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Vergütung von 14 Millionen Euro: Kaeser könnte Topverdiener im Dax werden

Erstmals verdient der Siemens-Chef insgesamt deutlich mehr als zehn Millionen Euro. Kaesers Vize Roland Busch kommt auf gut sieben Millionen Euro.

Siemens-Chef Joe Kaeser hat Chancen, in diesem Jahr zum Dax-Chef mit dem höchsten Einkommen aufzusteigen. Im Geschäftsjahr 2018/19 (30.September) erhielt der Vorstandsvorsitzende eine Gesamtvergütung von 14,25 Millionen Euro. Das geht aus dem Geschäftsbericht hervor, den der Konzern an diesem Mittwoch veröffentlicht hat.

Ein Vergleich mit den aktuellen Vergütungen anderer Dax-Chefs ist noch nicht möglich. Da das Geschäftsjahr von Siemens bereits am 30. September endete, veröffentlichten die Münchener ihren Geschäftsbericht bereits jetzt. Die meisten anderen Unternehmen legen ihre Berichte erst im kommenden Jahr offen.

Der Einkommenssprung von 9,6 auf einen Gesamtzufluss von mehr als 14 Millionen Euro ist auch auf einen Sondereffekt zurückzuführen. Wegen einer Umstellung des Systems vor einigen Jahren werden jetzt die langfristigen Tantiemen für zwei Jahre in der Vergangenheit ausgezahlt, nämlich für 2014 und 2015, und nicht wie üblich nur für eines. Dafür hatten die Vorstände im Jahr 2014 gar keinen Langfristbonus ausgezahlt bekommen.

Von diesem Effekt profitierten alle Siemens-Vorstände, die bereits 2014 im Führungsgremium waren. So stieg die Gesamtvergütung von Technologievorstand Roland Busch, der gerade zum Stellvertreter befördert wurde, von 5,1 auf 7,3 Millionen Euro. Bei Finanzvorstand Ralf Thomas wuchs die Gesamtvergütung von 3,7 auf 7,3 Millionen Euro. Cedrik Neike, der erst im Frühjahr 2017 in den Vorstand kam und noch nicht von langfristigen Stock Awards profitierte, verdiente insgesamt knapp drei Millionen Euro.

Immer wieder knacken deutsche Spitzenmanager bei der Vergütung kurzfristig die Zehn-Millionen-Euro-Marke. Zuletzt war es Beiersdorf-Chef Stefan Heidenreich. 2018 kassierte er mehr als 23 Millionen Euro Heidenreich und übertraf damit alle bisherigen Dax-Rekorde. Auch hier wirkten sich Sondereffekte im Form nachgezahlter Longterm-Incentives aus Vorjahren aus. Rang zwei der Topverdiener belegte im vergangenen Jahr Allianz-Chef Oliver Bäte, gefolgt vom ehemaligen SAP-CEO Bill McDermott und Siemens-Chef Kaeser.

Der frühere VW-Chef Martin Winterkorn wäre vor Jahren schon einmal auf fast 19 Millionen Euro gekommen. Massive Kritik veranlasste allerdings den Aufsichtsrat des Autokonzerns damals, die Bezüge zu deckeln.

Solche Gehaltsausreißer sind denn auch immer wieder Anlass, generelle Vergütungsobergrenzen für Manager zu fordern. Bislang gibt es die allerdings nicht. Die Regierung hat lediglich in ihre jüngst verabschiedete Novelle des Aktienrechts die Vorschrift eingefügt, dass der Aufsichtsrat einen Maximalbetrag für jedes einzelne Vorstandsmitglied künftig nennen muss.

Keine fixe Obergrenze

Bei Siemens gibt es wie bei fast allen börsennotierten Unternehmen bis heute keine fixe Gehaltsobergrenze. Auch ohne den Sondereffekt hätte Konzernchef Kaeser die Zehn-Millionen-Euro-Marke in diesem Jahr übertroffen. Laut Aufsichtsratskreisen sind einige Kontrolleure der Ansicht, dass diese Schwelle zumindest nicht deutlich übertreffen werden sollte, damit die Schere zwischen Topmanagement und Ingenieursbasis nicht zu weit auseinanderklafft.

Einer der wenigen Dax-Konzerne, die eine definitive Gehaltsobergrenze festgelegt haben, ist Thyssen-Krupp. Der CEO kann pro Jahr maximal neun Millionen Euro ausgezahlt bekommen, die anderen Vorstände 4,5 Millionen Euro.

Kaeser steht seit 2013 an der Spitze von Siemens. Er will den radikalen Umbau im kommenden Jahr mit der Aufspaltung des Unternehmens beenden. Das Energiegeschäft, das für 40 Prozent der Umsätze steht, kommt als Siemens Energy an die Börse.

Kaesers Amtszeit läuft Anfang 2021 aus. Der Aufsichtsrat will im kommenden Sommer über die Nachfolge entscheiden – Busch gilt derzeit als gesetzt. In Industriekreisen wird es für möglich gehalten, dass der Wechsel auch schon im Sommer vollzogen werden könnte.

Siemens stellt derzeit sein Vergütungssystem um. Bei den Langfrist-Boni werden künftig zu 20 Prozent auch Themen wie Nachhaltigkeit und Governance berücksichtigt. Zudem vergleicht sich Siemens in der Performance am Aktienmarkt nicht mehr mit ausgewählten Konkurrenten, sondern mit einem breiteren Index.

In Aufsichtsratskreisen geht man davon aus, dass die theoretisch erreichbare Obergrenze künftig leicht steigen könnte, die ausgezahlten Vergütung in der Praxis aber nicht höher ausfallen dürften.

Mehr: Im Schmiergeld-Prozess gegen Siemens sind die Urteile verkündet worden: Heinrich von Pierer und sechs weitere Ex-Manager bekamen langjährige Haftstrafen.