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Verbraucherzentrale fordert: Kurz haltbare Lebensmittel besser kennzeichnen

Sandra Alter
·Freiberufliche Journalistin
·Lesedauer: 3 Min.

Ein Marktcheck der Verbraucherzentrale kommt zu dem Ergebnis: Bessere Kennzeichnung von Produkten würde die Verschwendung von Lebensmitteln reduzieren.

Dairy Discount in Grocery Store
(Bild: Getty)

Ob Butter, Quark oder Käse – viele Lebensmittel sind noch weit über das angegebene Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) hinaus tadellos und genießbar. Dennoch landen jährlich viele Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll, weil das MHD abgelaufen ist.

Nach Einschätzung der Verbraucherzentrale Hamburg könnte der Einzelhandel viel mehr dazu beitragen, die Verschwendung von Lebensmitteln zu reduzieren.

Schnäppchen besser kennzeichnen

Nur noch kurz haltbare Lebensmittel werden in vielen Märkten stark rabattiert angeboten. Und sicher würden Verbraucher viel öfter bei solchen Schnäppchen zugreifen, wenn die Ware gut sichtbar gekennzeichnet wäre. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle Marktcheck 2020 der Verbraucherzentrale.

Überprüft wurden stichprobenartig Supermärkte und Discounter. Dabei suchten die Tester den reduzierten Preis direkt auf fast abgelaufener Ware meist vergebens. “Gerade dies wünschen sich Verbraucher aber, damit sie nicht erst an der Kasse erfahren, wie viel sie für die knapp haltbaren Lebensmittel zahlen müssen”, so Silke Schwartau von der Verbraucherzentrale Hamburg.

Gute Präsentation bei Rewe und Lidl

Nach Einschätzung der Verbraucherschützer kennzeichnen die Händler Rewe und Lidl fast abgelaufene Produkte am besten. Sie werden bei diesen beiden Händlern mit großen, gut erkennbaren Aufklebern versehen und stehen zwischen den normal haltbaren Lebensmitteln im Regal.

Bei Aldi und Netto hingegen hätten die Testkäufer vergebens nach Hinweisen zur verminderten Haltbarkeit der Waren gesucht, die Produkte seien lediglich mit roten Aufklebern versehen.

Auch Kisten mit gemischten, fast abgelaufenen Lebensmitteln hält die Verbraucherzentrale für keine gute Präsentation, auch weil sie unhygienisch seien.

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Hinweise sollen Kaufanreiz schaffen

Nach Meinung der Experten sollte der Einzelhandel mehr Kaufanreize durch Hinweise und Labels schaffen. Spezielle Auslobungen wie “Ich bin noch gut – 50%“, “Super günstig und immer noch super lecker“, “Preisvorteil aufgrund begrenzter Haltbarkeit“, “Kurze Haltbarkeit -30%“ oder “Zum sofortigen Verzehr reduziert“ seien positive Beispiele für die Warenpräsentation. Sie waren im Rahmen des Marktchecks jedoch nur bei Rewe, Lidl, Real sowie Kaufland zu finden.

Neue Labels sollen Umdenken fördern

Positiv bewerten die Verbraucherschützer auch die Entwicklung neuer Labels wie “Ich halte oft länger als man denkt“ oder “Kostbares retten – riechen, probieren, genießen“. Die sollen Verbraucher ermuntern, sich nicht blind auf das Mindesthaltbarkeitsdatum zu verlassen.

Zwar habe sich die Warenpräsentation im Vergleich zu den Vorjahren verbessert, aber grundsätzlich müsse die Kennzeichnung der Produkte noch verbraucherfreundlicher werden.

“Wenn nicht mehr so viele Lebensmittel weggeworfen werden sollen, müssen kurz haltbare Produkte im gesamten Sortiment deklariert werden. Am besten findet man die Lebensmittel am üblichen Regalplatz sowie nach Produktgruppen sortiert in übersichtlichen Kisten. Unattraktive Wühlkisten müssen der Vergangenheit angehören. Der reduzierte Preis der Waren sollte schon am Produkt und nicht erst an der Kasse ausgewiesen werden“, sagt Silke Schwartau.

Die ausführlichen Ergebnisse des „Marktchecks 2020“ finden Sie hier auf den Internetseiten der Verbraucherzentrale Hamburg.

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