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Vom Verbrenner zum E-Auto in acht Stunden: Münchner Startup will jedes Auto zum Elektroauto machen

Sebastian Hunold ist der Chef von E-Revolt, einem Startup, das eine standardisierte Technoligie für das Einwechseln von E-Motoren in Verbrennerautos entwickelt hat. - Copyright: E-Revolt / Getty Images / Flavio Coelho
Sebastian Hunold ist der Chef von E-Revolt, einem Startup, das eine standardisierte Technoligie für das Einwechseln von E-Motoren in Verbrennerautos entwickelt hat. - Copyright: E-Revolt / Getty Images / Flavio Coelho

Wer derzeit auf die Homepage des Münchener Startups E-Revolt klickt, bekommt es mit einem Pop-up-Fenster zu tun. Das Team warnt: E-Revolt erhalte derzeit so viele Nachrichten, dass sie nicht mehr hinterherkämen. Es ist der erste, kleine Medienrummel um das Mobilitäts-Startup. Seit E-Revolt auf der IAA seinen ersten fahrtüchtigen Prototypen präsentiert hat, sind reichweitenstarke Medien, wie Euronews auf E-Revolt aufmerksam geworden. Mehr als 1000 Nachrichten hätten ihn seitdem erreicht, sagt Mitgründer Sebastian Hunold – knapp 500 Interessenten hätten sich auf eine Warteliste setzen lassen: Sie wollen ihren Verbrenner möglichst bald mit E-Revolt umrüsten lassen.

Denn E-Revolt hat eine Technologie entwickelt, mit dem Verbrenner innerhalb eines Tages auf Elektroantrieb umgestellt können sollen. Bisher dauert eine solche Anpassung Wochen oder gar Monate. Dahinter steht eine Vision: „Bisher sind Elektroautos Luxusgut oder Liebhaberei“, sagt Hunold. „Das wollen wir ändern“.

E-Revolt wurde 2021 in München gegründet, das Startkapital stellte das Team anfangs selbst. 2022 gewann Hunold mit Jörg Walden als Seed-Investor, 2023 hat das Team seinen ersten Prototypen fertiggestellt. Wenn alles glattläuft, will Hunold 2025 den kommerziellen Betrieb aufnehmen. Warum sein Unternehmen zwar das Wort „Revolution“ im Namen trägt, aber „bloß nicht das Rad neu erfinden“ will, verrät er im Gespräch mit Gründerszene.

Umbau von Verbrenner auf Elektro soll Elektromobilität bezahlbar machen

Sebastian Hunold ist studierter Ingenieur, Mitgründer und erster Vollzeit-Mitarbeiter von E-Revolt. „Wenn ich eine neue Küche brauche, reiße ich ja auch nicht das ganze Haus ab”, sagt der 36-Jährige, ganz Circular Economist. Er ist überzeugt: Wer bisher einen Benziner fährt, aber aus Klima- oder Kostengründen auf Elektro umsteigen will, braucht kein komplett neues Auto – sondern vor allem einen neuen Motor. Den auszutauschen, ist bisher aber kaum erschwinglich. Genauso wie viele Elektrofahrzeuge, die nach wie vor ein deutlich höheres Preisschild tragen, als vergleichbare Verbrenner. Zumal aktuell im Rahmen der Haushalts-Kürzungen der Bundesregierung der Umweltbonus für E-Autos abrupt geendet ist.

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E-Revolt will die Elektromobilität als solche zugänglicher machen. Dazu stelle man eines grundsätzlich infrage, sagt Hunold: „Warum muss ich immer alles neu machen?“ Er will den Pkw upgradebar machen. Da ist er nicht der Erste – bisher kostete der Prozess in aller Regel aber viel Zeit und Geld: „50.000 Euro, drei Monate Wartezeit“, mutmaßt der Ingenieur. Beide Parameter will E-Revolt senken, um das Konzept attraktiver zu machen. Dazu geht das Startup den Weg der Standardisierung. 15.000 Euro kostet eine Umrüstung durch E-Revolt aktuell. Mit wachsender Produktion soll sich der Preis aber weiter vergünstigen.

Ein standardisiertes Einbau-Set soll die Kosten stark senken

Das bisherige Erfolgsgeheimnis von E-Revolt gehe auf das Mantra „Nicht das Rad neu erfinden“ zurück, sagt Hunold. Sein Team setzt in vielerlei Hinsicht auf Partnerschaften: mit Autozulieferern, Werkstätten und Versicherern.

Zum einen haben die Münchner einen patentierten Rahmen entwickelt, in denen Elektromotor, Batterie und Steuerung anderer Hersteller eingelassen sind. Dieser Rahmen passt an die vorhandenen Befestigungspunkte des Pkws, erfüllt alle behördlichen Sicherheitsanforderungen und soll eine routinierte Montage ermöglichen. Die Sets werden gemeinsam mit Partnerzulieferern in Modularbauweise vormontiert, bevor sie je nach Bedarf an Partnerwerkstätten verschickt werden. Eine Werkstatt in ihrer Nähe sollen Kunden ab 2025 über die E-Revolt-Website finden können. Die Resonanz vonseiten der Mechaniker sei „enorm“, sagt Hunold.

In den Werkstätten wird zuerst der Verbrennungsmotor ausgebaut und innerhalb eines Arbeitstages durch den E-Kitt aus München ersetzt. Der ist TÜV-geprüft und kann über Nacht aufgeladen werden – sodass der Verbrenner am nächsten Tag als E-Auto auf die Straße kann.

