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Inflation in Deutschland zieht deutlich an

Mallien, Jan
·Lesedauer: 2 Min.

Im Januar sind die Preise erstmals seit sechs Monaten wieder gestiegen. Ökonomen erwarten einen weiteren Anstieg und stärkere Differenzen im Euro-Raum.

Vor allem für Lebensmittel mussten Verbraucher im Januar tiefer in die Tasche greifen als ein Jahr zuvor. Foto: dpa
Vor allem für Lebensmittel mussten Verbraucher im Januar tiefer in die Tasche greifen als ein Jahr zuvor. Foto: dpa

Die Inflation in Deutschland ist zum Jahresbeginn deutlich nach oben gesprungen. Die monatliche Rate stieg im Januar auf 1,0 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Im Dezember hatte sie noch bei minus 0,3 Prozent gelegen.

Der Zuwachs hängt vor allem mit zwei Effekten zusammen. Einerseits ist die seit Juli 2020 geltende temporäre Senkung der Mehrwertsteuer auf 16 Prozent zu Jahresbeginn ausgelaufen und der Satz liegt nun wieder bei 19 Prozent. Nahrungsmittel verteuerten sich auch deshalb um 2,2 Prozent zum Vorjahreszeitraum und damit deutlich stärker als im Dezember mit 0,5 Prozent. Außerdem werden Brennstoffe seit Jahresbeginn mit einer CO2-Abgabe von 25 Euro je Tonne belastet.

Ökonomen erwarten aber auch für die kommenden Monate einen weiteren Anstieg. Commerzbank-Ökonom Marco Wagner rechnet damit, dass die Inflation im zweiten Halbjahr zweitweise auf bis zu drei Prozent steigt. Im Jahresdurchschnitt erwartet er einen Wert von 2,3 Prozent.

Die Europäische Zentralbank (EZB) strebt für den gesamten Euro-Raum einen Wert von knapp unter zwei Prozent an. Dieses Ziel verfehlt sie seit Jahren. Eine höhere Inflation in Deutschland wäre daher eine gute Nachricht für Notenbankchefin Christine Lagarde und ihre Kollegen.

Allerdings dürften die Werte in anderen Euro-Ländern niedriger ausfallen. Anders als in Deutschland gab es dort im vergangenen Jahr keine temporäre Mehrwertsteuersenkung, die nun ausläuft, und die Wirtschaft leidet dort noch stärker unter der Corona-Pandemie. Im Dezember lag die Inflation in Griechenland bei minus 2,4 Prozent, in Spanien bei minus 0,6 Prozent und in Italien bei minus 0,3 Prozent. Laut ING-Ökonom Carsten Brzeski könnte der Anstieg der Inflation in Deutschland daher zu einer „kommunikativen Herausforderung“ für die EZB werden.

Statistischer Effekt schlägt ab Sommer durch

Wahrscheinlich werden die Inflationsunterschiede zwischen Deutschland und dem Rest der Euro-Zone im Sommer weiter zunehmen. Denn erst dann macht sich der so genannte Basiseffekt durch die Mehrwertsteuersenkung in Deutschland voll bemerkbar. Weil im vergangenen Jahr die Mehrwertsteuer in Deutschland ab Juli temporär gesenkt wurde, war die Inflationsrate ab diesem Zeitpunkt besonders schwach. Im Vergleich dazu dürften die Werte in diesem Jahr dann noch höher ausfallen.

Für den gesamten Euro-Raum geht Brzeski aber davon aus, dass die Wirtschaft „nicht vor Anfang 2022“ ihr Vorkrisenniveau erreicht. Arbeitslosigkeit und Insolvenzen würden zwangsläufig zunehmen, was aus seiner Sicht die Inflation dämpfen wird.

Hinzu kommt, dass der Euro zuletzt deutlich aufgewertet hat. Seit seinem Tief im März 2020 wertete er um rund 13 Prozent gegenüber dem Dollar auf. Ein starker Euro sorgt dafür, dass Exporte aus dem Euro-Raum im Ausland tendenziell teurer werden, was das Wachstum dämpft. Gleichzeitig werden Importe hierzulande billiger – was die Inflation drückt.