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Verbindung von Gehirn und Computer: Diese Deutschen machen Elon Musk Konkurrenz

·Lesedauer: 4 Min.
Die beiden Gründer von Blackrock Neurotech Florian Solzbacher (links) und Marcus Gerhardt kennen sich noch aus der gemeinsamen Schulzeit.
Die beiden Gründer von Blackrock Neurotech Florian Solzbacher (links) und Marcus Gerhardt kennen sich noch aus der gemeinsamen Schulzeit.

Seit mehr als zehn Jahren arbeiten die beiden Deutschen Florian Solzbacher und Marcus Gerhardt (beide 47) an einer Schnittstelle zwischen dem menschlichen Gehirn und einem Computer. Damit wollen sie etwa querschnittsgelähmten Patienten helfen, wieder Arme oder Beine spüren und bewegen zu können. Im akademischen Umfeld haben sie sich damit schon einen Namen gemacht – in der Startup-Szene bislang nicht. Das hat sich in dieser Woche geändert, seit die beiden umtriebigen Wagniskapitalinvestoren Christian Angermayer und Peter Thiel in ihre Firma investiert haben.

Ihr Unternehmen Blackrock Neurotech, das nichts mit dem gleichnamigen Vermögensverwalter zu tun hat, haben Solzbacher und Gerhardt 2008 im US-amerikanischen Bundesstaat Utah gegründet. Mit ihrer Firma entwickeln sie sogenannte Brain-Computer-Interfaces (BCIs). Die Mini-Computer sind mit Elektroden ausgestattet, die in verschiedenen Teilen des Gehirns implantiert sind. Dort empfangen diese Signale und wandeln sie in elektronische Reaktionen um. An einer ähnlichen Technologie arbeitet Elon Musk mit seinem Unternehmen Neuralink.

Gründerszene hat mit den beiden Gründern über die aktuelle Finanzierung gesprochen und über die Frage, weshalb ihnen die Konkurrenz von Musk keine Sorgen bereitet.

Ihr habt gerade zehn Millionen US-Dollar aufgenommen, zum ersten Mal in eurer Unternehmensgeschichte. Weshalb erst jetzt?

Florian Solzbacher: Unsere Technologie funktioniert, das haben wir bewiesen. Jetzt geht es uns darum, sie einer viel breiteren Masse an Patienten zugänglich zu machen. Ein BCI-Device sollte genauso zugänglich sein wie ein Herzschrittmacher. Im vergangenen Jahr sind wir an einen Punkt gekommen, an dem Bootstrapping nicht mehr funktioniert hat. Also haben wir uns nach guten Partnern umgesehen.

Wie habt ihr euch bislang finanziert?

Marcus Gerhardt: Wir haben gleich nach der Gründung 2008 damit begonnen, unsere Forschung zu kommerzialisieren und sind so innerhalb von neun Monaten profitabel geworden. Wir haben unsere Entwicklungen an Neuroforscher auf der ganzen Welt verkauft, wie zum Beispiel Elektroden oder Stimulatoren. Das hat uns erlaubt, weiter an unserem BCI-System zu arbeiten.

Ist es für eine Deeptech-Firma wie eure nicht eher ungewöhnlich, erst so spät Wagniskapital einzusammeln?

Gerhardt: Ja, vielleicht. Man muss aber bedenken, dass über die ganze Zeit bereits mehr als 25 Millionen US-Dollar in unsere Firma geflossen sind – zum einen durch Unternehmensgewinne, die wir reinvestiert haben. Zum anderen aber durch Forschungsstipendien und Projekte, auf die sich Florian und unsere anderen Forscher erfolgreich beworben haben.

Wie kam der Kontakt zu euren neuen Investoren zustande?