Das Team hinter E-Revolt mit einem VW Golf – vor dessen Aufrüstung vom Verbrenner zum E-Auto. V.l.n.r.: Sebastian Hunold, Erst-Investor Jörg Walden, Fahrzeugentwickler Rolf Behling sowie Timo Walden, Projektmanager und über die Holding seines Vaters ebenfalls Investor. - Copyright: E-Revolt
Das Team hinter E-Revolt mit einem VW Golf – vor dessen Aufrüstung vom Verbrenner zum E-Auto. V.l.n.r.: Sebastian Hunold, Erst-Investor Jörg Walden, Fahrzeugentwickler Rolf Behling sowie Timo Walden, Projektmanager und über die Holding seines Vaters ebenfalls Investor. - Copyright: E-Revolt

Zum anderen installiert E-Revolt mit seinem Kit eine Software, die, einfach ausgedrückt, die neuen E-Komponenten an den bestehenden Zentralrechner des Wagens anbindet. Das sorgt dafür, dass die für ein Elektrofahrzeug relevante Fahrzeugfunktionen – Restreichweite, Ladesteuerung, Routenplaner zur nächsten Ladesäule – funktionieren. Bislang fielen solche Funktionen bei der Elektrifizierung eines Verbrenners meist unter den Tisch, sagt Hunold. Das entsprechende Entwicklermodul befinde sich derzeit im Patentierungsprozess.

E-Revolt hat damit letztlich nur zwei Schlüsselelemente seines Modular-Baukastens selbst entwickelt: den Rahmen, und die Software, die die Erweiterung der Fahrerassistenzsysteme ermöglicht. Darüber hinaus setzt das Startup auf Partnerschaften.

Das einmal zertifizierte Einbau-Set soll auch Behördengänge abkürzen

Der standardisierte Prozess soll auch das Zulassungsverfahren durch die Behörden beschleunigen: Das Einbau-Kit und der Einbauprozess seien jeweils schon staatlich geprüft und zertifiziert, sagt Hunold. Dadurch soll die einzelne Fahrzeug-Prüfung nach dem Einbau in der Werkstatt wesentlich kürzer ausfallen, als bei einer individuellen Fahrzeuganpassung. „In puncto Zeitaufwand ist das mit der Zweijahresprüfung beim TÜV vergleichbar“, sagt der Founder. Mit der erfolgreichen Zulassung sollen Besitzer eines umgerüsteten Pkws ein E-Kennzeichen erhalten, inklusive entsprechender Steuervorteile.

E-Revolt mit ihrem ersten zum E-Fahrzeug umgerüsteten Auto auf der IAA, gemeinsam mit Hildegard Müller, Chefin des Verbands der Automobilindustrie (Mitte). Müller schaut durch die verglaste Motorhaube des ehemaligen Verbrenners auf den E-Revolt-Einsatz. - Copyright: E-Revolt
E-Revolt mit ihrem ersten zum E-Fahrzeug umgerüsteten Auto auf der IAA, gemeinsam mit Hildegard Müller, Chefin des Verbands der Automobilindustrie (Mitte). Müller schaut durch die verglaste Motorhaube des ehemaligen Verbrenners auf den E-Revolt-Einsatz. - Copyright: E-Revolt

„Bei VW wissen die Kunden, was sie bekommen. Bei einem neuen Motor von E-Revolt nicht“, sagt Hunold. Sein Startup setzt deshalb auch auf die Zusammenarbeit mit etablierten Firmen – um Kundenvertrauen aufzubauen. Der Schweizer Versicherungs-Konzern Zürich Versicherungen soll Kunden von E-Revolt eine Zweijahresgarantie auf ihren aufgerüsteten Pkw gewähren. Die Partnerschaft mit dem Versicherungs-Riesen werde Kunden den entsprechenden „Peace of Mind“ verschaffen, hofft der ehemalige Insurance-Manager.

Auf diese Studie bauen die E-Revolt-Erfinder für ihre Umbau-Lösung

Es stimmt, dass, wer eine neue Küche braucht, selten gleich ein neues Haus kauft. Bloß: lässt sich dieses Bild wirklich auf Pkws übertragen? Wie groß ist das Interesse in Deutschland? Hunold kann sich hierbei bisher nur auf eine britische Studie von 2021 berufen, die das Interesse an zu E-Fahrzeugen umgerüsteten Verbrennerautos auf dem deutschen Markt untersucht. Die Studie stammt von einem Wirtschafts-Doktoranden der University of York – anhand eines Fragebogens hat Fabian Hoeft online die Wahrnehmungen und Wünsche von knapp 80 Interessenten erhoben. Das Ergebnis: 40 Prozent der Befragten standen der Idee eines „konvertierten“ Fahrzeugs offen gegenüber. Etwa ein Viertel hegte Vorbehalte.

Eine greifbarere Bestärkung hat Hunold seit der Berichterstattung von der IAA erfahren: Knapp 500 Interessenten stehen jetzt auf seiner Warteliste. Den kommerziellen Start erhofft sich Hunold für 2025 – vorausgesetzt es klappt mit den Investoren. Die nächste Finanzierung will E-Revolt im ersten Jahresviertel 2024 abgeschlossen haben. Das Startup muss mehrere Millionen raisen: Hardware ist teuer. Sonst dauert es länger mit dem Abarbeiten der Warteliste.