt ist, profitabel zu arbeiten. Jetzt bin ich gespannt auf deinen Pick, Thomas!

Möglichmacher im E-Commerce

Thomas Brantl: Christoph, Ralf – da habt ihr zwei wirklich interessante Kanada-Aktien gefunden! Bei mir wird’s ein bisschen digitaler – meine Top-Aktie aus dem Land mit dem Ahornblatt ist die Shopify (WKN: A14TJP)-Aktie.

Shopify bietet seinen Kunden Plattformen für deren Onlineshops. Wenn ich beispielsweise Stühle herstellen würde, dann könnte ich die Shopify-Plattform dazu nutzen, diese über’s Internet mit meinem eigenen Onlineshop zu verkaufen. Shopify ist aber nicht irgendein Plattformanbieter. Shopify hat eine Vision!

Wir wollen es mehr Menschen ermöglichen, Unternehmer zu werden. Der für viele Menschen am besten umsetzbare Weg: Einzelhandel! Daher wollen wir den Betrieb eines Onlineshops so einfach wie möglich machen, ihn gleichzeitig aber auf dem bestmöglichen technologischen Standard halten.

Ich liebe es, in Unternehmen mit einer großen Vision zu investieren – genau das ist bei Shopify in meinen Augen der Fall. Weiterhin investiere ich besonders gerne in familien- oder gründergeführte Unternehmen. Auch diesen Punkt erfüllt Shopify – Gründer Tobias Lütke ist CEO und besitzt außerdem rund 7 % aller Shopify-Aktien.

Dass die Konstellation „große Vision“ mit „gründergeführtem Hintergrund“” funktioniert, zeigen die Q2-Zahlen von Shopify: Der Umsatz stieg um 48 % verglichen mit dem Vorjahreszeitraum, das Volumen von über Shopify abgewickelten Transaktionen kletterte um 51 % und Lösungen auf Abo-Basis konnten um 38 % gesteigert werden.

Möglicherweise könnten wir bei Shopify gerade erst am Anfang von etwas ganz Großem stehen – genau deshalb steht die Shopify-Aktie weit oben auf meiner Watchlist!

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. Christoph Gössel besitzt Aktien von Ballard Power Systems. Thomas Brantl besitzt keine der erwähnten Aktien.

The Motley Fool hält und empfiehlt Aktien von Shopify.

 

Motley Fool Deutschland 2019