Gerhardt: Tim (Sievers, Gründer von Deposit Solutions, Anmerk. d. Red.) und ich haben uns in Oxford kennengelernt und nach der Uni gemeinsam in einem E-Commerce-Startup erste Arbeitserfahrungen gesammelt. Später habe ich ihm sogar eine Zeitlang beim Aufbau von Deposit Solutions in Köln geholfen. Wir sind immer in Kontakt geblieben. Ich wollte ihn eigentlich nur informieren, was wir mit Blackrock so machen und dass wir vorhaben, in der kommenden Zeit Wagniskapital einzusammeln. Er meinte, das müsste sofort passieren und wir bräuchten jemanden wie Christian Angermayer an Bord.

Neben Thiel und Angermayer interessiert sich noch ein anderer umtriebiger Startup-Milliardär für BCIs: Elon Musk.

Solzbacher: Im akademischen Umfeld beschäftigen wir uns schon sehr lange mit dem Thema BCI. Musk hat mit Neuralink auch die breite Öffentlichkeit auf das Thema aufmerksam gemacht.

Gerhardt: With rising tides all boats rise. Wenn wir in einer etablierten Branche unterwegs wären, würde ich mir vielleicht Sorgen machen. Aber das sind wir nicht, der Markt ist sehr groß.

Solzbacher: Unser Ansatz ist außerdem etwas anders als der von Herrn Musk. Wir sind sehr fokussiert auf den medizinischen Bereich, auf Patienten mit neurologischen Störungen. Musk setzt da vielleicht andere Themen. Es gibt Bereiche, in denen wir technisch überlappen, und andere, in denen wir unterschiedlich aufgestellt sind. Ich sehe auch die Möglichkeit, zusammenzuarbeiten.

Weltweit nutzen erst 30 Patienten die BCI-Technologie, 28 davon sind mit eurem Device ausgestattet. Neuralink hat zuletzt einem Affen ein BCI-Implantat eingesetzt. Ihr seid also weiter als Musk?

Solzbacher: Ja, das sind wir. Wenn wir uns jetzt ausruhen würden, würde sich das sicherlich ändern.

Die beiden Gründer von Blackrock Neurotech, Florian Solzbacher (ganz links) und Marcus Gerhardt (ganz rechts), gemeinsam mit Patienten
Die beiden Gründer von Blackrock Neurotech, Florian Solzbacher (ganz links) und Marcus Gerhardt (ganz rechts), gemeinsam mit Patienten

Was wollt ihr jetzt mit dem Geld machen?

Solzbacher: Wir investieren in neue Studien, in Forschung und Entwicklung. Alle Patienten, die bisher einen BCI-Device haben, hatten das Glück, als Probanten in sehr teuren Studien ausgewählt worden zu sein. Wir möchten aber allen Patienten, die zum Beispiel an der Nervenkrankheit ALS leiden, den Zugang zu dieser Technologie ermöglichen. Dafür werden wir noch einiges mehr an Kapital benötigen.

Angenommen, alle ALS-Patienten hätten bereits Zugang zu einem solchen Device. Werde auch ich als gesunde Person in Zukunft ein solches Implantat verwenden können?

Solzbacher: Für mich war immer klar: Wir wollen Menschen helfen, die unsere Hilfe benötigen. Aber wie bei so vielen Entwicklungen wird es irgendwann einen Teil der Gesellschaft geben, die diese Technologie nutzen möchte, obwohl sie sie nicht unbedingt braucht. Aber das ist nicht unser Fokus momentan. Da muss man mit Vorsicht betrachten. Ich halte es aber für falsch, den Leuten, die diese Technologie jetzt benötigen, den Weg zu versperren, nur weil man sie vielleicht in 15 bis 20 Jahren anders einsetzen könnte.

Ihr konzentriert euch also ausschließlich auf kranke Menschen?

Gerhardt: Ja, aber da ist die Frage, wer gilt als gesund und wer als krank? Neurologische Stimulation könnte zum Beispiel auch für Leute mit Depressionen sinnvoll sein.

Solzbacher: Wir wollen deshalb ein Ethics-Bord aufbauen, das sich mit dieser Frage beschäftigt, so wie in der akademischen Forschung üblich.

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