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Verbraucher haken Corona ab – Kauflaune erreicht wieder das Vorkrisenniveau

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Positive Arbeitsmarktzahlen haben die Verbraucherlaune der Deutschen angekurbelt. Der Einzelhandel könnte dieses Jahr sogar einen Umsatzrekord aufstellen.

Trotz steigender Infektionszahlen ist die Konsumlaune der Deutschen ungebrochen. Foto: dpa
Trotz steigender Infektionszahlen ist die Konsumlaune der Deutschen ungebrochen. Foto: dpa

Deutschlands Verbraucher lassen sich die Stimmung von den wieder steigenden Infektionszahlen bislang nicht verderben. Das signalisiert das HDE-Konsumbarometer. Der Indikator für Oktober stieg den fünften Monat in Folge auf nunmehr 98,66 Zähler an.

Vor allem die Konjunkturerwartungen der Verbraucher zogen spürbar an und liegen nun bereits wieder auf dem Niveau zum Jahresauftakt. Das Barometer basiert auf einer repräsentativen Verbraucherbefragung; es wird monatlich vom Handelsblatt Research Institute für den Handelsverband HDE berechnet.

Ein wesentlicher Grund für die wachsende Zuversicht dürfte der stabile Arbeitsmarkt sein. „Der Rückgang der Kurzarbeit schreitet stetig voran“, sagte Ifo-Arbeitsmarkt-Experte Sebastian Link. Nach Schätzungen des Ifo-Instituts sank die Anzahl der Kurzarbeiter im September auf 3,7 Millionen Menschen, von 4,7 Millionen im August.

Auch Daniel Terzenbach, Vorstand der Bundesagentur für Arbeit, sprach von „leichten Zeichen der Besserung“, nachdem die saisonbereinigte Arbeitslosigkeit im September den dritten Monat in Folge gesunken war. Zudem planen die Unternehmen offenbar allmählich wieder Neueinstellungen, wie Frühindikatoren für den Arbeitsmarkt signalisieren.

Die Anschaffungsneigung der Verbraucher stieg für Oktober zwar nicht weiter, doch konnte der hohe Wert des Vormonats gehalten werden, wie die Details des HDE-Barometers zeigen. Die Anschaffungsneigung ist damit ebenfalls wieder auf dem Niveau vom Jahresanfang. Die Kundenzahlen in Einzelhandelsgeschäften ohne Lebensmittelhandel haben laut Google-Daten ebenfalls wieder Normalniveau erreicht.

Online-Handel gewinnt an Bedeutung

Nach aktuellem Stand dürfte der Einzelhandel dieses Jahr sogar einen Rekordumsatz erzielen. Laut amtlichen Daten war der Umsatz im Einzelhandel im August im Vergleich zum Februar, dem Monat vor Ausbruch der Corona-Pandemie, kalender- und saisonbereinigt real um 5,8 Prozent höher. In den ersten acht Monaten dieses Jahres überstieg der Einzelhandelsumsatz den Vorjahreswert real um 2,9 Prozent.

Das Problem vieler traditioneller Einzelhändler dabei ist, dass immer mehr Umsatz ins Internet abwandert. In den ersten acht Monaten dieses Jahres legte der Internet- und Versandhandel mit einem realen Plus von 20,8 Prozent siebenmal so stark zu wie der gesamte Einzelhandel. Waren- und Kaufhäuser, die die Statistiker als „sonstigen Einzelhandel mit verschiedenen Waren“ bezeichnen, mussten gar ein Minus von 12,9 Prozent hinnehmen.

„Angesichts der Umsatzrückgänge können viele Händler ihre Mieten nicht in voller Höhe bezahlen“, warnt der HDE. Die Lage vieler Bekleidungshändler in den Stadtzentren sei kritisch. Daher sei es notwendig, dass die Vermieter den Händlern entgegenkämen und die Mieten senkten.

Umstritten ist die Wirkung der temporären Umsatzsteuersenkung. In einer Umfrage unter 2300 Kleinunternehmen und Selbstständigen gaben lediglich drei Prozent der Befragten an, dass ihre Kunden mehr gekauft hätten. Sieben Prozent sehen bei ihren Kunden sogar geringere Ausgaben, 82 Prozent sehen keine Veränderung. Laut „Corona Consumer Check“ des Handelsforschungsinstituts IFH animierte die Steuersenkung lediglich elf Prozent der Konsumenten dazu, shoppen zu gehen.

Hohe Umsatzzuwächse im Bereich „Einrichtungsgegenstände, Haushaltsgeräte und Baubedarf“ legen jedoch nahe, dass viele Verbraucher zumindest einen Teil des Geldes, das sie im Sommer wegen des ausgefallenen Auslandsurlaubs gespart haben, in langlebige Konsumgüter gesteckt haben.

Außerdem ist nicht ausgeschlossen, dass im Weihnachtsgeschäft angesichts der zum Jahreswechsel wieder steigenden Umsatzsteuer es zu einer Schlussverkaufsstimmung kommen könnte. Das Verbrauchervertrauen ist gegenwärtig jedenfalls keineswegs schlecht.

Mehr: Das HDE-Konsumbarometer steigt im September den vierten Monat in Folge. Auch andere wichtige Indikatoren zeigen eine Konjunkturerholung an.